Stimme aus dem Channel

Zeit der Diebe

| Autor / Redakteur: Achim Heisler / Marisa-Solvejg Metzger

Lässt sich Zeitdiebstahl verhindern? Diese Frage stellt sich Achim Heisler, unsere Stimme aus dem Channel.
Lässt sich Zeitdiebstahl verhindern? Diese Frage stellt sich Achim Heisler, unsere Stimme aus dem Channel. (Bild: © Andy Short - Fotolia)

Achim Heisler, unsere Stimme aus dem Channel, hat sich mit der Frage beschäftigt, ob er vergeudete Zeit in Rechnung stellen kann.

In der heutigen Zeit des direkten Konsums und einer, sich immer schneller drehenden Welt, hat das Weihnachtsfest viel von seiner Beschaulichkeit verloren. Es ist die Zeit des Schenkens, des Beschenktwerdens und der großen und kleinen Wünsche. Da ich auf ein sehr glückliches und erfolgreiches Jahr zurückblicken darf, wäre es wohl vermessen von mir, weitere Ansprüche zu stellen. Aber auch in den guten Zeiten gibt es die Nadelstiche des täglichen Geschäfts, welche einem schon einmal die Laune verhageln können.

Wer meine Beiträge regelmäßig verfolgt, der ahnt bereits, wer bei meinem Top-Chart der Nervensägen ganz oben dabei ist. Allerdings hat es auch ein Neueinsteiger zum „Chartbreaker“ geschafft. „Nur wer nichts macht, macht nichts falsch“, heißt es. Bei meinen Freunden von Microsoft und Apple habe ich aber gerade das Gefühl, dass dort besonders viel gemacht wird.

Beginnen möchte ich mit einem Marketing-Bonmont, welches vor kurzem die Gemüter der Microsoft OneDrive-Benutzer erzürnte. In den Zeiten, in denen Speicher scheinbar nichts mehr kostet, kam der Marketingabteilung von Microsoft die geniale Idee, den leicht schwächelnden Absatz ihrer Lumina Smartphones durch ein paar inkludierte Zusatzleistungen anzukurbeln. Flugs wurde beim Kauf den geneigten Kunden eine Flatrate für OneDrive angeboten. Dies ging auch eine kurze Zeit gut, aber dann kam es wie es kommen musste: Geschockt hat man nun festgestellt, dass ein paar finstere Gestalten aka „Kunden“ den Begriff der Flatrate und des unbegrenzten Speichers wörtlich nahmen. Hätte man vorausschauend, wie bei Banken, Telefonanbietern oder Versicherungen, sich mit der Gefahr auseinandergesetzt, dann hätte es dieses Angebot nie gegeben oder es hätte viele Sternchen für die Fußnoten besessen. Statt nun in den sauren Apfel zu beißen und aus dem Fehler wenigstens für die Zukunft zu lernen, nimmt man bei Microsoft die große Keule und verärgert alle Benutzer von OneDrive. Denn jemanden etwas zu nehmen, führt selten zu zufriedenen Kunden.

Doch die Zeitdiebe schlagen auch indirekt zu: Da gibt es mittlerweile ein riesiges Angebot der „Tschacka“-Berater Fraktion, die uns helfen wollen, unsere Zeit besser einzuteilen und der Information- und Email-Flut Herr zu werden. Das läuft aber leider alles ins Leere, wenn ich durch die Aktionen unserer Hersteller fremdbestimmt werde. So hat mir Microsoft ein Bündel Mehrarbeit auf den Rücken geladen. Mit dem aktuellen Patches haben sie es geschafft, eine veritable Anzahl von Systemen, auf denen ein Nischenprodukt (Outlook 2010, 2013, 2016) läuft, gegen die Wand laufen zu lassen, sodass keine Mails mehr bearbeitet werden konnten. Im schlimmsten Fall hing der komplette Rechner und es war keine Anmeldung bei Windows mehr möglich. Dies störte die Arbeitsabläufe beim Kunden enorm.

Vornehmlich geschah dieses auf Windows 7 Systemen. Ich frage mich, ob Microsoft die eigenen Produkte nicht mehr testet. Oft nehme ich Hersteller gerne in Schutz, wenn ich beispielsweise bei exotischeren Kombinationen auf das immer komplexer werdende Zusammenwirken bei Hard- und Software hinweise. Geschieht dies also bei exotischen Kombinationen, werde ich nicht den ersten Stein werfen. Aber bei zwei hausinternen Massenprodukten bereitet es mir Magenschmerzen und führt eben auch bei Kunden zu Fehlern. Diese ließen sich mit Zeitaufwand beseitigen und auch der Patch zum Patch kam recht schnell. Aber diese Zeit wird mir niemand mehr ersetzen. Wir haben ja jetzt alle gelernt, dass Microsoft und Apple im Bereich Office „Best Buddies“ sind. Wenn dann aber mit den neuen OSX als erstes Outlook nicht mehr funktioniert, dann darf ich an der Qualität dieses Bündnisses so meine Zweifel haben. Nach einiger Zeit ließ sich Apple dann doch herab und spendierte sogar einen Patch der funktionierte. Dass dies nicht selbstverständlich ist, spüren gerade die Nutzer von IOS 9 wieder, deren Mails mit Attachment scheinbar verschwunden sind. User-Foren sind gefüllt von verwirrten Anwendern, die bereits alles tun, um aus dieser misslichen Lage befreit zu werden. Angeblich weiß der First-Level-Support bis heute nichts von dem Fehler. Laut zweitem Level dürfen die Betroffenen mit einem Patch in der Version 9.2 rechnen. Und wieder stellt sich die Frage, wer ersetzt all die verlorene Zeit?

Doch wie versprochen, möchte ich mein persönliches Highlight zum Schluss präsentieren. Mein Chartbreaker heißt Samsung. Samsung vertreibt gute Laserdrucker, die auch meine Kunden überzeugen. Zusätzlich bieten sie für einige Modelle der Premiumline fünf Jahre Garantie an. Alles in allem Argumente, die überzeugen. Wie immer muss man aber nach dem Kauf die Garantie registrieren lassen. Hier darf für Samsung der Dienstleister „Markenmehrwert“ übernehmen. Nach einigen Klickversuchen landete ich dann auf der Seite, wo ich die Seriennummer eingeben darf. Nachdem diese als unbekannt eingestuft wurde, habe ich die Schuld bei mir gesucht und verschiedene Zahlen und Buchstaben ausgetauscht, die ich vielleicht falsch notiert hatte. Auch ein anderer Browser und das Leeren des Caches brachte keinen Erfolg. Also noch mal raus zum Kunden, Nummer kontrollieren und verifizieren. Ergebnis: wieder negativ. Schnell also die kostenpflichtige Telefonnummer angerufen, die in den Unterlagen stand. Die gab es nicht mehr, aber dafür eine Alternativnummer. Dort nahm der Mitarbeiter meine Daten auf, gab mir eine Bearbeitungsnummer. Ich sollte nun noch meine Daten und eine Rechnungskopie (von Ingram) per Mail schicken und alles werde gut. Die von Ihm angekündigte Bearbeitungszeit von etwa 14 Tagen (sehr lustig in einer digitalisierten Welt, wo alles sofort erfolgen soll) verstrich ohne Rückmeldung. Meine nun folgenden Telefonate und E-Mails brachten außer der Bitte um weitere Geduld keine Ergebnisse. Nun sind mehr als sechs Wochen vergangen. Ich werde trotzdem weiter Zeit investieren müssen, da sonst mein Kunde im späteren Garantiefall bestimmt als erstes nach der Registrierung gefragt wird. In der Geschichte ist jetzt schon ein Tag Arbeit versenkt worden, die ich niemanden in Rechnung stellen kann. Aber es wäre schön, von Samsung zu erfahren, wo der Prozess denn hakt oder welche Info vielleicht noch fehlt um endlich in die „Pötte“ kommen zu können.

Am Ende muss ich mir die Frage stellen, ob sich der Zeitdiebstahl verhindern lässt. Aus der Erfahrung der letzten 25 Jahre gibt es von mir ein klares Nein. Man kann versuchen, ihn zu minimieren, aber er wird sich nie ganz eliminieren lassen.Leider fehlt die verlorene Zeit dann für die wichtigen, neuen Dinge, die mein Geschäft nach vorne bringen würden. Und in einer Branche, die ein ungeheures Tempo vorlegt, ist eine begrenzte Ressource wie die Zeit ein wertvolles Gut.

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