Stimme aus dem Handel: „It’s magic“

Wie ein Systemhaus-Chef die faulen Zaubertricks entlarvt

| Autor / Redakteur: Achim Heisler / Sarah Maier

In der IT-Branche gibt es statt echter Magie nur Illusionen.
In der IT-Branche gibt es statt echter Magie nur Illusionen. (© Syda Productions - Fotolia.com)

Diesmal beschäftigt sich Achim Heisler, Systemhaus-Chef und Stimme aus dem Handel für IT-BUSINESS, mit Magie. Dabei deckt er die Tricks hinter Cloud, Marketing und billigen Notebooks auf.

Waren oder sind wir nicht alle fasziniert von den scheinbar unendlichen Möglichkeiten, die uns die Magie bietet? Leider lernen wir im Laufe unseres Lebens, dass es etwas wie Magie nicht gibt. Und so sehr wir auch daran glauben möchten, müssen wir erkennen, dass es sich nur um gut gemachte Illusionen handelt. Mir ist es in den letzten Monaten mal wieder vergönnt gewesen ein paar dieser magischen Momente einzufangen, um nach kurzer Zeit auf den kalten Boden der Realität geworfen zu werden.

Ein Fall für die Bibel

Anfangen möchte ich mit einem Thema, was uns alle stark beschäftigt und welches auch schon vom Namen stark an Magie erinnert. Die Cloud. Was uns dort sowohl als Konsument als auch als Partner alles versprochen wird, hat schon etwas Magisches. Denn alle großen Cloud-Anbieter können in Ihrer Magie aus einem Job 5.000 hungrige IT-ler satt machen. So kommt es mir jedenfalls vor, wenn einem von allen Seiten gebetsmühlenartig erklärt wird, dass die Cloud genügend Geschäft für alle Partner bietet, wenn man sich rechtzeitig auf das neue Modell einlässt.

Wenn man jedoch ganz sachlich hinter den Zaubertrick blickt, wird einem sehr schnell klar, dass hier mit billigen Jahrmarkttricks operiert wird. Cloud-Geschäft ist in letzter Konsequenz ein klares Direktgeschäft und lässt nur sehr wenig Platz für Partner. Selbst die Partner, die sich jetzt auf Cloud einstellen, werden innerhalb der massiven Konsolidierungswelle im Cloud-Geschäft feststellen, dass die Speisung der Massen wohl ein Fall für die Bibel bleibt, und Sie einfach verhungern werden.

Einer der großen Magier in diesem Spiel deutet schon einmal im Kleinen an, mit welchen Tricks wir in der Zukunft zu rechnen haben. Da die Illusionen ja auf Ablenkung und Geschwindigkeit beruhen, müssen wir uns einfach nur zurücklehnen und die Perspektive verändern, um scheinbare Magie zu hinterfragen. Da wird Office 365 als unser Zukunftsmodell propagiert und alle Partner sollen, mit Zuckerstückchen angefüttert, die Kunden in die Office-Cloud bringen. Da gibt es dann monatlich Geld und auch die Migration bedeutet zusätzliche Dienstleistung. Doch ehe man sich versieht, ist das Geldstück verschwunden, und der Kunde hat ein Angebot über kostenfreie Migrations-Services direkt aus dem Hause Microsoft auf dem Schreibtisch liegen. Man muss kein Einstein sein, um den nächsten Schritt in dem Spiel zu erahnen.

CeBIT- oder IFA-Marktgeschrei

Doch auch die momentanen Buzz-Wörter unserer IT-Marketingstrategen beinhalten eine Menge Magie, die ich im folgenden Abschnitt gerne mal auf die nachhaltige Zauberkraft überprüfen möchte. Nehmen wir einfach mal Industrie 4.0, Automotive und Heimautomation aus dem CeBIT- oder IFA-Marktgeschrei. Die Magie von sich selbst konfigurierenden Fabriken mit Grenzlosgrößen von Eins, selbstfahrende Autos oder ein mitdenkendes Haus fasziniert jeden, ob Konsumenten oder IT-ler wie uns.

Doch gerade im Bereich Heimautomation werden uns die Zaubersprüche der Industrie schon seit 20 Jahren eingeflüstert. Am Ende reicht es hier noch nicht einmal mehr zur billigen Illusion. Das Grundproblem dieser Bereiche liegt in der mangelnden Standardisierung. Denn mit jeder guten Idee versuchen die großen Hersteller auch gleich ihren Closed-Shop – sprich ihre proprietären Standards – zu etablieren. Wozu dies führt können wir im Bereich der Heimautomation ja nun seit 20 Jahren beobachten.

In Bereich Automotive prügeln sich gerade Apple und Google um die besten Plätze. Auch hier ist noch nicht einmal ein Platz für die Illusion, von dem Kuchen etwas abzubekommen. Ich lasse mich gerne eines Besseren belehren, sehe aber für uns keine Möglichkeit in diesem Milliardenmarkt mitzumischen. Ähnlich sieht es beim Thema Industrie 4.0 aus. Nur das hier der Markt viel segmentierter ist. Es wäre wirklich Magie, wenn sich in naher Zukunft Industrieroboter verschiedener Hersteller untereinander austauschen würden (und ich vielleicht sogar die Prozesse dazu aufgesetzt hätte).

Aber es muss nicht immer das große strategische Thema sein, um auch im Alltag Magie und Illusion zu erleben. Eine Firma für elektronische Zahlungssysteme hat eine Magie entwickelt um meinen Sales-Workflow auf Null zu entschleunigen. Um ein Teilangebot zu einem Gesamtangebot zu erhalten, fragte ich dort nach einer Preisauskunft. Im Gespräch erfuhr ich, dass dies nicht möglich sei, da der Mitarbeiter im Urlaub ist. Niemand im Unternehmen könne (oder wolle) mir ein Angebot erstellen, und ich müsse zwei Wochen warten.

Bei einem Ein-Mann Unternehmen noch verständlich, bei einem großen Unternehmen ein Unding. Da beleibt unsere Magie von automatisierten Workflows, Urlaubsvertretung und Prozessbeschleunigung durch IT ganz schnell auf der Strecke.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, wie Achim Heisler fast doch einmal echte Magie erlebt hat.

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