Datentrends

Werden sich auch im Jahr 2020 noch die Festplatten drehen?

| Redakteur: Ulrike Ostler

Hat die Festplatte bald ausgedient?
Hat die Festplatte bald ausgedient? (Bild: gemeinfrei: manseok/Pixaby / CC0)

Die Flash-/SSD-Technologie setzt ihre Verbreitung auf dem Markt für Speichertechnologien fort. Für das Jahr 2017 und darüber hinaus kündigen sich zudem weitere Technologiewechsel in den Rechenzentren an, die Datenverschlüsselung setzt sich mehr und mehr durch – insgesamt verstärke sich das Augenmerk auf Informationssicherheit in Unternehmen, so die Prognosen von Kroll Ontrack.

Schon in den vergangenen Jahren gab es im Bereich der Datenrettungs- und Datenspeichertechnologie ein enormes Wachstum bei den schnelleren Flash-Speichern und bei hyperkonvergenten Speichertechnologien, ebenso wie eine Verbreitung von Ransomware-Fällen, berichtet Kroll Ontrack. Der Trend hält an.

Unsere persönlichen Geräte werden immer kleiner und können immer mehr Daten speichern – gleiches trifft auch auf die Speichertechnologien für Unternehmen zu. Flash-Speicher werden den Markt auch weiterhin in rasantem Tempo verändern.

Obwohl die Kosten für SSD weiterhin höher liegen als für die alten Speichertechnologien, setzen viele Unternehmen dennoch auf einen hybriden Ansatz. Kroll Ontrack konnte seit 2014 einen Anstieg um 239 Prozent bei Datenrettungsaufträgen von Hybrid-Laufwerken feststellen. Flash-Laufwerke werden oft mit älteren HDD-Technologien gekoppelt, um Kosten zu sparen, doch Unternehmen profitieren damit noch immer von den Vorteilen der Flash-Speichertechnologie, wie der höheren Geschwindigkeit, der Kompaktheit und dem geringeren Energieverbrauch.

Hyperkonvergente Speichertechnologie setzt ihren Aufstieg fort

Bereits in der Liste der Trends aus dem Jahr 2015 hatte Kroll Ontrack hyperkonvergente Systeme als eine der führenden Innovationen in der IT-Architektur vorgestellt. Diese Technologie, die Speicher-Ressourcen via Software auf der Hardware jeglichen Herstellers konsolidieren kann, sollte sich der Vorhersage von Kroll Ontrack zufolge auch 2017 weiter verbreiten.

Obwohl diese Technologie noch recht neu ist und daher noch nicht viele Daten vorliegen, kann man bereits eine Zunahme der Kundenanfragen zu hyperkonvergenten Speichern und deren Wiederherstellung feststellen. Die Datenrettung von diesen komplexen Systemen erfordert dabei häufig eine individuell angepasste Lösung, da die Daten vollständig in das Gerät integriert sind, was es schwierig macht, einen sektoralen Zugriff auf die Festplatten zu erhalten.

Neue Speicherkonfigurationen stellen bei der Arbeit mit hyperkonvergenten Speichern nicht die einzige Herausforderung dar. Weil diese hoch entwickelten Systeme eine intuitivere Benutzeroberfläche aufweisen, sind sie auf den ersten Blick einfacher zu installieren und zu verwalten.

Infolgedessen beschäftigen Organisationen weniger spezialisierte Personen, um hyperkonvergente Speichersysteme zu bedienen – Angestellte, die möglicherweise nicht über das umfassende Wissen verfügen, das benötigt wird, um kompliziertere Probleme zu lösen. Dies kann beispielsweise dann problematisch sein, wenn Backups überprüft werden müssen oder wenn ein Datenverlust auftritt. Dennoch werden Unternehmen wegen der vielen Vorteile weiterhin Daten in hyperkonvergenten Speicherumgebungen verlagern.

Ransomware-Fälle auf dem Vormarsch

Geschichten über Ransomware und damit zusammenhängende Datenverluste waren im Jahr 2016 stark verbreitet, wobei praktisch jeder ein potentielles Opfer war: Krankenhäuser, Unternehmen, Einzelpersonen und Regierungsstellen wurden bloßgestellt oder verloren Daten durch diese Angriffe. Wearable-Technologie ist besonders anfällig für Angriffe, da es für diese Geräte wenige bis gar keine richtigen Sicherheitsvorkehrungen gibt.

Peter Böhret, Managing Director Kroll Ontrack GmbH, empfiehlt Betroffenen, deren Daten kompromittiert oder gestohlen wurden: „Wenden Sie sich an einen vertrauenswürdigen Datenrettungsanbieter, der dazu in der Lage ist, eine individuelle Lösung zu erstellen, mit der Ihre Daten wiederhergestellt werden können, ohne dem Erpresser Geld bezahlen zu müssen.“

Da der Einfluss von Daten und Mobilgeräten auf unser Leben auch weiterhin in jeder Hinsicht zunehmen werde, müssten die Nutzer wissen, wie sie sich schützen können. „Setzen Sie sichere Kennwörter und entsorgen Sie nicht mehr benötigte Daten. Kroll Ontrack hat einen Entschlüsselungsprozess für 55 Ransomware-Varianten definiert“, so Böhret.

Hochwertige Verschlüsselung als empfohlener Standard

Der Anstieg von Ransomware-Angriffen und anderen Sicherheitslücken wird eine verstärkte Verschlüsselung in vielen Bereichen nach sich ziehen – nicht nur bei der Regierung oder der Finanz- und Gesundheitsbranche. „Jede Organisation, die sensible Informationen speichert, sollte darauf achten, ihre Daten durch Verschlüsselung zu schützen. Um diese robusteren Informationssicherheitsmaßnahmen zu unterstützen, müssen Datenrettungsunternehmen zusätzliche Ressourcen aufwenden, um Verschlüsselungspuzzles zu lösen und verlorene Daten wieder herstellen zu können", so Böhret weiter.

Retter vor Ort oder online?

Kroll Ontracks Datenrettungsexperten verzeichneten im letzten Jahr eine deutliche Zunahme (60 Prozent Wachstum) an Vor-Ort-Datenrettungsanfragen, die stark mit dem gestiegenen Bewusstsein für sensible Daten zusammenhängt. Mit dem zusätzlichen Fokus auf Datensicherheit und die Einhaltung von Datenschutzbestimmungen ist die Informationssicherheit zu einer treibenden Kraft und einem wichtigen Entscheidungsfaktor in IT-Abteilungen geworden.

Die Durchsetzung von Datensicherheitsbestimmungen für sensible Kreditkarten-Informationen und Gesundheitsdaten hat beispielsweise mehr Vor-Ort-Arbeit, mehr Sicherheits-Audits und mehr Hintergrund-Checks zur Folge. Stark regulierte Branchen setzten sich bereits mit dieser Thematik auseinander, doch auch in anderen Branchen führt die wachsende Wahrnehmung der Datensensitivität zur Einführung von Datenrettungsprotokollen.

Böhret stellt dazu fest: „Es bestehen aktuell große Bedenken bezüglich des Datenschutzes und Kroll Ontrack hat sich dazu verpflichtet, diese veränderten Anforderungen seiner Kunden zu erfüllen.“

Allerdings gibt der Manager auch zu bedenken: „Wenn der Kunde es zulässt, ist die Fern-Datenrettung eine praktikable Option. Hierbei müssen die Datenrettungsexperten nicht vor Ort sein, wodurch die organisatorische Sicherheit und der Datenschutz aufrechterhalten werden können. Bei ganz sensiblen Fällen ist es sogar möglich, eine TÜV-zertifizierte forensische Datenrettung zu beauftragen, bei der noch höhere Sicherheitsstandards erfüllt werden.“

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