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Die offizielle Begründung wurde vom Unternehmen mit „unterschiedlichen Auffassungen über die künftige Ausrichtung der Microsoft Deutschland GmbH“ umschrieben. Dahinter steckt ein Grundsatzstreit mit den Vorgesetzten auf US- und Europa-Ebene über die Frage, welche Kompetenzen die Landestochter behalten darf und welche Entscheidungen künftig auf übergeordneter Ebene getroffen werden, teilte der scheidende Chef seinen Mitarbeitern in einer internen eMail mit.
Offensichtlich sah sich Gallmann an eine zu kurze Leine gelegt und hat dies auch als Vertrauensverlust empfunden, deshalb hatte er um die Auflösung seines Vertrages gebeten. Branchengerüchten zufolge soll es zudem Differenzen über die Geschäftszahlen gegeben haben. Insider berichten, dass Konzerngeschäftsführer Kevin Turner Gallmann zur Mitte des Geschäftsjahres hart angegangen sei, da die Ziele, die von der Muttergesellschaft vorgegeben waren, bis dato nicht erreicht worden waren. Zum Ende des Geschäftsjahres konnte die deutsche Tochter dann ein Wachstum von 13 Prozent vermelden, in dieser Größenordnung war der Konzern auch weltweit gewachsen.
Seit Montag, 9. Oktober, hat Klaus Holse Andersen die Geschäftsführung in Deutschland vorübergehend übernommen. Der Däne, derzeit bei Microsoft auf EMEA-Ebene als Vice President SMS&P and Microsoft Business Solutions geführt wird, pendelt in den kommenden Monaten nach München statt nach Paris. Jürgen Gallmann wird noch bis Ende des Jahres bei Microsoft tätig sein, um den Übergang möglichst reibungslos zu gestalten. Über seine künftige Tätigkeit ist noch nichts bekannt. Derzeit wird er auch seinen Sitz im Präsidium des Branchenverbandes Bitkom behalten.
Unter der Leitung von Jürgen Gallmann hatte Microsoft Deutschland seinen Mitarbeiterstamm um rund ein Drittel vergrößert, von 1 500 auf 2 000 Mitarbeiter, und war dreimal in Folge als bester Arbeitgeber Deutschlands ausgezeichnet worden. Außerdem engagierte sich das Unternehmen in zahlreichen sozialen Projekten, zum Beispiel bei den „Schlaumäusen“, und rief die Gründerinitiative „Unternimm was“ ins Leben. Damit hatte er in Deutschland das angeschlagene Image von Microsoft entscheidend verbessert. Seinen Mitarbeitern schrieb er, die Entscheidung, Microsoft zu verlassen, sei ihm nicht leicht gefallen, denn „es steckt viel Herzblut von mir in dem, was wir gemeinsam erreicht und aufgebaut haben“. Seine Vorgesetzten Steve Ballmer und Jean-Phillipe Courtois beteuern einmütig, sie wollten ihm auch künftig „freundschaftlich verbunden bleiben“.
Kommentar: And the Winner is...
von Harry Jacob, Redaktion IT-BUSINESS NEWS
Hochachtung. Da ist einer, der sich nicht alles bieten lässt, der „den Amis“ auch mal in die Parade fährt und sagt: „Das mach ich nicht mit.“ Schon mehrmals hat die Gates-Company ihr Führungspersonal vergrault, insbesondere durch unrealistische Wachstums-erwartungen. Gut, Gallmann hat sicherlich ein paar Euro angespart und muss mit seiner Vita sowieso nicht fürchten, längere Zeit auf der Straße zu stehen. Doch was kommt nach ihm? Die Entscheidung über den Nachfolger wird ja schließlich auf jenen Ebenen gefällt, deren Vorgaben sich Gallmann nicht beugen wollte. Er hat damit Platz gemacht für einen, der gefälliger agiert. So gesehen haben seine Vorgesetzten gewonnen. Ob das für sie – und das Unternehmen – wirklich ein Gewinn ist, steht auf einem anderen Blatt.
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