Hoffnungsträger Femtozelle

Mobilfunkbetreiber liefern UMTS-Netze für Zuhause

16.08.2007 | Redakteur: Sylvia Lösel

Was ein Mobilfunkmast draußen leistet, soll die Femtozelle in die eigenen vier Wände bringen.

Die Femtozelle trägt die Hoffnung der Netzbetreiber in sich, die Betriebskosten für ihre Infrastruktur deutlich zu senken und dabei auch noch die mobile Netzabdeckung stark zu erhöhen.

Eine Femtozelle ist eine kleine Sende- und Empfangsstation, die in jeder Wohnung oder in jedem Unternehmen schnell angeschlossen werden kann. Dort baut sich ein Mini-UMTS-Netz auf, das im Nahbereich das Netz des Mobilfunkbetreibers ersetzen soll. Die Femtozellen-Geräte sind etwa so groß wie WLAN-Router und werden über ein Ethernetkabel mit einem DSL-Modem oder -Router verbunden. »Femto« bezeichnet den billiardsten Teil einer Einheit und soll eine Anspielung auf die Größe der Zelle sein.

Ericsson hatte zur 3GSM dieses Jahr in Barcelona bereits eine so genannte Picozelle im Gepäck (Pico: Billionstel einer Einheit). Der Unterschied zur Femtozelle liegt hauptsächlich in der Art des Einsatzgebietes. Während Picozellen für Unternehmen gedacht sind, sollen Femtozellen in Privathaushalten — also kleineren Netzwerken — eingesetzt werden.

Günstige Mobilität

Damit liegt der Vorteil, den die Technologie bietet, auf der Hand: ohne das Telefon zu wechseln, kann zu Hause mit dem Mobiltelefon über den günstigeren Internet-Tarif telefoniert werden. Störungen des Mobilfunknetzes, die öfters innerhalb der eigenen vier Wände auftreten, würden damit im Idealfall eliminiert.

Auf der 3GSM in Barcelona gab es erste Geräte zu sehen. Im Moment arbeiten unter anderem Ericsson, Samsung, Nokia Siemens Networks, Huawei, Motorola und Alcatel-Lucent an Endgeräten. Auch Google hat sich mit einem zweistelligen Millionenbetrag bei Ubiquisys eingekauft, um in diesem Markt einen Fuß in der Türe zu haben. In Zusammenarbeit mit dem Netzwerkspezialisten Netgear soll Anfang 2008 das erste Gerät in den USA an den Start gehen. Europa wird folgen.

Hurrarufe und Unkenstimmmen

Ganz unumstritten ist die Femtozelle allerdings nicht. Einerseits gehen Studien davon aus, dass bis ins Jahr 2011 etwa 40,6 Millionen Geräte installiert sein werden und 101,5 Millionen Anwender diese nutzen. Allen Nogee, ein In-Stat Analyst, meint sogar, dass die Femtocell-Technologie in naher Zukunft von keiner anderen Technologie übertroffen werden kann und im Hinblick auf Abdeckung und Reichweite eine Lösung ist, die unbegrenzte Möglichkeiten aufweist.

Etwas differenzierter gehen die Analysten von Gartner an die Sache heran. Einen Knackpunkt sehen sie in der Subventionierung. Denn eine Femtocell-Box kostet um die 200 Euro — eine Investition die man dem Verbraucher erst einmal schmackhaft machen müsste. Wird die Box subventioniert, müssen die Netzbetreiber nach Wegen suchen, ihre Kosten auf anderen Wegen wieder einzuspielen.

Desweitern ist die Femtocell-Technologie nicht die einzige, die Zukunft hat. Denn es wird auch an bestehenden Technologien wie UMA (Unlicensed Mobile Access), SIP (Session Initiation Protocol) und den Third-Generation-Netzen gefeilt, um auch diese zukunftsfähig zu machen.

Setzen sich die Femtocells durch, so sind Netzbetreiber nicht mehr nur für einige tausend Basisstationen verantwortlich, die sie am Laufen halten müssen, sondern für zehntausende — ein enormer Verwaltungs- und Wartungsaufwand, der in das Geschäftsmodell einfließen muss.

Zudem hängt die Qualität der Telefonverbindung in Gebäuden dann von der Qualität der DSL-Verbindung ab. Bei Problemen wird es dann schwierig, Abhilfe zu schaffen, da erst geklärt werden muss, ob der Mobilfunkprovider oder der DSL-Anbieter für Störungen verantwortlich ist. Auch die Abrechnung der Breitband-Kosten wird schwierig.

Davon unberührt zeigen sich allerdings die Marktforscher des Unternehmens Analysys. In einer Studie gehen sie davon aus, dass die Netzbetreiber bis zu 45 US-Dollar pro Nutzer sparen können, wenn sie bei einem Kundenstamm von fünf Millionen 60 Prozent mit Femtozellen versorgen.


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