Grüne Rechenzentren sind keine Zukunftsmusik

Blaue Engel für Energie-effiziente Rechenzentren – Öko-Institut legt Kriterien fest

21.11.11 | Redakteur: Ulrike Ostler

Das Öko-Institut entwickelt mit „Prosa“ eine Methode zur Messung und Bewertung der Energie-Efizienz in Rechenzentren. Wer diese erfüllt, kann sich um den Blauen Engel bewerben. (RAL gGmbH)
Das Öko-Institut entwickelt mit „Prosa“ eine Methode zur Messung und Bewertung der Energie-Efizienz in Rechenzentren. Wer diese erfüllt, kann sich um den Blauen Engel bewerben. (RAL gGmbH)

Der Stromverbrauch in Rechenzentren hat sich in den letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt. Allerdings könnten Betreiber der IT-Anlagen heute schon etwa die Hälfte des Stroms sparen, wenn sie die Energie-Effizienz verbesserten. Das Öko-Institut hat nun eine Methodik zur regelmäßigen Prüfung von Einsparmöglichkeiten entwickelt. Unternehmen, die diese Kriterien erfüllen, können das Umweltzeichen „Der Blaue Engel“ erhalten.

Der Stromverbrauch von Servern und Rechenzentren betrug im Jahr 2007 insgesamt rund 9,1 Tera-Watt-Stunden Strom. Das entspricht nach Angaben des Umweltbundesamtes in etwa der Stromproduktion von vier mittelgroßen Kohlekraftwerken. Doch das ist längst nicht das Ende der Fahnenstange.

Sowohl Hersteller als auch die Verbände der Informations- und Telekommunikationsbranche gehen davon aus, dass der Sektor auch künftig Wachstumspotenziale verzeichnet und zugleich große Einsparpotenziale noch unerschlossen sind. Studien schätzen, dass etwa die Hälfte des Energieverbrauchs durch die eigentliche Informationstechnik bedingt ist und die andere Hälfte der zusätzlich benötigten Infrastruktur wie zum Beispiel Klimatisierung und Unterbrechungsfreie Stromversorgung zugeordnet werden kann.

Zugleich jedoch sei es nach Aussagen der Wissenschaftler des Öko-Instituts möglich, die Hälfte des Stroms einzusparen unter der Voraussetzung, dass sie den Energieverbrauch ihrer Informationstechnik, der Klimatisierung und anderer Rechenzentrumsinfrastruktur kontinuierlich messen, um daraus Energiesparmaßnahmen abzuleiten.

Der Blaue Engel

Das Öko-Institut ist ein unabhängiges Forschungs- und Beratungsinstitut für eine nachhaltige Zukunft. Seit der Gründung im Jahr 1977 erarbeitet das Institut Grundlagen und Strategien, wie die Vision einer nachhaltigen Entwicklung global, national und lokal umgesetzt werden kann. Das Institut ist an den Standorten Freiburg, Darmstadt und Berlin vertreten.

Allerdings werden die Voraussetzungen zu einem erheblichen Teil nicht erfüllt: „Ein großer Teil der Rechenzentrumsbetreiber kann heute keine Auskunft über den Energieverbrauch des gesamten Rechenzentrums und der Informationstechnik geben“, bemängelt Siddharth Prakash, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Institutsbereich Produkte & Stoffströme des Öko-Instituts.

„Wir wissen aber, dass nur durch kontinuierliches Monitoring des Energieverbrauchs große Einsparpotenziale aufgedeckt werden können“, so der Experte weiter. „Wir möchten Rechenzentrumsbetreiber dazu motivieren, ein Energie.Monitoring-System zu etablieren.“ Damit könnten sie Ineffizienzen in den jeweiligen Anlagen sichtbar machen und Maßnahmen zur Optimierung ableiten.

Kriterien für ein umweltfreundliches Rechenzentrum

Um den Blauen Engel für den energiesparenden Betrieb eines Rechenzentrums zu erhalten, die folgenden Kriterien verbindlich zu erfüllen:

  • Es muss zunächst den Energie-Effizienz-Index (Energy Usage Effectiveness - EUE) des Rechenzentrums über einen Zeitraum von zwölf Monaten messen und den Zustand seiner Anlage prüfen lassen.
  • Darauf aufbauend ist der Betreiber verpflichtet, ein Energie-Management-System zu etablieren, das Einsparziele und Strategien zu ihrer Umsetzung festschreibt.
  • Das mit dem Umweltzeichen ausgezeichnete Unternehmen verpflichtet sich zudem, bei der Neuanschaffung von Geräten, wie Server und Netzteile, auf effiziente Modelle zurückzugreifen und seinen Strom möglichst vollständig aus erneuerbaren Energiequellen zu beziehen.
  • Auch für die Server-Raumtemperatur, die Effizienz der Kälte-Anlagen sowie den Wirkungsgrad der unterbrechungsfreien Stromversorgung (USV) macht das Umweltzeichen Vorgaben, um den Betrieb möglichst umweltfreundlich zu gestalten.

Energie-Effizienzberichte und weitere Verbesserungen

Prakash fasst zusammen: „In einem jährlichen Bericht stellen die Betreiber von Rechenzentren mit dem Blauen Engel dar, welche Anstrengungen sie unternommen haben, um für Server und Co. Energie zu sparen.“ Sie könnten so über einen längeren Zeitraum ihren realen Energieverbrauch dokumentieren, Ineffizienzen aufdecken, den Stromverbrauch senken und so schließlich echte grüne Rechenzentren betreiben.

Die Expertinnen und Experten des Öko-Instituts haben zudem eine Reihe von Empfehlungen entwickelt, welche die Effizienz der Rechenzentren weiter verbessern können. Dazu gehören unter anderem Maßnahmen zur Vermeidung von Luftvermischungen im Server-Raum, die energetische Nutzung der Abwärme und regelmäßige Konsolidierung von Hardware und Daten.

Prosa – eine Methode für die Entwicklung von Kriterien für die Umweltkennzeichnung

Für die Ableitung von Vergabekriterien für das Umweltzeichen prüft das Öko-Institut gemäß ISO 14024, welche Umweltauswirkungen für die potenzielle Vergabe eines Klimaschutz-Umweltzeichens relevant sind. Neben dem Energieverbrauch und dem Treibhausgas-Ausstoß werden weitere wichtige Umwelt- und Nachhaltigkeitsaspekte analysiert wie die umweltgerechte Produktion, die Schadstofffreiheit, der Gesundheits- und Arbeitsschutz, die Reparaturfreundlichkeit oder die Recycling-Fähigkeit.

Grundlage für die Kriterienentwicklung ist jeweils eine Nachhaltigkeitsanalyse mit der vom Öko-Institut entwickelten Methode Product Sustainability Assessment (Prosa). Ausgehend von einer Marktanalyse beinhaltet die Methode eine vereinfachte Ökobilanz an repräsentativen Produkten, die Berechnung typischer Lebenszyklus-Kosten und eine Nutzenanalyse der Produktgruppe. Entlang des Produktlebenswegs werden Nachhaltigkeitsaspekte untersucht und die besonderen Hot-Spots des Produktes identifiziert und daraus Vergabekriterien abgeleitet.


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