20.05.2010 | Redakteur: Regina Böckle
Virtualisierung und Cloud Computing verändern nicht nur die Art und Weise, wie Rechenzentren betrieben werden, sondern auch die Vertriebswege. T-Systems-Manager Dr. Michael Pauly, Keynote-Sprecher auf dem VIRTUALISIERUNG & CLOUD COMPUTING Kongress 2010, erläutert, worauf sich Reseller und Anwender einstellen müssen.
ITB: Wie grundlegend verändert Virtualisierung die Art und Weise, wie IT-Infrastrukturen künftig betrieben werden?
Pauly: Virtualisierung ist bereits heute eine etablierte Technologie, die in vielen Unternehmen produktiv genutzt wird. Dabei wird der Einsatzgrad von Virtualisierung gerade in privaten Clouds noch weiter steigen. Analysten formulieren hier, dass die Zahl der virtuellen Maschinen in den nächsten Jahren etwa auf das Fünffache ansteigt. Um alle Vorteile – Dynamik, Flexibilität und Kostenreduktion – zu nutzen, die Virtualisierung Unternehmen bietet, sind gleichzeitig ein hoher Standardisierungs- und Automatisierungsgrad notwendig.
Pauly: Wenn wir unterstellen, dass der Trend zu Cloud Computing bedeutet, dass Unternehmen zunehmend Anwendungen und Ressourcen von Anbietern aus dem Netz beziehen, dann bedeutet das, dass unternehmensintern andere Fragestellungen bezüglich des IT-Betriebs aufkommen. Hier werden dann komplette IT-Services genutzt. Den Betrieb übernimmt die „Wolke“ beziehungsweise der Service-Anbieter in der „Wolke“ aus seinem Rechenzentrum. Damit ändert sich das Anforderungsprofil an die interne IT. Es wird stärker in Richtung IT-Management gehen. Das heißt, es werden unter anderem Service-Management und Sourcing-Kompetenz viel stärker gefragt sein.
Pauly: Hardware-Anbieter werden sich zum Beispiel in Infrastructure-as-a-Service-Anbieter (IaaS) verwandeln. In Commodity-Szenarien, also Beziehungen, die keine Beratung benötigen und keine business-kritischen Services angehen, werden die „menschlichen“ Vertriebskanäle zusehends durch nicht-menschliche abgelöst. Schon heute können Sie viele Leistungen, insbesondere aber IaaS, über ein Web-Portal bestellen. Überall dort, wo der Umstieg auf Cloud Computing aber nachhaltige Veränderungen auch in der Unternehmenskultur auslöst, geht das nicht von heute auf morgen beziehungsweise über ein paar einfache Klicks im Web. Dort müssen Migrations-, Integrations- und Sourcing-Szenarien – auch Ausstiegszenarien – gemeinsam entwickelt werden. Marktplätze beziehungsweise ein funktionierendes Partner-Ökosystem sind zudem für Cloud-Provider wichtige Kanäle, um ihre Leistungen anzubieten. Das gilt heutzutage noch mehr als früher.
Pauly: Anwender sollten sich auch rechtlich absichern, insbesondere Haftungs- und Datenschutzvereinbarungen sind hier sinnvoll. Das hat viel von herkömmlichem Beratungs- und Account-Management an sich. Vielleicht benötigen sie hierbei sogar zusätzlich noch ein – nicht technisches – Change-Management.
Pauly: Erstens: der Aufbau von Partnerschaften, zweitens der Aufbau einer flexiblen IaaS-Basis und drittens, die IT aus der Perspektive eines Cloud-Anbieters zu betrachten. Die Bildung von Partnernetzwerken, als dem ersten der drei Schritte, ist nötig, um Cloud Computing ganzheitlich anzugehen. Hier sehe ich nicht nur die Sicherstellung eines kompletten Lösungsportfolios mit Beratung, sondern – im Business-Umfeld – durchaus auch die Einbindung eines Netz-Providers. End-to-End-Services bekommt der Vertriebspartner nämlich nur dann hin, wenn er die komplette Lieferkette kontrolliert. Auf dieser Basis lassen sich natürlich auch andere Sicherheitsmechanismen etablieren. Hierdurch können Services in und durch die Cloud angeboten werden.
Lesen Sie auf der folgenden Seite, welche Details zum zweiten und dritten Schritt Prof. Pauly preisgibt.


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