Die „Stimme aus dem Channel“ im KI-Paradies

Smart Home Reloaded

| Autor / Redakteur: Achim Heisler / Wilfried Platten

Achim Heisler, Geschäftsführer A-H-S, und der Traum vom intelligenten Smart Home
Achim Heisler, Geschäftsführer A-H-S, und der Traum vom intelligenten Smart Home (Bild: Achim Heisler)

Ich lebe schon seit vielen Jahren den Traum vom smarten Heim. Immer wieder wurde es mir versprochen und in meinen Träumen bin ich in dem Hochglanzloft oder dem 18-Zimmer-Eigenheim wie wir es aus aktuellen Werbevideos kennen.

Ich erwache und eine freundliche Stimme säuselt mir die wichtigsten Infos zum Tage ins Ohr. Meine smarte Kaffeemaschine brüht derweil in der Küche den Kaffee auf. Auf meinem Smartphone erscheint die Einkaufsliste, die mein Kühlschrank erstellt hat und die ich zur Bestellung nur noch bestätigen muss. Die Rollos fahren hoch und die Beleuchtung dimmt automatisch herunter.

Doch dann…

Ja, dann wache ich wirklich auf und befinde mich in der harten Realität – ohne Hochglanzvideos. Und wenn ich mir die Videos genauer anschaue entdecke ich, dass fast alle nur dieselben Dinge tun. Sie fragen Outlook-Termine ab und den Wetterbericht oder schalten den Fernseher ein, aus und um. Selbst in den Marketingvideos der neuen digitalen Assistenten ist vom wirklichen Smart Home wenig zu sehen. Denn auch die dortigen Protagonisten sprechen nicht frei, sondern in den Floskeln, die das System versteht. Ich kann natürlich nicht erwarten, dass in diesen Videos dargestellt wird, wie dumm die Systeme sind, und welch geringe Verständnistiefe der Sprache dahintersteckt. Die Spracherkennung selber, im Sinne einer technisch einwandfreien Worterkennung und deren Performance hat sich natürlich erheblich verbessert. Aber die Schwächen der Systeme haben viele meiner Kollegen in entsprechenden Testberichten schon hinreichend erörtert.

Home, smart home

Ich möchte an dieser Stelle einmal meine (gewachsene) Infrastruktur des eigenen Smart Home oder realistischer meiner eigenen Heimautomation darstellen, damit jeder ein Gefühl dafür entwickeln kann, wo wir bei dem Thema stehen: Wichtig sind die roten Verbindungslinien, die für funktionale Abhängigkeiten und/oder Steuerungsfunktionen stehen.

Auch wenn die schiere Masse schon beeindrucken mag, ist dies aber nicht der Grund für die hohe Komplexität des Themas. Ein großer Teilnehmerkreis an dieser Runde verkündet zwar gerne die Offenheit seiner Systeme, aber nur wenn es selbst alles steuert. Oder es ist nur offen für Systeme die die Schnittstelle offiziell lizensiert haben. Eine echte Herausforderung in dieser Welt sind natürlich die Systeme, die auf „Closed Shop“ machen. Was man dann benötigt sind Kollegen in den Foren der quelloffenen Systeme mit mehr Zeit und Fähigkeiten, die mit IPsniffer, Wireshark und Konsorten in mühevoller zeitraubender Arbeit den WhiteHack vollführen und es der Gemeinschaft zur Verfügung stellen. Dann benötigt man nur noch ein paar Programmierkenntnisse in Windows, Linux, Batchprogrammierung, Pearl, VB, C-Dialekte, Phyton2/3 oder Nodejs, um die Sache mit Blut, Schweiß und vielen Tränen zum Laufen zu bringen. Und dann sind es die kurzen Momente der Freude, die unsere Branche so liebenswert machen. Wenn Mann (und auch Frau) über Siri seine Multimedia-Ausstattung ein und ausschaltet, ist dies schon ein wenig Magie. Aber leider sind die Momente nur kurz, denn für diese Art der Systemkombination existiert leider keine vernünftige Patch- oder Upgrade-Strategie. So wird das Thema Nachhaltigkeit leider eher zur Kurzatmigkeit. Und dies betrifft nur die Softwareseite.

Intelligenz gesucht

Über die Qualität der Consumer-Hardware und der China-Sensoren möchte ich mir hier durchaus ein Urteil erlauben. Es fällt auf Grund der langjährigen Erfahrungswerte nicht positiv aus. Auch wenn ich über all dies hinwegsehen sollte, bleibt immer noch der Punkt der mangelnden Intelligenz. Bis mein System uns als eigenständige Personen mit Launen und zufälligen Stimmungen begreifen wird, werden noch viele Alexas und Siris das Internet bevölkern. So sehen wir eben auch bei den Cloud- und Pseudo-KI bewährten Systemen abseits der angelernten Pfade keine Intelligenz.

Dies mag auf den erwartungsfrohen Kunden erschreckend dumm wirken, aber noch erschreckender ist die Tatsache, wie unsicher folgende Punkte sind: offene Passwörter im Quellcode, unverschlüsselte Übertragung, unbekannte Webservices, Fehler in Hardwaresystemen und Protokollen oder Alarmanlagen und Router mit Standard- oder Hard-codierten Passwörtern.

Glückliche Momente

Am Ende des Tages, wird uns von allen Seiten versprochen, wie viele Milliarden Euro wir in den nächsten Jahren in den Bereichen Smart Home, IOT und KI verdienen können. Leider muss ich aber feststellen, dass es dort für KMU-Kunden an tragfähigen Geschäftsmodellen fehlt. Der Aufwand für Erstellung und Pflege meines Systems wäre auch für sehr preiselastische Kunden nicht darstellbar. Die dann existierenden Sicherheitslücken wären mindestens fahrlässig und damit unverantwortlich einem Kunden gegenüber. So bleibt es für mich im Moment eine faszinierende Machbarkeitsstudie für den Nerd in mir. Auch beim Smart Home stelle ich dieselben Forderungen wie bei der Industrie 4.0. Wir benötigen offene Standards und intelligente, sichere Gateways, die in beide Richtungen arbeiten. Ich bleibe am Ball, um das erste Erleben einer richtigen KI auf keinen Fall zu verpassen und die kurzen Momente der programmierten Glückseligkeit in meinem Lebenskalender zu speichern.

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