Virtuelle Netzwerke in vSphere 6

Von Standard- zu Distributed-Switches migrieren

| Autor / Redakteur: Thomas Joos / Andreas Donner

In vSphere-Umgebungen von virtuellen Standard-Switches auf Distributed-Switches migrieren: so geht's!
In vSphere-Umgebungen von virtuellen Standard-Switches auf Distributed-Switches migrieren: so geht's! (Bild: Joos)

In Infrastrukturen mit mehreren vSphere-Hosts ist es sinnvoll, eventuell vorhandene virtuelle Standard-Switches zu modernen Distributed-Switches zu migrieren. In vSphere 6 haben Administratoren sogar die Möglichkeit, virtuelle Standard-Switches zu virtuellen Distributed-Switches zu migrieren, ohne dass – wie sonst üblich – die betroffenen VMs beeinträchtigt werden.

Beim Betrieb von VMs auf Basis von vSphere spielen vor allem Portgruppen eine wichtige Rolle. Diese Gruppen können bei der Migration von Standard-Switches zu Distributed-Switches (vDS) problemlos übernommen werden. Auch wenn die Migration relativ problemlos im laufenden Betrieb durchgeführt werden kann, ist es empfehlenswert, eine Zeit zu wählen, zu der keine Hochlast zu erwarten ist. Da beim Wechsel der Switches auch die physischen Netzwerkadapter gewechselt werden, besteht ansonsten das Problem, dass einzelne Serverdienste nicht über genügend Netzwerkleistung verfügen.

Migration zu verteilten Switches durchführen

Sollen die VMs von der Migration nicht beeinträchtigt werden, müssen auf den Hosts mehrere physische Netzwerkadapter zur Verfügung stehen, die während des Wechsels zum Einsatz kommen. Der Hintergrund dazu ist relativ einfach: Administratoren erstellen mit freien Netzwerkadaptern die verteilten virtuellen Switches, übernehmen die VMs zu diesen virtuellen Switches, und entfernen zum Abschluss die noch gebundenen physischen Netzwerkadapter aus den Standard-Switches (siehe Abbildung 1).

Um eine Distributed-Switch zu erstellen, müssen Administratoren zunächst das Gerüst des Switches erstellen und konfigurieren (siehe Abbildung 2). Im Rahmen dieser Einrichtung lassen sich auch bereits vorhandene Standard-Switches sowie die virtuellen Netzwerkadapter migrieren, die in den VMs auf die Portgruppen der Standard-Switches konfiguriert sind.

Sobald die Hosts ausgewählt wurden, die an die neue verteilten Switch angebunden werden sollen, haben Administratoren die Möglichkeit, die einzelnen physischen Netzwerkadapter der vSphere-Hosts auf die Uplinks der erstellten vDS zu binden (siehe Abbildung 3).

Portgruppen übernehmen

Wurde bei der Konfiguration der verteilten virtuellen Switches die Migration der VMs ausgewählt, lassen sich im Assistenten zum Hinzufügen der Hosts und zum Konfigurieren der verteilten Switches auch die Portgruppen der VMs auf den einzelnen Hosts übernehmen. Die Portgruppen sind bei der Verwendung eines virtuellen Standard-Switches automatisch auf die Standard-Switches gebunden. Bei der Migration wird diese Bindung aufgehoben, und eine neue Verbindung mit den erstellten verteilten Switches aufgebaut (siehe Abbildung 4).

In produktiven Umgebungen sollten Administratoren möglichst nicht alle Optionen auf einmal migrieren, sondern nach und nach vorgehen. In Testumgebungen lassen sich zwar alle Funktionen auf einmal übernehmen, auf produktiven Servern ist es aber besser, sorgfältig und Schritt für Schritt vorzugehen. Hierzu sollte man zunächst eine neue Portgruppe für die VMkernel-Ports erstellen. Dabei sollten also die beiden anderen Menüpunkte "Physische Adapter verwalten" und "Netzwerk virtueller Maschinen migrieren" nicht ausgewählt werden, sondern nur die Option "keine Reinigung machen".

Über den Assistenten zum Migrieren der VMkernel-Adapter haben Administratoren auch die Möglichkeit genau festzulegen, welche Quell-Portgruppe mit welcher Ziel-Portgruppe auf den neuen verteilten Switches verbunden werden sollen (siehe Abbildung 5).

Der Assistent zu migrieren von Portgruppen testet auf einer eigenen Seite die Auswirkungen der Migration. Sind Probleme zu erwarten, erhalten Administratoren einen entsprechenden Hinweis und können den Assistenten abbrechen. Nachdem das Problem oder die Ursache behoben ist, lässt sich die Migration neu durchführen. In manchen Fällen lassen sich Auswirkungen auch übergehen, in produktiven Netzwerken sollten beim Test der Auswirkungen keine Probleme angezeigt werden (siehe Abbildung 6).

VM-Netzwerke zu Distributed-Switches übernehmen

Im Rahmen des Assistenten haben Administratoren auch die Möglichkeit, VMs zu migrieren. Hier sollte der Vorgang aber zumindest in produktiven Umgebungen zunächst übersprungen werden. Wurde die Migration der VMs im Assistenten ausgewählt, können Administratoren auf einer eigenen Seite für jede einzelne VM auswählen, welche Quell-Portgruppe mit welcher neuen Ziel-Portgruppe verbunden werden sollen (siehe Abbildung 7).

Durch einen Klick auf eine VM sind alle virtuellen Netzwerkadapter der VM zu sehen. Außerdem sehen Administratoren in der Spalte Quell-Portgruppe, mit welcher lokalen Portgruppe der virtuelle Standard-Switch der VM aktuell verbunden ist. Über die Spalte Ziel-Portgruppe ist zu sehen, ob der Netzwerkadapter bereits mit einer neuen Port Gruppe verbunden ist. Im Rahmen der Migration sollte sichergestellt sein, dass für jeden virtuellen Netzwerkadapter, und jede Quell-Portgruppe eine Ziel-Portgruppe auf dem verteilten Switch hinterlegt wurde.

Wenn alle Fenster zur Konfiguration der Migration durchgearbeitet wurden, erhält man auf der letzten Seite eine Zusammenfassung der Aktion. Erst über die Schaltfläche "Beenden" wird die Aktion ausgeführt. Es besteht an jeder Stelle des Assistenten die Möglichkeit, auf vorhergehende Fenster zurückzuwechseln. Sobald der Assistent gestartet wird, werden die durchgeführten Aufgaben auch im unteren Bereich des Web-Clients bei den kürzlich bearbeiteten Aufgaben angezeigt.

Wurden im Rahmen der Migration der physischen Netzwerkadapter eines Hosts nicht alle Adapter von den virtuellen Standard-Switches zur verteilten virtuellen Switch übernommen, lässt sich der entsprechende Assistent jederzeit im Web-Client über die Registerkarte "Verwalten" über die Schaltfläche "Netzwerk" starten (siehe Abbildung 8).

Die Migration der VMs auf die neuen virtuellen Switches kann bei der Erstellung über den Assistenten durchgeführt werden – aber auch nachträglich. Administratoren müssen auch bei der nachträglichen Migration nicht jede VM einzeln verschieben. Hier kann der Netzwerkmigrationsassistent verwendet werden. Dazu wird im Inventar mit der rechten Maustaste auf den virtuellen Distributed-Switch geklickt und der Assistent zum Verschieben von virtuellen Servern zu neuen Switches ausgewählt (siehe Abbildung 9).

Nutzen Administratoren den Migrationsassistenten in den Netzwerkeinstellungen des Hosts, können sie für jede VM und jeden Netzwerkadapter die Quellportgruppe auswählen und danach über "Portgruppe zuweisen" die Portgruppe des Distributed-Switches auswählen. Im Fenster ist das Ergebnis zu sehen. Bei "Zielportgruppe" sollte für die VMs die neue Portgruppe des Distributed-Switches ausgewählt sein. Den Vorgang schließen Administratoren genau so ab, wie den Assistenten zum Umziehen der VMkernel-Gruppe. Nach der erfolgreichen Migration sieht man in der Anzeige der Portgruppe der Distributed-Switches die umgezogenen VMs in den jeweiligen Portgruppen.

Testen der Migration und Abschluss

Nachdem eine Migration von einem virtuellen Standard-Switch oder von mehreren virtuellen Standard-Switches zu einem verteilten Switch durchgeführt wurde, sollten sich Administratoren versichern, dass die einzelnen vSphere-Hosts und alle VMs fehlerfrei funktionieren.

Für eine Überprüfung klickt man zum Beispiel im Web-Client auf einen Host und dann auf die Registerkarte "Verwalten". Über die Schaltfläche "Netzwerk" sind Informationen zu den virtuellen Netzwerken auf dem Host zu sehen. Hier werden auch Warnungen angezeigt, wenn es bei der Verbindung zwischen Host und VM zu Netzwerkprobleme kommt (siehe Abbildung 10).

Der ursprüngliche Standard-Switch ist nach der Migration leer. Den Zustand können Administratoren kontrollieren, indem sie sich durch die virtuellen Switches klicken. Im unteren Bereich muss für den entsprechenden Standard-Switch der Umzug angezeigt werden; es sollten also keine Objekte mehr angezeigt werden, da der Switch keine virtuellen Maschinen oder VMkernel-Ports mehr mit Daten versorgen muss. An dieser Stelle können Administratoren den alten Switch entfernen und die physischen Netzwerkkarten auf den Distributed Switch umstellen.

An dieser Stelle muss auch darauf geachtet werden, dass in den Einstellungen der Distributed-Switches genügend Uplinks für die physischen Netzwerkadapter konfiguriert werden müssen. Klicken Administratoren in den Netzwerkeinstellungen eines Hosts auf die Distributed-Switch, sehen sie im unteren Bereich neben den Portgruppen die zugewiesenen Uplinks; unterhalb der Uplinks sind die jeweils verbundenen Netzwerkadapter zu sehen.

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