Analysten- und Hersteller-Stimmen zum Microsoft Tablet, Teil 2

Ist das Surface das Armutszeugnis für PC-Hersteller?

20.06.12 | Autor / Redakteur: IT-BUSINESS / Sylvia Lösel / Sylvia Lösel

Das Surface soll Microsoft im Tablet Markt nach vorne bringen.
Das Surface soll Microsoft im Tablet Markt nach vorne bringen.

Vergrault Microsoft mit dem eigenen Tablet seine PC-Partner? Was sagen Hersteller und Analysten zum Microsoft-Tablet? IT-BUSINESS hat einige Stimmen eingefangen.

Nach der Ankündigung von Microsoft, künftig neben Software auch ein Tablet namens Surface anzubieten, überschlugen sich gestern die Meinungen und Reaktionen von Analysten und Herstellern.

Großer Misstrauensbeweis?

„Theoretisch bringt das Surface alle Vorteile einer Tablet-optimierten Umgebung und eines klassischen Desktop-Environments zusammen, aber in Wahrheit sind die beiden aktuellen Versionen ein schrecklicher Mischmasch dieser beiden Welten, der den Consumer verwirrt“, sagt Jan Dawson Chef-Analyst bei Ovum. „Die Tatsache, dass Microsoft sich für den Launch eigener Hardware entschieden hat“, so der Ovum-Analyst weiter, „sei ein großer Misstrauensbeweis gegenüber seinen OEM-Partnern, die sich zurecht ignoriert fühlen dürfen“.

Denn gerade die Partner, mit denen Microsoft in der Vergangenheit eng zusammengearbeitet hat, haben vom geplanten Tablet-Launch auch erst in letzter Minute erfahren, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet. Laut dieser hätten zum Beispiel Acer und Asus erst durch die Microsoft-Pressekonferenz am Montag vom Konkurrenz-Tablet erfahren. Ein Acer-Manager äußerte sich gegenüber Reuters so: „Keine Führungskraft hatte von dieser Neuigkeit in der vergangenen Woche gewusst. Wir sind ziemlich überrascht.“

Reaktionen von PC-Herstellern

Umso mehr verwundern die eher zurückhaltenden Kommentare von Seiten weiterer PC-Hersteller, die IT-BUSINESS zu diesem Thema befragt hat. Auf die Frage wie Lenovo diese Entwicklung sieht, kam die knappe Antwort: „Wir begrüßen jede Entwicklung, die die gesamte Industrie weiterbringt.“ Microsoft sei ein großer Partner von Lenovo, in allen Belangen. An der eigenen Strategie werde man nichts ändern. Das auf der CES angekündigte Lenovo-Tablet mit Windows 8 werde es wie angekündigt geben. Auch sei man von der eigenen, langfristig angelegten Strategie sehr überzeugt.

Ähnlich sieht das auch Hersteller Hewlett-Packard. Auch hier betont man: „HP und Microsoft sind langjährige Partner und werden auch in Zukunft wichtige Partner sein. HP ist weltweit das größte IT-Unternehmen, das seit vielen Jahren unterschiedliche Formfaktoren inklusive Tablets anbietet. Auch wir werden – wie bereits angekündigt – einen Tablet auf Basis von Windows 8 ankündigen“. Ein Dell-Sprecher sagt gegenüber IT-BUSINESS: „Microsoft ist ein sehr wichtiger Partner von Dell. Wir freuen uns, diese Partnerschaft fortzusetzen und im Zuge des kommenden Launches von Windows 8 weiter auszubauen.“

Gelassen steht der ganzen Diskussion auch Fujitsu gegenüber: „Wir sehen Microsoft nicht als Konkurrenten. Im Gegenteil, es ist ja nur natürlich, dass Microsoft den ARM-Prozessor nutzen möchte, um sein neues Windows-RT-basiertes Tablet im Consumer-Umfeld zu platzieren. Wir von Fujitsu haben bei den Tablets ja schon eine lange Historie vorzuweisen – allerdings fokussieren wir uns weitestgehend auf den Business-Sektor. Natürlich werden wir unser Produktpalette in Zukunft darauf ausrichten, dass sie auch mit dem Intel x86 unter Windows 8 laufen wird. Wann genau diese Produkte auf dem Markt kommen ist derzeit jedoch noch unklar.“

Wo ist der Zusatznutzen?

Bislang wurde zwar die Hardware vorgestellt, aber Microsoft schweigt sich zum Beispiel zu Preisen und Service-Leistungen noch aus. Francisco Jeronimo, Analyst bei IDC bemerkt: „Consumer werden das Surface nicht kaufen, wenn sie nicht vom Zusatznutzen im Vergleich zum iPad überzeugt sind und sie nicht wissen, wie das Gerät mit ihren PCs, Spielekonsolen oder Windows Phones zusammenspielt. Das gesamte Ökosystem – und nicht nur Einzelteile davon – ist es, was Microsofts Strategie attraktiv machen könnte.“

Einen Schritt weiter geht Ronan de Renesse von den Marktforschern Analysys Mason: „Microsoft Surface ist vorrangig ein Vorzeigeprojekt für Windows 8 und Windows RT. Microsoft kann keine aggressive Hardware-Strategie aufrechterhalten solange es Windows für andere Tablets lizensiert. Die große Frage ist, ob Microsoft mit der Lizenzierung aufhört, sollte das Surface so erfolgreich wie das iPad werden.“

So überraschend die Vorstellung des Microsoft-Tablets kam, der Name ist alles andere als neu. Samsung hatte Anfang des Jahres einen interaktiven Multitouch-Display-Tisch vorgestellt (SUR40), der mit Innenleben von Microsoft ausgeliefert wird. Diese Software hieß bereits Surface 2.0. Dieses Windows-7-basierende System offeriert offene Schnittstellen, an denen Hardware von der Kinect bis hin zu Barcode-Lesegeräten angebunden werden kann.

Hier finden Sie alle IT-BUSINESS-Beiträge zum Microsoft-Tablet Surface.


Kommentar zu diesem Artikel abgeben

Schreiben Sie uns hier Ihre Meinung ...
(nicht registrierter User)



Spamschutz 

Bitte geben Sie das Ergebnis der Rechenaufgabe (Addition) ein:
Kommentar abschicken

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 34229580) | Archiv: Vogel Business Media