Untersuchungshaft für Unternehmensgründer und drei Komplizen

PC Fritz steht im Verdacht 1,5 Mio. gefälschte DVDs beauftragt zu haben

| Redakteur: Harry Jacob

Wegen "Wiederholungsgefahr" kamen vier PC-Fritz-Mitarbeiter in Untersuchungshaft
Wegen "Wiederholungsgefahr" kamen vier PC-Fritz-Mitarbeiter in Untersuchungshaft (Bild: VBM-Archiv)

Weil die Preise immer so schön niedrig waren und die Seriennummer funktionierten, haben viele Kunden auch nach der Razzia im September 2013 weiter bei PC Fritz Windows-Lizenzen geordert – auch auf Vorkasse. Doch die versprochenen DVDs kommen nicht mehr.

Im April wurden bereits drei Komplizen festgenommen, Anfang Mai klickten auch beim PC-Fritz-Gründer die Handschellen. Dieser muss sich wie die anderen Hauptverantwortlichen wegen mutmaßlichem banden- und gewerbsmäßigem Betrug verantworten. Die Staatsanwaltschaft, die seit September 2013 ermittelt, erließ die Haftbefehle aufgrund der Wiederholungsgefahr. Denn auch nach der ersten Razzia hatte PC Fritz weiter Windows-7-Lizenzen weit unter Marktpreis verkauft und damit den Verdacht genährt, dass auch diese Ware gefälscht sei.

In die Falle getappt

Aus Ermittlerkreisen wurde IT-BUSINESS bestätigt, dass gegen PC Fritz auch deshalb ermittelt wird, weil der Online-Händler einen weiteren großen – und illegalen – Coup vorbereitet haben soll. Demnach sei von einer deutschen Firma ein Auftrag über 1,5 Millionen Windows-7-DVDs an ein Presswerk im europäischen Ausland ergangen, scheinbar von Microsoft Deutschland. Da die Bestellung aber nicht aus München kam, wo Microsoft Deutschland seinen Hauptsitz hat, wurden die Auftragnehmer misstrauisch und fragten dort nach. So kam das neue Ermittlungsverfahren ins Rollen. Dabei erhärtete sich der Verdacht, dass die Auftraggeber in Beziehung zu PC Fritz stehen.

Der Online-Händler offerierte derweil weiterhin Windows-7-Lizenzen zu sensationellen Preisen. Nach der Razzia im September ging der Preis sogar noch weiter in den Keller. Statt knapp 30 waren es nicht einmal mehr 20 Euro, die die Kunden entrichten mussten. Nur sollten sie ein paar Tage warten müssen, bis wieder Ware verfügbar war. Wie den diversen Online-Foren zu entnehmen ist, haben auch viele Kunden weiterhin bei PC Fritz bestellt. Einige offenbar auch auf Vorkasse.

Doch die versprochene Ware kam nicht. PC Fritz selbst wurde vom DVD-Presswerk immer wieder vertröstet, um den Ermittlern Zeit zu verschaffen. Schließlich konnten diese aufgrund der neuen Erkenntnisse Haftbefehle gegen die Hauptverantwortlichen des Online-Händlers erwirken. Wie die Staatsanwaltschaft Halle und das Zollfahndungsamt Dresden mitteilten, sei der Beschluss ergangen „insbesondere wegen der Wiederholungsgefahr“.

170.000 gefälschte DVDs

Im September 2013 waren umfangreiche Warenbestände von PC Fritz sichergestellt worden. Zunächst war von 100.000, dann von 120.000 DVDs die Rede. Inzwischen zählten die Fahnder 170.000 DVDs, die vermutlich als Raubpressung geliefert worden waren. Sämtliche Stichproben aus diesem Warenbestand hätten sich als Fälschungen erwiesen.

Bei neuen Hausdurchsuchungen im April sind nach Angaben der Staatsanwaltschaft sieben Objekte in Berlin durchsucht worden, darunter Geschäftsräume wie Wohnräume von Verantwortlichen der Firma. Drei Haftbefehle konnten vollstreckt werden. Die Fahnder haben schriftliche Unterlagen als mögliche Beweismittel sichergestellt. Außerdem wurden weitere 2.000 DVDs beschlagnahmt.

Der vierte Haftbefehl, gegen den Unternehmensgründer, sei laut Medienberichten erst drei Wochen später vollstreckt worden, nachdem Zielfahnder den Gesuchten in Kassel ermittelt hatten. Angeblich waren Hinweise aus seinen Social-Media-Posts ausschlaggebend gewesen.

Ach ja: Windows-Lizenzen verkauft PC Fritz übrigens im Moment keine mehr...

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