Exchange 2010 als Chance für Third-Party-Archivierungslösungen

Vorsicht Falle: Die Tücken der Exchange-2010-Migration

30.09.11 | Autor / Redakteur: von Dirk O. Wolbeck / Andreas Bergler

Exchange 2010 stellt erhöhte Anforderungen an die E-Mail-Archivierung.
Exchange 2010 stellt erhöhte Anforderungen an die E-Mail-Archivierung.

Es gibt viele Gründe, auf Exchange 2010 zu migrieren, aber es gibt dabei auch einige kritische Punkte zu beachten. So kann Exchange die Anforderungen an die Speicher-Systeme drastisch erhöhen; insbesondere, wenn diese keine eigene Deduplizierung mitbringen.

Mit Exchange 2010 hat Microsoft offensichtlich einen Volltreffer gelandet. Während Exchange 2007 eher abwartend aufgenommen wurde – nach wie vor setzen fast die Hälfte der Anwender auf die Vorgängerversion – geht Osterman Research in einer Studie davon aus, dass Ende 2011 bereits über 56 Prozent der Exchange-Anwender auf Exchange 2010 migriert haben werden. Das größte Interesse an einer Migration besteht dabei offensichtlich bei den Unternehmen, die Exchange 2007 ausgelassen haben und nach wie vor Exchange 2003 einsetzen.

Kompression schlägt Dedup

Während 2010 für viele Unternehmen noch das Jahr der Überlegung und Planung war, werden sich Reseller 2011 über eine stark zunehmende Zahl an Migrationsprojekten freuen können. Geht man nach der Studie von Osterman Research, wird sich dabei über die Hälfte der Kunden vom Umstieg auf Exchange 2010 ein verbessertes Storage Management versprechen. Für viele ist auch die erstmals in Exchange anzutreffende Möglichkeit zur E-Mail-Archivierung ein treibender Faktor.

Doch gerade in diesen beiden Bereichen lauern auch Fallen. So hat Microsoft in Exchange seine Deduplizierungs-Technologie SIS (Single Instance Storage) abgeschafft und durch die In-Store-Komprimierung ersetzt. Identische Attachments werden nun in jeder Empfänger-Mailbox gespeichert statt wie bisher nur einmal. Allerdings kann die In-Store-Kompression nur bei leicht komprimierbaren Mail-Bestandteilen ihre Wirkung entfalten, etwa bei Headern und Mail Bodies.

Die Mehrzahl der Attachments dagegen kommt in bereits komprimierten Dateiformaten wie Office 2007, PDF, JPEG oder ZIP daher, kann also nicht von der In-Store-Komprimierung profitieren. Die Marktforscher von der Radicati Group gehen davon aus, dass solche Attachments 85 Prozent aller Maildaten ausmachen. Der Verzicht auf SIS kann daher die Anforderungen an die Storage-Systeme erheblich erhöhen, was man bei Migrationsprojekten berücksichtigen sollte. Dies gilt insbesondere bei mittelständischen Kunden, die SIS nicht einfach durch teure Storage-Systeme mit integrierter Deduplizierung ersetzen können. Abhilfe können hier Third-Party-Archivierungslösungen schaffen, die eine mit SIS vergleichbare Funktionalität zur Verfügung stellen.

Ergänzungen für Exchange 2010

Aber warum eine zusätzliche Lösung, wo doch Exchange 2010 endlich selbst eine Archivierung unterstützt? Auch hier lohnt sich ein zweiter Blick. Viele Exchange Server profitieren heute davon, dass sie durch den Einsatz von Third-Party-Archivierungslösungen erheblich entlastet werden. Durch die Archivierung in der primären User-Mailbox geht dieser Performance-Vorteil verloren; gleichzeitig muss mit längeren Backup- und Restore-Zeiten sowie weiter steigenden Anforderungen an die Storage-Systeme gerechnet werden. Zudem ermöglich Exchange 2010 keinen Offline-Zugang zum Archiv; Road Warrior sind also weiterhin auf umfangreiche PST-Dateien angewiesen. Gute Third-Party-Lösungen entlasten den Administrator, indem sie den Offline-Zugang ebenso unterstützen wie eine effiziente Suche über alle Mailboxen hinweg, während diese bei Exchange 2010 auf die jeweilige Exchange Organisation beschränkt bleibt. Und schließlich ist die Archivierung von Exchange 2010 nur mit der Enterprise CAL überhaupt nutzbar – eine externe Lösung kann da schlicht günstiger sein. □


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