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Mir fiel der Effekt auf, als ich sogar bei der denkbar IT-fernsten Lektüre – dem alten Poesiealbum meiner Mutter aus den 60er Jahren – gedanklich laufend Bezüge zur IT-Branche herstellte. In dem vergilbten Büchlein stand beispielsweise zu lesen:
„Obwohl auf dem Gebiet des Fernmeldewesens in den letzten Jahren enorme Fortschritte gemacht worden sind, bedarf es nach wie vor einer Unzahl von Wörtern, um ein Lächeln zu ersetzen.“
So zeitlos sind Poesiealbumsprüche also doch nicht, denn kaum vergehen 40 Jahre, ist diese Lebensweisheit nicht mehr so ganz korrekt. Zunächst einmal ist der Ausdruck „Fernmeldewesen“ inzwischen so antiquiert wie Omas kohlebetriebener Bettwärmer aus Gusseisen. Heutzutage spricht man von IP-Telefonie, VoIP oder von Unified Communications (UC). Betrachtet man den kompletten Bereich der synchronen Kommunikation – worauf Telefonieren letztlich hinaus läuft – sind alle Formen von Chatfenstern auf dem Vormarsch. Langsam aber sicher werden sie sogar zu einem fest eingebauten Standardtool in Entwicklungsumgebungen.
Und jetzt kommt der Punkt, warum sich der genannte Poesiealbumspruch selbst überholt hat: Das Lächeln als emotionaler Ausdruck oder als augenzwinkerndes Relativieren des Gesagten ist hier nicht mehr wegzudenken. Und es braucht auch keine „Unzahl von Wörtern“ mehr, um ihm Gestalt zu geben, sondern nur drei Satzzeichen:
:-)
Lesen Sie auf der nächsten Seite mehr zur tragischen Historie des Emoticons und der neuen emotionalen Bandbreite der Dauergrinser.