Interview zu staatlichen Finanzierungshilfen

So sichern Sie sich Fördermittel für IT-Projekte

15.09.2009 | Redakteur: Katrin Hofmann

Annemarie Reiche, Niederlassungsleiterin von PNO Consultants in Leipzig

Auch IT-Projekte, sofern sie über das klassische Brot- und Butter-Geschäft hinausgehen, können von staatlicher Seite bezuschusst werden. IT-BUSINESS sprach exklusiv mit der Niederlassungsleiterin Annemarie Reiche von der Unternehmensberatung PNO Consultants in Leipzig darüber, wie Systemhäuser von den verfügbaren Geldern profitieren können, wo sie die Mittel finden und was sie bei der Nutzung beachten sollten.

In Zeiten knapper Kassen ist es umso wichtiger zu wissen, welche Finanzierungshilfen der Staat zur Verfügung stellt. Denn nicht selten entscheidet die Möglichkeit, ein IT-Projekt durchzuführen, über die Wettbewerbsfähigkeit des Kunden und die Zukunftssicherheit für das Systemhaus. Welche Projekte das Potenzial auf Gewährung von Fördermitteln haben und wie bei der Recherche und Beantragung vorgegangen werden sollte, erklärt die auf Fördermittelvergabe spezialisierte Beraterin Annemarie Reiche.

ITB: Bietet der Staat Resellern und deren Kunden Fördermittel speziell für IT-Projekte?

Reiche: Auch fürs IT-Projektgeschäft gibt es unter bestimmten Voraussetzungen Fördergelder. Allerdings bestehen für Wiederverkäufer, die sich ausschließlich dem Vertrieb widmen, kaum Chancen auf Unterstützung. Mehr Möglichkeiten existieren für Systemhäuser, die darüber hinaus implementieren und Infrastruktur oder Software individuell anpassen oder erweitern. Voraussetzung ist, dass die geplanten Projekte über das Tagesgeschäft hinausgehen. Am ehesten förderfähig sind Vorhaben, die technische Innovationen vorantreiben oder für die Gesellschaft in irgendeiner Form einen Mehrwert beziehungsweise Nutzen bringen. Man muss weg vom Irrglauben, dass nur Grundlagenforschung gefördert wird.

ITB: Welche Projekte werden am ehesten gefördert?

Reiche: Eines der derzeit im Fokus der Regierung stehenden Themen ist Green-IT beziehungsweise die Energieeffizienz. Das Bundesumweltministerium startete im März dieses Jahres mit dem Förderschwerpunkt „IT goes green“. Im Rahmen des Schwerpunkts unterstützt der Staat IT-Vorhaben, die zur Steigerung der Energieeffizienz beitragen, unter anderem die Virtualisierung. Auf Bundesebene existiert ein Fördertopf speziell für IKT-Projekte, das „IKT 2020“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) und des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi). Zudem bestehen gute Chancen unter anderem für Hard- und Software-Projekte rund um die IT-Sicherheit, im medizinischen Bereich oder beispielsweise für das altersgerechte Wohnen und Leben.

ITB: Wer beantragt die Mittel, Systemhaus oder Kunde?

Reiche: Grundsätzlich sind für Systemhäuser die Fördermittel bei Projekten mit Kunden – das können unter anderem IT-Hersteller sein – am relevantesten. Beantragt werden die Mittel dabei regulär vom Auftraggeber. Dieser könnte dem Projektpartner durch umfangreichere Investitionen aufgrund besserer Finanzierung entgegenkommen. Auch im Verkaufsgespräch lässt sich der Hinweis auf Fördermittel durch das Systemhaus gewinnbringend einsetzen, als zusätzlicher Investitionsanreiz. Neben Kunden-Projekten sind existierende relevante Entwicklungsbemühungen direkt förderfähig, wenn Systemhaus-Inhaber sich eigeninitativ engagieren.

Was empfehlenswert ist, wenn ein Fördertopf erspäht wurde und was bei Beantragung der Mittel beachtet werden sollte, erfahren Sie auf der nächsten Seite.

Über Annemarie Reiche und PNO Consultants

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