Von Android bis Zigbee

Schmelztiegel Smart Home

| Autor: Sylvia Lösel

Machen neue Appliances bald Schluss mit dem Durcheinander im Smart Home?
Machen neue Appliances bald Schluss mit dem Durcheinander im Smart Home? (Bild:Five mountains - Fotolia)

Zigbee, Z-Wave oder Bluetooth? Zum Glück wird es immer weniger wichtig, welche Funkprotokolle man in seinem smarten Zuhause einsetzt. Denn immer mehr Hersteller haben Lösungen im Portfolio, die unterschiedliche Welten zusammenführen können. Auch deshalb steigt die Nachfrage nach Smart-Home-Lösungen bei den Verbrauchern.

Aus dem Land der Teetrinker kommt der iKettle. Das Modell 2.0 gibt es im Edelstahl-Design und mit einer iOS- und Android-App. Damit lässt sich der Wasserkocher sogar vom Bett aus fernsteuern. Das aufs Grad genau aufgeheizte Wasser sorgt dann für ungetrübten Teegenuss. Eltern von Flaschenkindern können sich über die Warmhaltefunktion freuen. So haben sie auch nachts immer Wasser in der richtigen Temperatur.

Mit einem Kieselstein will Awox die Lichtsteuerung revolutionieren. Leider geht das nur in Verbindung mit Awox-Glühbirnen. Diese verbinden sich dann via Bluetooth mit dem „Pebble“. Mit diesem „Stein der Weisen“ können, zum Beispiel via Gestensteuerung, Lampen ein- und ausgeschaltet werden.

Von proprietär zu universell

Fantasievolle Einzellösungen wie gerade beschrieben finden sich unter dem Deckmäntelchen Smart Home viele. Und oft können diese, mit noch mehr Fantasie, in komplexe Systeme eingebettet werden. Neben Systemen mit proprietären Standards kann ein Smart Home aber auch mittels universeller Funklösungen und komplexer Verkabelungen realisiert werden. Letztere finden vor allem unter den Häuslebauern immer größeren Anklang. Erstere bedienen den Massenmarkt der Mieter und Nachrüster, da sie ohne größere Umbaumaßnahmen realisiert werden können. Während Häuslebauer gerne auf KNX-Bus-Systeme zurückgreifen, gestaltet sich die Wahl für ein passendes Nachrüst-System meist schwierig. Oftmals ist eben eine Kombination verschiedener Lösungen vonnöten. Und genau dort sollte die Stärke des Fachhandels liegen – in Beratung und Verknüpfung der unterschiedlichen Systeme.

Smart Home: So wird es auch für Distribution und Handel ein Erfolg

Weg von der Insel

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25.01.16 - Der Fantasie sind beim Thema Smart Home keine Grenzen gesetzt, zumindest nicht, was die Produkte angeht. Doch der Trend geht weg von Insellösungen, hin zu plattformübergreifenden, offenen Konzepten. Gerade dort sieht die Distribution viel Potenzial für den Handel und hat praktische Tipps parat. lesen

App-gesichert

Für so ziemlich alle Funklösungen gilt: sie sind per App über ein Smartphone oder Tablet steuerbar. Im Idealfall können verschiedene Systeme unter einer Oberfläche zusammengefasst und gesteuert werden. So kann zum Beispiel eine „Auf-Wiedersehen“-Taste neben der Haustür so programmiert werden, dass bei Tastendruck alle nicht benötigten Lichter und Geräte abgeschaltet werden. Auch Bosch hat auf der CES in Las Vegas eine App vorgestellt, die als Schnittstelle zwischen den unterschiedlichsten Systemen fungiert. Egal ob diese Systeme mittels WLAN-, Zigbee- oder Bluetooth funken, sie könnten alle unter einer Steuerungs-Oberfläche zusammengeführt werden. Voraussetzung ist, dass auch die anderen Hersteller ihre Standards offenlegen. Bislang ist die Bosch-App im Google-Store erhältlich.

Jeder mit jedem?

Dass der Markt kräftig in Bewegung ist, davon zeugen auch andere zahlreiche Zusammenschlüsse, Kooperationen und Initiativen, die in den vergangenen Monaten entstanden sind. So kooperiert die Zigbee-Allianz mit Enocean, eQ-3 ist der EEBus-Initiative beigetreten, Digitalstrom sucht sich Partner unter den Autobauern und Panasonic hat sich mit Allianz Assist einen Versicherungspartner gesucht, der einen Notfallservice anbietet.

Ergänzendes zum Thema
 
Hello HaLow!

Ein relativ neuer Anbieter ist Neusta Next, der mit seiner Marke Coqon eine Lösung am Start hat, die „problemlos zu installieren, spielerisch zu handhaben und wie ein Bankautomat verschlüsselt ist“. Das Herz des Systems ist die Qbox. Sie dient als Schaltzentrale und kann bei Bedarf Produkte weiterer Hersteller von Netatmo bis Philips Hue integrieren. Dabei greift das System auf den selbst entwickelten Standard Q-Wave zurück, der für sichere Übertragung sorgen soll. Gleichzeitig beherrscht das System aber auch den Z-Wave-Funkstandard sowie WLAN. Das sorgt für die Öffnung hin zu Smart-Home-Komponenten anderer Hersteller.

Ähnlich universell klingt der Ansatz von Zyxel. Der Router-Spezialist stellt auf dem MWC seine Lösung Connect One vor. Damit ließen sich nicht nur Zyxel-Geräte zuhause adressieren und verwalten. Auch Protokolle wie Zigbee, Z-Wave, Bluetooth und WLAN werden unterstützt und somit auch entsprechende IoT-Geräte. Der Trend geht zu cleveren Schnittstellen-Managern, die die unterschiedlichen Standards „übersetzen“ und im Idealfall via App steuerbar machen.

A propos App: Z-Wave hat nun für seine Software Z-Way einen Store aufgesetzt. Unter dem Slogan „App-grade your Home“ werden dort fertige Anwendungen angeboten, die direkt eingesetzt werden können. Um beispielsweise eine komplexe Heizungssteuerung zu realisieren, muss der Nutzer nur noch Parameter wie zu verwendende Geräte, Räume und Heizzeiten in der App auswählen. Z-Way wird bereits vielfach auf Raspberry-Pi-Computern für die Heimautomation eingesetzt. Auch Western Digital setzt auf die Software. So können Geräte der My-Cloud-Serie von WD mit Hilfe des Z-Wave-USB-Sticks schnell in ein Smart-Home-System verwandelt werden.

Marktvolumen wächst

Nach Bitkom-Schätzungen werden bis zum Jahr 2020 voraussichtlich in einer Million deutscher Haushalte intelligente und vernetzte Sensoren oder Geräte eingesetzt. „Auf dem Markt gibt es immer mehr miteinander vernetzbare Geräte, die immer erschwinglicher werden. Das treibt die Verbreitung von Smart-Home-Lösungen voran“, sagt Tobias Arns, Smart-Home-Experte des Bitkom.

Ein Treiber für das vernetzte Zuhause sind Sicherheits-Aspekte. Ein smartes Haus, so weiß die Leiterin der Gruppe Smart Environment beim Eco Verband, Arzu Uyan, bietet viele Möglichkeiten, unliebsame Besucher abzuschrecken, wie etwa durch intelligente Lichtsteuerungen, automatische Rollläden oder das ferngesteuerte Ein- und Ausschalten von Fernsehgeräten. Doch ist das Sicherheitsthema auch ein Punkt, der auf der Negativseite des vernetzten Zuhauses zu Buche schlagen kann. Von der Aufzugsteuerung bis zur Zugangskontrolle – bei einer Cyber-Attacke biete sich den Angreifern ein breites Spektrum mit potenziell verheerenden Folgen an. „Im schlimmsten Fall wird ein gesamtes Gebäude von einem Botnet gekapert und zur automatisierten und hocheffizienten digitalen Verbrechenszentrale umfunktioniert, ohne dass es Eigentümern oder Mietern überhaupt auffällt“, zitiert Eco den Fraunhofer-Forscher Dr. Steffen Wendzel.

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