10.07.2007 | Redakteur: Sylvia Lösel
Near Field Communication (NFC) ist die Technologie, die das Leben künftig um so viel einfacher machen könnte. Einkäufe bezahlen, Busticket lösen, Zugang in die Firma oder Veranstaltungstickets kaufen – das alles geht mit Hilfe eines NFC-fähigen Handys. Analysten sprechen von 400 Millionen Geräten, die 2012 damit ausgestattet und im Umlauf sein werden. Bereits jetzt ist man vielerorts über die Pilotphase hinaus und hat effektive Anwendungsfelder gefunden. Gerald Romen, Leiter des NFC Market Developments bei Nokia, schwärmt von den Möglichkeiten, die NFC eröffnet.
Romen: NFC, Near Field Communication, revolutioniert die Nutzung mobiler Telefone. Ein einfaches Berühren mit dem Handy ermöglicht dann das Öffnen von Türen, das Kaufen eines Fahrscheins oder das Bezahlen. Die Einführung von NFC ist eine kontinuierliche Evolution. Nach vielen Pilotversuchen in den vergangenen Jahren beginnen in diesem und dem nächsten Jahr erste Roll-Outs in verschiedenen Regionen und Städten der Welt. So wie sich das Handy von einem einfachen Gerät für Sprachkommunikation zu einem Mini-Computer gewandelt hat, bringt NFC eine weitere Anwendungsmöglichkeit. 2004 hatten wir die erste Implementierung in einem Projekt hierzulande, damals noch mit dem Nokia 3220.
Romen: Wir haben bereits in den Anfangsjahren Verhaltensstudien von Verbrauchern angefertigt. Nach dem Motto »Wie agiert der Mensch?« und was ist eine normale Interaktion mit dem Umfeld. Eines der Ergebnisse war, dass der Mensch gerne auf Dinge zeigt und Dinge berührt. Wir nennen das »Touch Paradigm«. Mit Hilfe von NFC führt dieses angeborene Verhalten auf sehr schnelle Weise zum Erfolg. Damit sich eine Technologie durchsetzen kann, muss sie mehrere Kriterien erfüllen. Sie muss einfach sein. Sie muss sicher sein. Sie muss aber auch allen Beteiligten »etwas bringen« – all das erfüllt NFC.
Romen: Nehmen wir ein Unternehmen im öffentlichen Nahverkehr, zum Beispiel den Rhein-Main-Verkehrsverbund. Hier geht es um beträchtliche Investitionskosten für die Infrastruktur sowie die Instandhaltungskosten, wie zum Beispiel die Kosten für das Handling von Bargeld. Hier lassen sich beträchtliche finanzielle Vorteile erreichen, wenn die Near-Field-Technologie eingesetzt wird.
Romen: Ein Knackpunkt war die Geschwindigkeit des Services für den Endbenutzer. Diese war zu Beginn noch etwas langsam. Jetzt haben wir sie so deutlich erhöht, dass man nun, sobald man den Touchpoint im Bus berührt, eine unmittelbare Rückmeldung erhält. Der zweite Punkt: Bisher musste der Fahrgast sowohl beim Ein- als auch beim Aussteigen den Touchpoint berühren, um die Fahrt korrekt berechnet zu bekommen. Wenn er aber Letzteres vergisst, soll dann die gesamte Strecke bis zur Endhaltestelle in Rechnung gestellt werden? Hier musste eine bessere Lösung her. Diese ist jetzt, das Ticket bis zum Zielpunkt bereits im Vorfeld zu lösen. Diese Verbesserungen sind bereits umgesetzt.
Romen: Man darf nicht vergessen, dass wir am Anfang eines Innovationszyklus stehen. Denken Sie zurück an die ersten Automobile, die es nur mit Chauffeur gab. Erst später wurden sie zur Massenware. Wir sind da heute schon einige Schritte weiter. 2004 haben wir das NFC-Forum ins Leben gerufen, das sich die Interoperabilität von Geräten, Chips und Lösungen auf die Fahnen geschrieben hat. Waren wir anfangs nur zu dritt, zählt das NFC Forum heute mehr als 120 internationale Mitglieder mit einer optimalen Repräsentanz der einzelnen Branchen und Beteiligten. Diese reichen von Herstellern wie Sony Ericsson und Samsung über Chiphersteller wie Texas Instruments und Netzbetreiber wie Vodafone bis zu Zahlungsinstituten wie Visa, American Express oder MasterCard.
Romen: Das Bezahlen mit dem Handy unterscheidet sich kaum vom Bezahlen mit der Kreditkarte. Will man diese beantragen, muss man zur Bank gehen, den Ausweis vorlegen und ein Formular ausfüllen. Nach drei Wochen kommt dann die Karte. Will man die Lösung fürs Handy, muss man genauso vorgehen, nur bekommt man die virtuelle Kreditkarte bereits nach zwei bis drei Minuten und hat noch viele weitere Features, die man mit der Plastikkarte nicht hat. So kann sofort eine Kontostandsabfrage gestartet, Transaktionen überprüft oder eine PIN-Abfrage gesetzt werden, wenn Beträge über den selbst festgesetzten Höchstbetrag, etwa 50 Euro, abgebucht werden.
Romen: In Holland arbeiten bei »Nedap Healthcare« mehr als 6.000 Krankenschwestern im ambulanten Pflegedienst mit einem NFC-Handy und der entsprechenden Lösung von »Healthcare«. Sind die Schwestern beim Patienten, wird das Handy an die Patientenkarte gehalten und der Abrechnungszeitraum beginnt. Gleichzeitig wird übermittelt, welche Leistungen am Patienten aktuell erforderlich sind. Am Ende der Behandlung wird das Handy abermals an den Chip gehalten. Es entfällt der gesamte Papierkram. Anhand der übermittelten Daten wird auch gleich die Abrechnung erstellt. Eine enorme Arbeitserleichterung, und die Krankenschwestern können sich auf das Wesentliche konzentrieren – den Dienst am Patienten.
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