Online-Händler droht Microsoft und senkt die Preise noch weiter

PC Fritz sieht sich selbst in der Rolle des Opfers

| Redakteur: Harry Jacob

PC Fritz versucht sich als Opfer einer Microsoft-Kampagne gegen den Handel mit Original-Gebrauchtsoftware darzustellen – dabei geht es um illegal gebrannte Datenträger.
PC Fritz versucht sich als Opfer einer Microsoft-Kampagne gegen den Handel mit Original-Gebrauchtsoftware darzustellen – dabei geht es um illegal gebrannte Datenträger. (pcfritz.de)

Statt 29,90 Euro jetzt nur noch 19,90 Euro. So kontert PC Fritz die Beschlagnahme von Windows-7-Paketen im Rahmen eines Strafermittlungsverfahrens, das Microsoft ausgelöst hat. PC-Fritz-Gründer Maik Mahlow versucht zudem, aus dem Fälschungs-Fall eine Debatte um den Gebrauchtsoftware-Handel zu machen – doch erste Stichproben haben Fälschungen nachgewiesen.

Windows 7 Professional in der 64-Bit-Version gibt es jetzt bei PC Fritz für 19,90 Euro. Allerdings nicht sofort, sondern voraussichtlich mit einer Lieferzeit von vier bis fünf Tagen. Denn die bisherigen Vorräte hat die Staatsanwaltschaft beschlagnahmt. Dabei soll es sich um gefälschte Waren handeln. Und wer bereits ein Windows 7 bei PC Fritz gekauft hatte, dem war vielleicht schon aufgestoßen, dass das Produkt nicht in der auf der Website abgebildeten originalen Verpackung geliefert worden war, sondern in einer PC-Fritz-eigenen Schachtel.

Gegenerklärung veröffentlicht

Maik Mahlow, Geschäftsführer und Gründer PC Fritz, hat die Pressemitteilung von Microsoft zu den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft mit einer eigenen Erklärung gekontert. Darin heißt es unter anderem: „Wir distanzieren uns ausdrücklich vom Handel mit gefälschten Datenträgern und möchten hier noch einmal mit aller Deutlichkeit festhalten, dass wir mit Original-Produkten handeln“.

Dumm nur, dass das Microsoft, die Staatsanwaltschaft und auch Händler anders sehen. Microsoft erklärte auf Nachfrage von IT-BUSINESS, dass alle beim PID-Service eingereichten Datenträger – anders als von Mahlow behauptet – keine Original-Ware waren, weder von Microsoft noch von OEMs, sondern von Dritten illegal angefertigt wurden.

Gleiches gelte für die beigefügten Nachweise für die Seriennummern. Auf diese nachweislich gefälschten Produkte stützte sich die Hausdurchsuchung und Beschlagnahme durch die Staatsanwaltschaft.

Damit ist auch der Versuch Mahlows hinfällig, sich selbst als Opfer einer Microsoft-Kampagne zu gerieren, die sich gegen den legalen Handel mit Gebrauchtsoftware wende. Denn dies würde ja voraussetzen, dass es sich um Original-Software handelt.

Doch der PC-Fritz-Gründer sieht sich im Recht. Er droht: „Die von Microsoft veröffentlichte, verleumderische und rufschädigende Mitteilung lassen wir von unseren Anwälten überprüfen und werden eine Einstweilige Verfügung gegen diese Behauptung erwirken.“ Außerdem will Maik Mahlow sich laut seinem Facebook-Eintrag in einer Pressekonferenz in dieser Woche äußern: „Ich nehme Stellung zu allen Vorwürfen und werde juristisch dagegen vorgehen, ein hoher Imageschaden bleibt dennoch zu erwarten.“

Erste Fälschungen nachgewiesen...

Über die nach neuester Zählung rund 120.000 Datenträger, die in Geschäftsräumen und Privatwohnungen sichergestellt worden waren, kann noch keine vollständige Aussage getroffen werden. Erste Stichproben einzelner Spindeln mit Datenträgern ergab, dass diese jeweils gefälscht waren. Auffällig, so Microsoft, war die Tatsache, dass die Spindeln jeweils oben mit einem Rohling als Schutz versehen waren.

Es seien auch einige hundert Original-DVDs sichergestellt worden. Dabei handelte es sich tatsächlich um die Variante, die von Microsoft für PC-Refurbisher produziert wurde. Ob diese allerdings jemals von PC-Fritz gehandelt wurden, sei von Microsoft nicht nachvollziehbar. Beim PID-Service waren keine solchen Windows-7-DVDs eingereicht worden.

Schon vor dem Zugriff durch die Ermittlungsbehörden war vor Fälschungen bei PC Fritz im Internet gewarnt worden. So zum Beispiel in diesem Youtube-Video der Rechtsanwaltskanzlei Wilde Beuger Solmecke vom 10. September 2013:

...und auch anderweitig mehren sich die Hinweise

Die Debatte, ob Microsoft tatsächlich eine Kampagne gegen unliebsame Marktteilnehmer fährt, die eigentlich legale Geschäfte machen, zeigt durchaus Wirkung. Doch in solche Diskussionen auf diversen Blogs und Online-Foren mischen sich auch immer wieder sachkundige Teilnehmer, die durchaus Hinweise darauf liefern können, dass PC Fritz tatsächlich gefälschte Produkte in den Verkehr gebracht hat. So zeigt der User Ettrich auf der Website Computerbase.de auf, warum das Zertifikat des Users Megatron offensichtlich kein Original ist.

Und bei shortnews.de schreibt ein betroffener Händler am 21.09.2013 um 14.42 Uhr unter dem Usernamen softwarelegal2013, dass er 700 gefälschte Lzenzen von PC Fritz geliefert bekommen habe. Demnach sei PC Fritz von anderen Händlern bereits vor vier Monaten darauf hingewiesen worden, dass das Unternehmen mit Fälschungen handele.

Und eine weitere Entgegnung kommt vom User CW173 auf heise.de, der darlegt, dass das PC-Fritz-Statement nur Laien hinters Licht führen könne. So zum Beispiel weil die angeblich von Refurbishern bezogenen Produkte von diesen gar nicht eingesetzt werden und weil die hohe Zahl der beschlagnahmten angeblichen „Original-OEM-DVDs“ von Dell so im Markt nicht erhältlich seien.

UPDATE: Einstweilige Verfügung gegen Microsoft erwirkt

Wie angekündigt hat die PCFritz.de Onlinestore GmbH gegen Microsoft eine einstweilige Verfügung erwirkt. Vier Aussagen werden in dem Beschluss des Landgerichts Köln (AZ 33 O 215/13) aufgeführt, die Microsoft nicht mehr verbreiten darf:

  • das PC Fritz gefälschte Software und Raubkopien von Windows 7 besitze und/oder vertreibe;
  • dass Microsoft durch das Verhalten von PC Fritz wirtschaftliche Einbußen sowie Kunden und Händlern Schäden entstanden seien;
  • dass PC Fritz die gefälschten Datenträgern Sicherungskopien nachempfunden habe;
  • und dass PC Fritz Raubkopien mit eigenen Verpackungen und gefälschten Echtheitszertifikaten versehen und zu weit unter dem Marktpreis liegenden Konditionen vertrieben habe.

Microsoft hat die entsprechende Pressemitteilung zunächst von der Website genommen, obwohl zum Zeitpunkt der Nachfrage durch IT-BUSINESS die Verfügung noch nicht eingegangen war. Der Software-Hersteller will den Beschluss nach Zustellung prüfen und behält sich weitere rechtliche Schritte vor.

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Ich habe mich selbst davon überzeugen können, das zumindest der Aufkleber den ich von PcFritz...  lesen
posted am 25.09.2013 um 18:39 von Unregistriert

Der Redaktion von IT-Business gehört ein Lob ausgesprochen, da sie anders als andere...  lesen
posted am 24.09.2013 um 15:34 von Unregistriert

Ach? Wenn die Spindeln mit raubkopierten Datenträgern, anscheinend frisch aus dem Presswerk,...  lesen
posted am 24.09.2013 um 11:48 von Unregistriert

Lächerlich von Microsoft. Wieder ein weiterer Versuch den OEM Markt kaputt zu machen und...  lesen
posted am 24.09.2013 um 10:20 von Unregistriert


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