Lesen Sie noch Anleitungen?

Woran es bei »Software für den Mittelstand«-Initiativen krankt

17.12.2008 | Autor / Redakteur: Achim Heisler von A-H-S Computer / Regina Böckle

Achim Heisler, Geschäftsführer des Systemhauses A-H-S Computer
Achim Heisler, Geschäftsführer des Systemhauses A-H-S Computer

Seit Jahren propagieren Software-Hersteller, dass Produkte für den SMB-Markt einfacher zu installieren und zu warten sein sollen, aber das Gegenteil ist der Fall, so die Erfahrung von A-H-S-Geschäftsführer Achim Heisler. Worin die Ursachen liegen, mit welchen konkreten Maßnahmen sich dieser Missstand beheben ließe und was Fachhandelspartner, die SMB-Kunden bedienen, tatsächlich von Software-Herstellern erwarten, erläutert der Systemhaus-Chef im folgenden Kommentar.

Lesen Sie noch Anleitungen? »Ja natürlich«, werden Sie sagen, »denn wie oft habe ich meinen Kunden schon den diskreten Hinweis auf die Anleitung gegeben, wenn Probleme auftraten«. Aber mit dieser Vermutung liege ich wohl falsch. Denn in einem großen Artikel in einer Beilage des »Handelsblatt« belehrt mich Achim Berg, Geschäftsführer von Microsoft Deutschland, eines Besseren: Er lese keine Anleitungen, denn wenn er dies tun müsse, dann stimme etwas mit der Bedienung des Produktes nicht. Dies müsse auch die Maxime bei der Entwicklung von Produkten sein, konnte ich dort in Erfahrung bringen.

Herr Berg, haben Sie schon einmal einen Blick auf Ihre Produktpalette geworfen? Da werden Sie mit Sicherheit fündig, wenn es um die Reduzierung der Komplexität geht. Die Produkte werden immer komplexer – das gilt auch für die Produkte anderer Softwarehersteller – und überfordern so die Ressourcen im SMB-Markt.

Gewaltiger Balance-Akt für Reseller

Seit Jahren wird propagiert, dass die Produkte einfacher zu installieren und zu warten sein sollen, aber das Gegenteil ist der Fall. Für uns als Fachhändler wird die Rolle, die wir beim Kunden einnehmen, immer mehr zum Spagat. Denn wir sind die (Teilzeit-) IT-Abteilung bei unseren Kunden. Die Komplexität der Produkte erfordert immer mehr Spezialwissen, um sie professionell zu betreuen. Auf der anderen Seite erwarten unsere Kunden eine ganzheitliche Betreuung von uns – also den Generalisten mit Blick über den Tellerrand. So bleibt uns nur, noch mehr in Fortbildung zu investieren oder durch partnerschaftliche Netzwerke die richtigen Spezialisten zusammen zu bringen.

Das Maß an Fortbildung und Spezialisierung zu erhöhen, ist angesichts des Zeit- und Personalmangels kaum leistbar. Weiterhin musste ich auf einer sehr guten technischen Veranstaltung von Citrix erfahren, dass auch Spezialisten (für das Thema Citrix) im Enterpriseumfeld sich bereits weiter spezialisieren müssen, da sie sonst der Informationsflut nicht mehr Herr werden können. Dies ist im SMB-Umfeld sicher nicht machbar. Und so komme ich zum Kernproblem, welchem sich die Softwarehersteller stellen müssen, wenn sie Produkte in den SMB-Markt verkaufen wollen.

Zwei Strömungen im SMB-Software-Markt

Eine Fraktion speckt ihre Enterprise-Versionen so ab, dass wesentliche Funktionalitäten in der SMB-Version nicht zur Verfügung stehen, beispielsweise die Unterstützung von Schnittstellen, Hardware, Performance.

Die zweite Fraktion beschränkt einfach die Anzahl der User oder Verbindungen in der Software. Dies hat oftmals den Nachteil, dass leider auch Installations- und Wartungsaufwand auf Enterprise-Niveau verbleiben. An dieser Stelle kann Microsoft mit seinen bisherigen SBS-Versionen sicherlich einmal positiv herausgehoben werden: Das Produktpaket ist anforderungsspezifisch zusammengestellt, und die Installation ist angepasst. Bei der Wartung ergeben sich leider auch hier noch einige Verbesserungsmöglichkeiten. Ob dies mit der neuen Version 2008 auch so bleibt, wird sich zeigen.

Gefordert: Echte SMB-Versionen und Möglichkeiten zur Partnervernetzung

Was wir brauchen, sind erstens: »Echte« SMB-Versionen, die sowohl im Funktionsumfang als auch bei der Installation und der Wartung an die Möglichkeiten im SMB-Sektor angepasst sind. Wenn der Markt wirklich so groß ist, wie Gartner und Co. immer behaupten, sollte sich der Aufwand wohl rechnen.

Zweitens sollte die Vernetzung innerhalb des Fachhandels gefördert werden, denn für Einzelkämpfer ist andernfalls kein Staat mehr zu machen. Eine Wiedereinführung der kostenfreien Tech@Night-Veranstaltungen bei Microsoft – Herr Berg, dies ist ein Wink mit dem Gartenzaun – wäre ein Schritt in die richtige Richtung. Dies vereinfacht das »Netzwerken« ungemein und hat uns oftmals den Blick in die Anleitung erspart.

Welche Hürden gibt es aus Ihrer Sicht im SMB-Software-Geschäft? Diskutieren Sie mit im IT-BUSINESS-Forum!

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