28.04.2011 | Redakteur: Harry Jacob

Elastic Compute Cloud (EC2), ein Cloud-Angebot an mittelständische Geschäftskunden, war von Gründonnerstag bis Ostermontag gestört. Erst ein Totalausfall, dann Performance-Störungen sowie nicht wiederherstellbare Kundendaten – erneut zeigt sich die Kehrseite des Cloud Computings.
Online-Versender Amazon hat sich beim Cloud Computing eine schwere Schlappe geleistet. Der Dienst Elastic Compute Cloud (EC2), der insbesondere auf geschäftliche Anwender aus dem Mittelstand ausgerichtet ist, fiel in den USA am 21. April vollständig aus. Schuld gewesen sei eine Panne in einem Rechenzentrum in North Virginia. Dort sei eine Reihe von Servern in einen Notfall-Modus versetzt worden, so eine erste Mitteilung des Unternehmens.
Nach Analysen von Experten sollen gleichzeitig mehr als 500.000 Server (im Amazon-Sprachgebrauch EBS, Elastic Block Server) versucht haben, ihre Daten zu retten, nachdem sie vermeintlich die Verbindung zur zentralen Sicherungsinstanz verloren hatten. Durch den Versuch, Unmengen an Daten von einem Rechenzentrum („Availability Zone“) zu einem anderen zu verschieben, sei der Dienst schließlich zusammengebrochen. In der Folge mussten Webservices wie Foursquare, Reddit und Quora ihre Dienste vorübergehen einstellen, weil ihre Datenbanken nicht mehr erreichbar waren. Auch News-Seiten wie die der New York Times waren betroffen.
Amazon garantiert eine Verfügbarkeit von 99,95 Prozent. Das bedeutet, dass pro Jahr mit weniger als 4:23 h Ausfallzeit zu rechnen ist. Dieser Wert wurde nun bei einigen Kunden deutlich überschritten. Zudem musste der Konzern sogar einräumen, dass vereinzelt Kundendaten verloren gegangen und nicht wieder herstellbar sind.
Nachdem das Rechenzentrum in North Virginia seit Dienstag wieder problemlos arbeitet, kam es bereits am Mittwoch erneut zu Störungen, diesmal im europäischen Teil des EC2-Dienstes, der in einem Rechenzentrum in Irland gehostet wird. Die Reaktionszeiten waren vorübergehend in den Keller gegangen, und es kam zu Paketverlusten bei der Datenübertragung. Störungen „außerhalb des Amazon-Netzwerkes“ seien dafür die Ursache gewesen, teilte der Online-Riese mit. Das Problem sei dadurch behoben worden, dass zusätzliche Leitungskapazitäten angemietet wurden.
Die Datenpanne ist gleich in mehrfacher Hinsicht kritisch. Zum einen geschah sie kurz vor der Hauptversammlung der Amazon-Aktionäre – auf der das Management den Aktionären einen Verzicht auf allzu hohe Dividenden-Ausschüttungen vermitteln wollte, damit das Unternehmen in die zukunftsträchtigen Cloud-Services stärker investieren kann (hier geht‘s zum Überblick über die Cloud-Services von Amazon). Im abgelaufenen Geschäftsjahr war aufgrund der Ausgaben für Web Services der Gewinn um ein Drittel zurückgegangen.
Zum anderen schürt sie das Mißtrauen der potenziellen Kunden gegenüber der neuen Technik. Sie fürchten, dass bei einem Ausfall des Cloud-Angebots die Arbeitsfähigkeit des Unternehmens beeinträchtigt wird, dass Daten zerstört werden oder in falsche Hände fallen. Fälle wie diese Panne bei Amazon oder bei der Microsoft-Tochter Danger im Herbst 2009 (siehe Artikel „Telekom und Microsoft verlieren Kundendaten in der Cloud“) geben diesen Sorgen immer wieder neue Nahrung.
Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 2051149) | Archiv: Vogel Business Media