Umfrage von WEB.DE & GMX 10 Jahre NSA-Skandal: Was von Snowden bleibt

Von David Binnig 3 min Lesedauer

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61 Prozent der Deutschen glauben nicht, dass ihre persönlichen Daten im Netz heute besser geschützt sind als 2013. Gleichzeitig greift nur jeder Fünfte selbst auf manuelle Verschlüsselungstechniken zurück. Das zeigt eine aktuelle Umfrage.

Ein Whistleblower ist eine Person, die interne Informationen öffentlich macht, um illegale, unethische oder korrupte Praktiken innerhalb einer Organisation aufzudecken.(Bild:  freshidea - stock.adobe.com)
Ein Whistleblower ist eine Person, die interne Informationen öffentlich macht, um illegale, unethische oder korrupte Praktiken innerhalb einer Organisation aufzudecken.
(Bild: freshidea - stock.adobe.com)

Ein Jahrzehnt ist seit der spektakulären Enthüllung der 'Snowden-Leaks' vergangen. Edward Snowden, der damalige Mitarbeiter des amerikanischen Geheimdienstes NSA, hatte 2013 die Welt in Aufruhr versetzt, als er brisante Details über das Ausmaß der globalen Überwachungspraktiken offenbarte. Er entfachte eine weltweite Debatte über Datenschutz und Bürgerrechte, die bis heute anhält. Die Figur Snowden spaltet die Meinungen - für die einen ist er ein unermüdlicher Kämpfer für die Freiheit des Einzelnen, für andere ein Verräter an der nationalen Sicherheit. Fest steht aber: Die Auswirkungen von Snowdens Handeln haben unsere Gesellschaft, die Technologiebranche und die Politik nachhaltig geprägt.

Deutsche haben nur geringes Vertrauen in Datenschutz

Das spiegeln auch die Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage von YouGov Deutschland im Auftrag der E-Mail-Anbieter Web.de und GMX wieder. Diese zeigt: Auch wenn zehn Jahre später der öffentliche Aufschrei über das Ausmaß der Spionagepraktiken von damals weitgehend ohne rechtliche Folgen blieb, ist das Vertrauen in Staaten und Behörden bei großen Teilen der deutschen Bevölkerung weiterhin erschüttert.

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So glauben 61 Prozent der Befragten nicht, dass ihre persönlichen Daten im Netz heute besser geschützt sind als im Jahr 2013. 76 Prozent gaben an, sich zumindest geringe Sorgen zu machen, dass Geheimdienste im Internet auf ihre persönlichen Daten zugreifen.

Verschlüsselung kein Ersatz für politisches Versagen

Für eine europäische Lösung zur Datenspeicherung gäbe es bei den Deutschen viel positive Resonanz: Über die Hälfte (52 %) der Befragten hat „sehr große“ (19 %) oder „eher große“ (33 %) Bedenken, persönliche Daten bei nicht-europäischen Anbietern zu speichern. Nur knapp jeder Zehnte (9 %) gab an, damit kein Problem zu haben.

Der Königsweg einer manuellen Verschlüsselung, wie sie von Expertinnen und Experten immer wieder empfohlen wird, hat sich nicht als massentauglich erwiesen. So ist der sichere Schutz persönlicher digitaler Daten durch verschiedene Verschlüsselungstechnologien nur für wenige ein Thema: Zwei Drittel der Befragten (68 %) sagt, noch nie selbst manuell private Daten wie E-Mails, Chats, Fotos oder Videos aktiv verschlüsselt zu haben. Als Hauptgrund nannten die meisten Unkenntnis der verschiedenen Verschlüsselungstechniken an (31 %), rund jeder Sechste (17 %) findet die Möglichkeiten zu kompliziert. Nur knapp einer von fünf Befragten (18 %) gab an, schon einmal private Daten manuell verschlüsselt zu haben.

Verschlüsselung verbreitet sich bei den Nutzerinnen und Nutzern aufgrund des Aufwands auf breiter Basis nur sehr langsam. Es ist auch nicht verständlich, dass europäische Bürgerinnen und Bürger ihre Kommunikation verschlüsseln müssen, weil die europäische Politik es nicht schafft, sie angemessen vor den Zugriffen fremder Geheimdienste zu schützen.

Jan Oetjen, CEO von WEB.DE und GMX

Whistleblowing im demokratischen Diskurs

Über die Hälfte der Deutschen (55 %) ist davon überzeugt, dass Geheimdienste nur dann Zugriff auf private digitale Daten erhalten sollten, wenn ein konkreter Verdacht auf ein Verbrechen besteht und ein richterlicher Beschluss vorliegt. Nur gut jeder Zehnte (12 %) würde den Geheimdiensten zur besseren Verbrechensbekämpfung uneingeschränkten anlasslosen Zugriff auf digitale Daten einräumen. Die Arbeit von Whistleblowern wie Edward Snowden sieht die Mehrheit der Deutschen positiv: 57 Prozent der Befragten sind der Auffassung, die Gesellschaft profitiere von der Veröffentlichung von Missständen. Nur jeder Fünfte (21 %) lehnt das Vorgehen von Whistleblowern kategorisch ab.

Um künftig die Position von Whistleblowern zu stärken, hat der Gesetzgeber das „Gesetz für einen besseren Schutz hinweisgebender Personen“ beschlossen. Es tritt voraussichtlich ab Mitte Juni 2023 in Kraft. Edward Snowden hat zahlreiche Auszeichnungen von verschiedenen NGO's erhalten, darunter auch den Ehrenpreis des Right Livelihood Award im Jahr 2014. Da nach der Veröffentlichung der Leaks ihm westliche Länder kein Asyl gewährten, lebt dieser seit 2013 im Exil in Moskau. Im Jahr 2022 nahm er die russische Staatsbürgerschaft an.

Zur Methodik

Im Auftrag der E-Mail Anbieter Web.de und GMX führte der deutsche Ableger des britisches Markt- und Meinungsforschungsinstitut YouGov zwischen dem 26. und 29.Mai 2023 eine Online-Umfrage mit 2.087 Teilnehmenden durch. Die Ergebnisse wurden gewichtet und sind repräsentativ für die deutsche Bevölkerung ab 18 Jahren.

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