Lukrative Geschäfte mit gebrauchter IT

Recycling ohne Reue

03.12.2007 | Redakteur: Regina Böckle

Gebrauchte Hard- und Software bietet dem Handel große Umsatzchancen.

Zum Jahreswechsel sind in vielen Firmen Software-Updates fällig, oft wird auch die Hardware aufgerüstet. Doch wohin mit überzähligen Lizenzen, alter Hardware? Umgekehrt suchen andere nach günstigen Systemen – eine Chance für Händler.

Hersteller verkaufen am liebsten neue Produkte. Doch auch sie müssen sich mit der Frage beschäftigen, wohin ihre Ware fließt, wenn der Erstkäufer sich von ihr trennt. Dabei sind nicht nur rechtliche Vorschriften wie beispielsweise WEEE, ausschlaggebend. Viel schwerer wiegt, gerade im Softwarebereich, die Beachtung von Lizenzrechten.

Microsoft hat sich nun als erster Software-Anbieter mit dem »Microsoft Authorized Refurbisher« Programm (MAR) daran gemacht, sich um Verbleib und Handel mit Gebrauchtsystemen zu kümmern. Abgesehen von besserer Kontrolle verhindert das MAR-Programm, dass auf älteren PCs ohne Betriebssystem Linux zum Zuge kommt.

Used-Hardware-Händler tun sich naturgemäß leichter. Hier gibt es einige Spezialisten, die seit vielen Jahren am Markt sind, wie beispielsweise Ergotrade und RS ITL, ehemals GS Datentechnik. Sie handeln nicht nur mit Geräten, sondern bieten umfangreiche Dienstleistungen an: von der Abnahme der Altgeräte über Reinigung, zertifizierte Datenlöschung bis hin zur Wiederaufbereitung und Betankung mit Software.

Verschollen: UC Networks

Das ehemals unter dem Namen »Used Cisco« firmierende Remarketing-Unternehmen UC Networks ist mittlerweile verschollen. Es handelte jahrelang mit gebrauchten und neuen Cisco-Produkten, meist zum Ärger des Herstellers. Jetzt ist die Website abgeschaltet, die Zentrale in Steindorf aufgelöst und nach Hamburg umgezogen. Dort findet sich unter gleicher Adresse und identischem Geschäftsführer die Contor-C GmbH, die Cisco-Geräte an Endkunden verkauft. Hier funktioniert zwar noch die Website, doch Anrufe laufen auch hier ins Leere.

Nachschub gesichert

Die Quellen für gebrauchte Hardware werden auf lange Sicht hin erst einmal nicht versiegen. Gartner schätzt, dass weltweit jährlich bis zu 55 Millionen PCs und Notebooks wiederaufbereitet werden, 2009 soll sich diese Zahl gar verdoppeln auf 110 Millionen Stück.

Als Faustregel gelte: für zwei neue PCs oder Notebooks wandert ein Gerät in den Gebrauchtmarkt. Von den Altgeräten werden im Schnitt nur 30 Prozent zerstört, beziehungsweise zur Hälfte in Einzelteile zerlegt und wieder verwertet. Ein weiteres Drittel der gewerblich und privat genutzten PCs etwa lande auf den Speichern und wandern von dort aus – meist mit mehrjähriger Verspätung – zum Handel zurück. »Die Rückgabe an den Handel funktioniert erst seit der WEEE«, berichtet Gartner-Analystin Meike Escherich. Die restlichen 39 Prozent werden wiederverwertet, innerhalb der Unternehmen, privat als Zweitgerät und zu 16 Prozent exportiert in andere Länder.

Hierzulande beziffern die Analysten die Zahl der betriebenen PCs auf etwa 42 Millionen PCs, unter ihnen vergleichsweise wenige Second-Hand-Systeme. »Der Trend, Zweitgeräte zu kaufen ist hier eher klein«, erklärt Escherich, »die Preisdifferenz zu Neugeräten ist schlichtweg zu gering.«

Während sich IBM wie HP den Wiederverkauf vorrangig in Eigenregie oder mit festen Partnern, wie beispielsweise IBM und Lenovo mit Livingston, managen, zeige sich der Rest des Second-Hand-Markets äußerst fragmentiert.

Gebrauchte PCs hierzulande stammen meist aus Behörden-Beständen oder aus großen Unternehmen, denn hier ist die Image-Gleichheit für eine Vielzahl an Geräte am ehesten gesichert.

»Generell werden die Lebenszyklen von PCs und Notebooks kürzer«, erklärt Escherich. Im Schnitt seien sie um ein Jahr gesunken, von ursprünglich fünf Jahren für PCs auf vier Jahre, bei Notebooks von vier auf drei Jahre. »Das heizt die Masse an verfügbaren Gebraucht-Geräten weiter an«, so die Analystin. Aber auch TK-Anlagen und sogar Flat-TVs wandern mittlerweile in die Lager der Wiederverwertungs-Spezialisten.

Händler können davon in beider Hinsicht profitieren: zum einen die Entsorgung der Altgeräte für ihre Kunden übernehmen, zum anderen auch günstige Systeme anbieten.

Wunsch des Handels

Gebraucht-Großhändler, egal ob sie sich auf Hard- oder Software spezialisiert haben, wünschen sich von Herstellern vor allem eines: das Refurbish-Geschäfte einigen wenigen seriösen Anbietern zu überlassen. Das wird allerdings noch dauern.

Worauf Händler beim Kauf gebrauchter IT achten sollten

Es gibt im Remarketing-Markt viele schwarze Schafe. Händler sollten daher beim Kauf von gebrauchter Ware in erster Linie darauf achten, dass ihr Lieferant eine positive Reputation im Markt genießt, das Geschäft bereits lange betreibt und über entsprechende Erfahrungen in der Vermarktung von gebrauchter IT-Hardware verfügt. Dazu gehören vor allem entsprechende Kenntnisse im Bereich der Wiederaufbereitung, zertifizierter Datenlöschung und Verpackung.

Zähes Ringen um die Software

Handel und Software-Hersteller lieferten sich dieses Jahr heftige Kämpfe um den korrekten Umgang mit Gebraucht-Lizenzen. In den Hauptrollen: Usedsoft gegen Microsoft und Oracle. Ein klärendes Urteil fehlt noch immer. Das »Microsoft Authorized Refurbisher Program« (MAR) sorgt ansatzweise für Abhilfe. Mehr dazu erfahren Sie im nächsten IT-BUSINESS-Newsletter.


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