Die Stimme aus dem Handel

Microsofts Dekret oder: Es trifft immer die Falschen

| Autor / Redakteur: Von Achim Heisler, A-H-S / Harry Jacob

Achim Heisler ist Geschäftsführer des Systemhauses A-H-S.
Achim Heisler ist Geschäftsführer des Systemhauses A-H-S.

Wenn ein Hersteller besondere Angebote an Reseller macht, und die dann von einzelnen zweckwidrig verwendet werden, um Dumping-Preise machen zu können, ist der Frust groß – sowohl beim Hersteller wie auch bei den anderen Partnern. Die Strafe sollte dann aber auch nur die schwarzen Schafe treffen, und nicht alle, findet Systemhaus-Chef Achim Heisler.

Hallo Microsoft,

fast war ich soweit Euch zu loben. Ich habe mir den Server 2012 angeschaut und unter der etwas garstigen und gewöhnungsbedürftigen Haube der neuen Oberfläche viele neue und interessante Dinge entdeckt. Auch haben mich die neuen Möglichkeiten im Azure-Umfeld durchaus beeindruckt und zu weiterführenden Gedanken angeregt.

Aber bevor ich mich entspannt im Sessel zurücklehnen kann und von neuen Geschäften träume, reißt Ihr mich mal wieder unsanft aus dem Schlaf. Die Meldung betrifft nicht den gemeinen Endkunden, sondern gezielt uns – Eure Partner.

In einer kleinen Meldung wird verkündet, dass Microsoft zum zweiten Mal innerhalb dieses Jahres die Anzahl und die Verfügbarkeit der Lizenzen im Technet- und MSDN-Abo reduziert hat. Diejenigen, die nur Einzelplätze betreuen oder Kleinstinstallationen testen, mögen dieses nicht wahrnehmen. Da wir aber auch größere Testszenarien abbilden müssen (Virtualisierung, VDI) könnten wir an die neuen Grenzen stoßen. Aber dieser Fall von „könnte“ bewegt mich noch nicht dazu in die Tasten zu hauen. Was mich an der ganzen Geschichte zum wiederholten Male stört, ist die Begründung für diese Maßnahme.

Abbau statt Aufbau

Zum besseren Verständnis will ich zuerst einen Blick in die jüngere Vergangenheit werfen. Seit dem Ende des letzten Jahrtausends gab es bei Microsoft für die Partner eine sehr erfolgreiche Veranstaltung zum regelmäßigen Wissenstransfer an die Partner: die Tech@Night. Dort gab es, durch Microsoft-Mitarbeiter, an die wissbegierigen Partner einen direkten Transfer von Know-How, der auch lange Anfahrtswege und das Opfern der abendlichen Freizeit rechtfertigte.

Aber diese Veranstaltung bildete auch die Keimzelle für unsere Community, in der heute sehr erfolgreich Projekte umgesetzt werden. Und dies geschah schon lange bevor künstliche Gemeinschaften wie Facebook oder Xing überhaupt einen Namen hatten. Man traf sich regelmäßig und konnte seine Kollegen persönlich kennen lernen. Aber diesen sozialen Mehrwert hat Microsoft damals nicht gesehen.

Dass sie heute mit viel Aufwand versuchen, ein gleichwertiges Konstrukt zu erreichen, spricht für sich. Doch damals wurde die Leistung erst an die LMIT ausgegliedert, um nach akuter qualitativer Verschlechterung ganz eingestellt zu werden beziehungsweise durch Kostenpflichtigkeit mit einem Phantasiepreis die Teilnehmerzahlen gegen null zu drücken.

Das gewichtigste Argument war jedoch die hohe „No-Show-Rate“. Microsoft war damals nicht in der Lage, diejenigen zu bestrafen, die nicht zur Veranstaltung kamen (bis heute ist mir nicht klar, wieso dies nicht funktioniert hätte). Aber es war wohl einfacher, das System umzukehren und alle zu bestrafen. Dass dies bis heute eine tiefe Unzufriedenheit bei den Partnern hinterlassen hat, sollte von Microsoft nicht vergessen werden.

Geschichte wiederholt sich

Und nun projiziere ich dieses Muster in die Gegenwart und muss leider ein hohes Maß an Überschneidung feststellen. Überraschend hat der Softwarekonzern festgestellt, dass einige ihrer Partner mit den Lizenzen aus dem Technet- oder MSDN-Abo nicht so umgehen, wie es von Microsoft vorgesehen war. Dass wir Microsoft mehrfach schon darauf hingewiesen hatten, dass es bei einigen Lizenzangeboten beziehungsweise Preisen nicht mit rechten Dingen zugehen kann, blieb bis dato leider ohne Feedback.

Jetzt aber wird mal wieder mit der Axt im Walde gearbeitet. Statt sich die Mühe zu machen, die Übeltäter anhand der Lizenznummern zu identifizieren und zum Beispiel durch Abo-Entzug zu bestrafen, wird auch heute wieder der vermeintlich einfacherer Weg gewählt. Dies stößt im Kreise der Kollegen, die sich seit vielen Jahren sauber verhalten, natürlich auf Unverständnis.

Ein solches Dekret von Microsoft, das immer auch die Falschen bestraft, kann nicht im Sinne einer erfolgreichen Partnerschaft sein. Wir können uns aber auch darauf verständigen, dass Microsoft im nächsten Quartal eine unendliche Anzahl Freilizenzen an seine Partner verteilt. Der daraus resultierende Abschreibungsbedarf wird garantiert nur einen Bruchteil der gerade fälligen 6,2 Milliarden US-Dollar für ein kleines strategisches Fehlinvest ausmachen.

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