Nachgehakt

Was ist eigentlich mit ... dem Safe-Harbor-Abkommen?

| Redakteur: Udo Schnell

Michael Bibow, CEO der Newtron AG, Hamburg/Dresden: „Solange es noch kein verbindliches Safe-Harbor-Nachfolgeabkommen gibt, das einen sicheren transatlantischen Datenaustausch gewährleistet, müssen sich Unternehmen selbst um einen ausreichenden Datenschutz kümmern.“
Michael Bibow, CEO der Newtron AG, Hamburg/Dresden: „Solange es noch kein verbindliches Safe-Harbor-Nachfolgeabkommen gibt, das einen sicheren transatlantischen Datenaustausch gewährleistet, müssen sich Unternehmen selbst um einen ausreichenden Datenschutz kümmern.“ (Bild: Newtron / Manfred Witt)

Ende vergangenen Jahres hat der Europäische Gerichtshof ein wichtiges Datenschutzabkommen zwischen Europa und den USA, „Safe Harbor“ genannt, für ungültig erklärt. Wir sprachen mit Michael Bibow, CEO der Newtron AG, über die Auswirkungen.

Müssen Industrieunternehmen sich wirklich Sorgen machen – sind diese Daten nicht uninteressant für Geheimdienste?

In einem Interview, das Whistleblower Edward Snowden schon vor etwa zwei Jahren der ARD gegeben hat, sagt er: „Es gibt keine Zweifel, dass die USA Wirtschaftsspionage betreiben.“ Es gehe also nicht nur um die nationale Sicherheit, sondern generell um nationale Interessen, zum Beispiel der eigenen Industrie. Der Europäische Gerichtshof hat im Safe-Harbor-Urteil auch keine Einschränkung vorgenommen. Es besagt, dass Anwender aus jeglichen Branchen nicht darauf vertrauen können, dass ihre persönlichen Daten von ausländischen Behörden unangetastet bleiben. Was auch immer dort mit den Daten passiert, Fakt ist: US-Geheimdienste wie die NSA können nach US-Recht nahezu unbegrenzt auf Kommunikationsinhalte etwa von E-Mails zwischen Geschäftspartnern oder Kollegen zugreifen, und das verletze den „Wesensgehalt des Grundrechts auf Achtung des Privatlebens“, so der EuGH, auch wenn es sich im Grunde nicht um rein „private“, sondern B2B-Kontakte handeln sollte.

Reicht es nicht aus, wenn die Daten hinreichend gut verschlüsselt sind?

Werden die personenbezogenen Daten anonymisiert oder nach anerkanntem Stand der Technik verschlüsselt, können diese in der Regel weiterhin etwa in amerikanischen Cloud-Diensten abgelegt werden. Sollen diese verschlüsselten Daten nach der Übermittlung bearbeitet werden, ist das aber praktisch kaum mehr möglich. Deshalb macht das für viele keinen Sinn.

Welche konkreten Schritte sind aus Ihrer Sicht jetzt notwendig?

Solange es noch kein verbindliches Safe-Harbor-Nachfolgeabkommen gibt, das einen sicheren transatlantischen Datenaustausch gewährleistet, müssen sich Unternehmen selbst um einen ausreichenden Datenschutz kümmern. Neben der latent vorhandenen Gefahr, von Datenschützern, Kunden oder Mitarbeitern verklagt zu werden, geht es nicht zuletzt auch um den guten Ruf. Es ist unklar, wann mit einer allseits akzeptierten Vereinbarung zu rechnen ist. Zum neuen Modell namens Privacy Shield, das im Moment diskutiert wird, gibt es ja bereits erhebliche Bedenken. Wir beobachten jedenfalls: Die Nachfrage nach Cloud-Services „made in Europe“, wie sie von Newtron angeboten werden, steigt. Transparenz und Datenschutz gehören nun mal eng zusammen. Das internationale Netzwerk aus vielen Tausend Kunden und Lieferantenbeziehungen, das die Newtron AG betreibt, basiert auf hohen technischen wie auch organisatorischen Standards, die einer strengen Aufsicht unterliegen. Zudem prüfen und aktualisieren wir sie zusammen mit Kunden und Fachkräften selbst regelmäßig in Audits, um ein Höchstmaß an Sicherheit und auch Nutzungskomfort zu erreichen. In den USA hingegen existiert eine wirksame Aufsicht schlicht nicht.

* Weitere Informationen: Newtron AG, www.newtron.ag

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