13.08.2009 | Autor / Redakteur: Joachim Benner, Research Analyst, IDC / Katrin Hofmann
Die Ankündigung von Patni-CFO Surjeet Singh Mitte des Jahres, in Europa durch Übernahmen wachsen zu wollen, sollte die hiesigen Player aufhorchen lassen. Die Kriegskassen von Patni sind gut gefüllt und eine Übernahme eines in Deutschland starken Anbieters würde die Inder ein wesentliches Stück weiter bringen. Auf der Wunschliste steht ein Dienstleister mit rund 300 bis 500 Consultants, der stark im SAP-Umfeld ist. Patni würde damit auf einen Schlag zu einem der personalstärksten Offshorer in Deutschland werden. Ob und wie es gelingt, einen europäischen Anbieter in das indische Unternehmen zu integrieren, wird entscheidend dafür sein, ob die Strategie aufgeht.
Zweitens hat Patni einen starken Fokus auf international agierende Großunternehmen. In dieser Zielgruppe ist zwar noch Geschäft zu machen, untätig, was das Thema Outsourcing betrifft, war man hier aber in den vergangenen Jahren nicht. Exponentielles Wachstum ist bei diesem Kundenkreis also nicht zu erwarten. Zudem bewegt sich Patni hier im Revier von Anbietern, wie etwa IBM, Accenture oder CSC, die ebenfalls über Offshore-Kapazitäten verfügen, im deutschen Markt aber wesentlich bekannter sind. Diesen Anbietern den Markt streitig zu machen, wird kein einfaches Unterfangen.
Drittens ist Patni nicht der einzige indische Offshorer, der den deutschen Markt für sich erschließen will. HCL etwa plant ähnliche Schritte und baut ebenfalls seine Teams in Deutschland aus. Das Angebot der indischen IT-Services-Anbieter ist recht ähnlich – auch wenn sie meist das Gegenteil behaupten – und vor allem für die Kunden schwer zu unterscheiden. Patni ist allerdings in Deutschland kaum bekannt und gehört nicht zur ersten Riege der indischen Offshore-Anbieter. Anbieter wie Tata oder Infosys haben hier einen Wettbewerbsvorsprung. Patni muss daher seine Bekanntheit in Deutschland steigern und den deutschen Kunden vermitteln, wo seine Stärken liegen und wie es sich von anderen Offshorern unterscheidet.
Patni hat durchaus den richtigen Weg eingeschlagen, um in Deutschland erfolgreicher zu werden. Allerdings liegen noch einige Stolpersteine auf diesem Weg, die beseitigt werden müssen. Freuen dürfen sich in jedem Fall die Kunden, denn die Anbieterlandschaft wird vielfältiger und ein breiteres Angebot wird sich letztlich auch auf die Preise niederschlagen.
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