Virtualisierungs-Experte Zane Adam: „Preis, Management-Tools und offene Standards sind entscheidend“

Wie Microsoft den Virtualisierungs-Markt erobern will

18.03.2010 | Redakteur: Regina Böckle

Zane Adam ist General Manager Virtualization & Management Business bei Microsoft.

Die Virtualisierungs-Anbieter Citrix und VMware haben das Jahr 2010 zum Jahr der Desktop-Virtualisierung erklärt. Microsoft nicht. „Wir sind das Thema Virtualisierung von Anfang an ganzheitlich angegangen. Daher heben wir nicht einzelne Segmente hervor“, sagt Zane Adam, General Manager Virtualization and Systems Center bei Microsoft. Welche Strategie der Redmonder Software-Hersteller verfolgt, erläutert der Manager im Interview mit IT-BUSINESS.

Vor knapp zwei Jahren brachte Microsoft seinen Hypervisor Hyper-V als festen Bestandteil des Windows Server auf den Markt. Der strategische Unterschied, den Microsoft gegenüber den Mitbewerbern im Virtualisierungs-Umfeld von Anfang an für sich beanspruchte, ist die starke Betonung der Verwaltungs-Tools. „Wir haben von Anfang an Virtualisierung nicht nur von der Server-Seite aus betrachtet, sondern ganzheitlich: vom Server über Storage hin zur Desktop- und Applikations-Virtualisierung, inklusive der nötigen Management-Tools“, erklärt Zane Adam, General Manager Virtualization and Systems Center bei Microsoft. Der Fokus lag auf der Bereitstellung von Management-Tools, mit denen der Kunde sowohl die physische als auch die virtuelle Welt zentral verwalten kann.

Management im Mittelpunkt

„Wir haben während der Entwicklung von Hyper-V die Kundenbedürfnisse über Jahre hinweg analysiert und kamen zu dem Schluss, dass der Vorteil der Virtualisierung nur durch ein einheitliches Management zu verwirklichen ist“, berichtet der Experte. Für den Erfolg der einzelnen Virtualisierungs-Angebote werde es entscheidend sein, inwiefern sich die Systeme zentral verwalten lassen. „Denn letztlich entscheidet sich an der zentralen Verwaltbarkeit, wie groß die Vorteile sind, die Kunden durch die Virtualisierung erfahren – unabhängig davon, ob es sich um die Virtualisierung von Servern, Storage-Systemen, Desktops oder Applikationen handelt“, so Adam.

IDC zufolge konnte Microsoft den Marktanteil im Bereich der Server-Virtualisierung vergangenes Jahr weiter erhöhen. Adam wertet diesen Zuwachs zum einen als Erfolg der Microsoft Management-Tools. Zum anderen schlage sich hier auch der Preisvorteil für Kunden nieder: „Verglichen mit VMware ist unsere Lösung weitaus günstiger“, so der Manager.

Desktop-Virtualisierung

In Microsofts Desktop-Virtualisierungs-Strategie kommt der Applikations-Virtualisierung mit App-V eine zentrale Rolle zu. Auch hier ziehen die Umsätze an, wie Adam berichtet: „In den vergangenen Monaten haben sich mehr als 20 Millionen Anwender für App-V entschieden. Im Bereich Applikations-Virtualisierung sind wir damit ganz klar Marktführer.“ Als mit Abstand die Nummer eins betrachtet sich der Redmonder Hersteller ebenso beim Blick auf den Gesamtmarkt für Server-, Desktop- und Applikations-Virtualisierung.

Microsoft bietet Kunden mehrere Varianten zur Desktop-Virtualisierung an. Bei der Desktop-Virtualisierungslösung MED-V setzt das Unternehmen im Unterschied zum Mitbewerb auf den dezentralen Betrieb der virtualisierten Desktops. Denn MED-V betreibt den virtualisierten Desktop in einer eigenen Laufzeitumgebung auf dem lokalen Rechner, also nicht im Rechenzentrum.

Die Konzepte des Virtual PC fließen hier mit ein: Mit dem Virtual PC ermöglicht es Microsoft schon seit Jahren die Virtualisierung eines Rechners auf einem Desktop.

Beim Virtual PC erhielt der Benutzer allerdings lange Zeit seine Desktops parallel angezeigt. Das führte häufig zu Verwirrungen, weil er jeweils zwei Startmenüs und beispielsweise zweimal sein Windows XP erkannte.

Deshalb integrierte Microsoft bei MED-V den virtuellen Gast nahtlos in das Host-System. Der Benutzer erhält seitdem nicht mehr mehrere Windows-Desktops, die er selbst verwalten muss, sondern der Anwender sieht nur die Applikation.

Somit kann beispielsweise MED-V mit Windows 7 als Host-System auch Windows-XP-Applikationen integrieren. Dabei sieht der Anwender nicht den XP-Arbeitsplatz, sondern nur die gewünschten Applikationen. Beim Start der XP-Anwendung wird dann auf seinem lokalen Rechner eine virtualisierte Instanz von XP mit der Applikation ausgeführt.

Wie sich Microsoft im Virtualisierungs-Markt strategisch positioniert, erläutert Zane Adam auf der folgenden Seite.

Marktanteile Server-Virtualisierung laut Gartner


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