Die Stimme aus dem Handel: Achim Heisler, Geschäftsführer des Systemhauses A-H-S

Mehr Staat bitte!

30.03.2011 | Autor / Redakteur: Achim Heisler / Heidi Schuster

Achim Heisler ist Geschäftsführer des Systemhauses A-H-S.
Achim Heisler ist Geschäftsführer des Systemhauses A-H-S.

Wenn es um die Eingriffe des Staates in unser Leben geht, dann wünsche sich Achim Heisler, A-H-S-Geschäftsführer, oftmals ein geringeres Maß an Fremdbestimmung. Doch es gibt so einige Bereiche, in denen er der Privatwirtschaft nicht über den Weg traue. Nicht etwa, dass er dem freien Markt die Fähigkeiten oder Ressourcen abspräche, aber leider lassen sich die Ziele oder Entwicklungen nicht immer mit den Aufgaben in Einklang bringen.

Wie wir in den letzten Jahren mehrfach feststellen konnten, tendiert der freie Markt bei einer gewissen Reife zur Bildung von Oligo- oder Monopolen, die einen sinnvollen Wettbewerb oder freie Preisbildung verhindern. Als Beispiele seien hier nur der Mineralöl-, Gas- oder Strommarkt zu nennen. Ebenfalls kritisch zu betrachten sind Vorgänge, wenn ein Staatsunternehmen privatisiert wird. Uns allen sind die Schmerzen und Reibungsverluste bei Bahn, Post oder Telekom gut in Erinnerung. Und gerade in diesen Fällen wird der Zielkonflikt des Managements in einem privatisierten Unternehmen deutlich. Das eingekaufte Management verfolgt das Ziel der maximalen Profitabilität. Die Folgen sehen wir momentan bei der Deutschen Bahn, die sich für ein gutes Börsen-Rating über Jahre kaputt gespart hat und so wichtige Erhaltungs- oder Entwicklungsschritte verschlafen hat. In einem privaten Unternehmen ist es heute sehr schwer, ein Projekt ohne sofortigen ROI intern zu verkaufen. Hier liegt ein gewichtiger Vorteil von staatlichen Unternehmen. Sie können dort Projekte mit langfristigem Planungshorizont oder ungewissem ROI angehen, ohne schon im nächsten Quartal nach dem ausbleibenden Erfolg gefragt zu werden.

Die Zeit der digitalen Unbekümmertheit ist vorbei

Keine Angst, dies wird jetzt keine postsozialistische Brandrede zur Verherrlichung der Staatswirtschaft, aber es soll uns zu dem aktuellen Thema führen, welches mich momentan beschäftigt:

Mit Sorge beobachte ich eine Entwicklung, welche aus meiner Sicht in den nächsten Jahren der digitalen Existenz von entscheidender Bedeutung sein wird. Wir haben wohl alle festgestellt, dass die Zeit der digitalen Unbekümmertheit im Netz vorbei ist. Sich unverschlüsselt oder ungeschützt im Internet dem digitalen Datenaustausch hinzugeben, kann wohl nur noch Facebook-Jünger begeistern. Wir müssen uns heute Gedanken über einen allgemeingültigen und nachhaltigen Nachweis unserer Existenz und Identität im Netz machen. Und die lokalen Insel-Lösungen die momentan den Markt „erobern“ lassen leider jedwediges System in der Behandlung der grundsätzlichen Problematik vermissen. Dabei liefern sich Lösungen wie DE-Mail, E-Post-Brief oder der neue Personalausweis ( inklusive seiner innovativen Lesegeräte ) ein echtes Kopf an Kopf Rennen um die größte Unzulänglichkeit oder Sicherheitsmängel in der Prozesskette.

Gerade mit der Einführung des neuen Personalausweises ist meiner Meinung nach wieder eine Chance zur Lösung des Problems vertan worden. Bei allen Lösungen widerstrebt der privatwirtschaftliche Nutzenmoment und damit die Sehnsucht nach Marktmacht durch abschottbare Alleinstellungsmerkmale, einer Zentralen Grundbedingung für den Markterfolg des Produkts. Das Henne-Ei Problem muss gelöst werden. Außer Apple mit iPxx oder Microsoft mit Kinect ( und hier haben wir es mit wirklichen Bedienungs- oder Funktions-Innovationen zu tun ) fällt dies im Allgemeinen nicht leicht. All die Produkte, die uns eine sichere Datenübermittlung vorgaukeln wollen, haben entweder keine Gegenstellen mit denen ich wirklich etwas austauschen kann, die nötige Hardware unterstützt notwendige Zertifikate nicht, oder ich soll mich an private Zertifizierungsstellen binden, bei denen ich schon für den steuerlich relevanten Zeitraum von 10 Jahren keine Existenzgarantie geben würde.

„Lebenszertifikat“

Und genau hier kommt der Staat ins Spiel. Wir brauchen eine staatliche Zertifizierungsstelle, die für jeden Bürger ein „Lebenszertifikat“ vergibt. Bei einer Steuernummer scheint dies ja nun auch möglich zu sein ( hier gibt es halt Geld zu verdienen und da ist auch der Staat verdächtig nah an der Privatwirtschaft ). Dieses Zertifikat wäre der digitale Personalausweis und könnte auch mit einer Vielzahl seiner Funktionen versehen werden. Die Infrastruktur herum kann dann gerne wieder in die Hände der privaten Marktwirtschaft gelegt werden. Aber zentrale Funktionalitäten gehören standardisiert und somit austauschbar und nachhaltig gestaltet. Nur somit ist bei einem Anbieterwechsel oder dem Marktaustritt eines Anbieters die Fortführung der Identität gesichert. Je weiter wir unser Leben, privat oder geschäftlich, mit dem digitalen Ego verschmelzen, desto notwendiger ist eine sichere Außendarstellung die nicht von kommerziellen Anbieterinteressen torpediert wird. Und dies kann nur eine staatliche Stelle (bei den bekannten Nachteilen einer „Verwaltung“) langfristig garantieren.

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