Avanade: Trend zum Cloud Computing erhöht Gefahr des Cloud Sprawls

Die Risiken des unkontrollierten Zugangs zu Cloud Computing-Diensten

07.11.2011 | Redakteur: Florian Karlstetter

Heiko Leicht von Avanade: „Für Mitarbeiter wird es zunehmend leichter, öffentlich zugängliche Cloud-basierte Dienste wie E-Mail oder Datensharing-Angebote zu nutzen.“

Ein unkontrollierter Zugang zu Cloud Computing-Diensten führt zwangsläufig zu einer unüberschaubaren Nutzung und zu höheren Kosten im Unternehmen, so die Kernaussage einer von Avanade veröffentlichten Studie. Trotz der vorherrschenden Bedenken nimmt die Akzeptanz von Cloud Computing-Technologien weiter zu.

Den vielen Vorteilen zum Trotz: Cloud Computing birgt für IT-Abteilungen auch Risiken, so ein Ergebnis einer von Avanade in Auftrag gegebenen Studie. Eine der Hauptsorgen ist dabei „Cloud Sprawl“ – gemeint ist die unkontrollierte Verbreitung und Nutzung von Cloud-basierten Diensten durch fachfremde Mitarbeiter.

So sind derzeit 64 Prozent der deutschen IT- und Firmenentscheider der Meinung, dass ein unkontrollierter Zugang zu Cloud Computing-Diensten zu einer unüberschaubaren Nutzung und zu höheren Kosten im Unternehmen führt. Zu diesen Ergebnissen kommt eine weltweit durchgeführte Studie, die von Kelton Research im Auftrag von Avanade in Auftrag gegeben wurde. Im Zuge der Studie befragt wurden mehr als 570 Vorstände, Manager und IT-Entscheider aus Deutschland und 17 weiteren Ländern.

Mehr als jeder zehnte Interviewte gibt außerdem an, dass es bereits unmöglich sei, die unterschiedlichen Cloud-Services innerhalb der eigenen Organisation zu verwalten. Nicht weniger als 45 Prozent der Befragten sagen, dass sie Mitarbeiter außerhalb der IT-Abteilung kennen würden, die Dienste aus der Wolke „auf eigene Faust“ erworben oder implementiert haben – beispielsweise für E-Mail-Services.

Mehr als jeder dritte Studienteilnehmer (36 Prozent) verzeichnete bereits Sicherheitsverstöße bezüglich der nicht autorisierten Nutzung von Cloud-basierten Lösungen verzeichnen. Dennoch sagen 27 Prozent, dass trotz dieser erfolgten Sicherheitsvergehen bislang keine Konsequenzen durch den Arbeitgeber erfolgt seien.

Die Befragten, die nicht ehrlich zu ihrer IT-Abteilung waren oder ohne deren Wissen Dienste aus der Wolke nutzen, geben hierfür folgende Gründe an:

  • So sagen mehr als drei Viertel der Befragten (80 Prozent), dass es zu lange dauern würde, Cloud-Services von der IT-Abteilung bereitstellen zu lassen,
  • 60 Prozent geben an, dass es zu umständlich sei, die IT-Abteilung mit einzubinden,
  • Mehr als jeder Dritte meint (40 Prozent), dass die Cloud Computing-Richtlinien seiner Firma die Nutzung der Dienste verbieten würde, die er verwenden möchte.
  • Mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen haben aus diesem Grund bereits Blocking-Technologien implementiert. Diese sollen Mitarbeiter davon abhalten, bestimmte Cloud-Services zu nutzen. Weitere 67 Prozent geben an, dass sie konkrete Unternehmensrichtlinien erarbeitet haben, die die Nutzung und Einführung von Cloud-Technologien klar regeln.

Steigende Akzeptanz

Trotz der Bedenken und Herausforderungen zeigen die Umfrageergebnisse eine steigende Akzeptanz von Cloud Computing-Technologien. So setzen bereits 76 Prozent der deutschen Unternehmen derartige Services ein, vor zwei Jahren waren es gemäß einer Avanade-Studie aus dem Jahre 2009 erst 60 Prozent. Laut der diesjährigen Studie sind die primären Gründe, warum sich Entscheider für die Nutzung von Cloud Computing entscheiden: um Kosten zu sparen (58 Prozent), flexibler und effizienter agieren zu können (52 Prozent) und um IT-Prozesse zu vereinfachen (36 Prozent).

„Für Mitarbeiter, die nicht in der IT-Abteilung eines Unternehmens tätig sind oder über entsprechendes technisches Wissen verfügen, wird es zunehmend leichter, öffentlich zugängliche Cloud-basierte Dienste wie E-Mail oder Datensharing-Angebote zu nutzen. Dieser Entwicklung müssen sich IT-Führungskräfte bewusst werden“, erläutert Heiko Leicht, Service Line Lead Technology Infrastructure bei Avanade Deutschland.

Aus diesem Grund rät der Experte, dass sich Unternehmen in einem ersten Schritt einem Audit unterziehen sollten, das die Ist-Situation im Unternehmen klärt. Im zweiten Schritt sollte auf Basis dieser Analyse eine konkrete und unternehmensspezifische Cloud Computing-Strategie entwickelt und umgesetzt werden.

„So sind die entsprechenden IT-Abteilungen in der Lage, den unkontrollierten Wildwuchs an Cloud-Services im Unternehmen im Vorfeld zu verhindern und gleichzeitig vom kontrollierten Einsatz derartiger Technologien zu profitieren”, fährt Heiko Leicht fort. „Darüber hinaus ist es unerlässlich, dass Entscheider im Vorfeld klare Richtlinien definieren und diese offen und transparent gegenüber allen Mitarbeitern kommunizieren. Nur dann können sämtliche Vorteile, die sich aus dem Einsatz von Technologien aus der Wolke ergeben, auch tatsächlich realisiert werden.“


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