14.04.2011 | Autor / Redakteur: Susanne Franke / Florian Karlstetter

Die Scheer Group vereint sechs junge Technologiefirmen unter dem Dach einer operativen Holding. Ein neuartiges, zukunftsweisendes Konzept, um Innovationen in Deutschland voranzubringen, wie das Gespräch mit Prof. Scheer zeigt. Die Firmen sind zwar regional im Saarland angesiedelt, doch der Wirkungsgrad ist viel breiter. SearchSoftware, ein Schwesterportal von IT-BUSINESS.de, sprach mit Prof. Scheer.
SearchSoftware: Was ist das Besondere an der Scheer Group?
Scheer: Zunächst ist es eine normale Holding, die Anteile an innovativen jungen Unternehmen hält. Darüber hinaus jedoch bildet sie auch ein Netzwerk, das mehr ist als die Summe der einzelnen Unternehmen.
Scheer: Ich investiere einerseits stark in Menschen. Mich interessieren Leute, die Ideen haben, sich dafür engagieren, und denen ich vertrauen kann. Bislang kannte ich alle Firmengründer schon länger aus meinem Forschungsinstitut, von der Uni oder einer anderen Zusammenarbeit. Wahrscheinlich hätten es Unbekannte schon schwerer mich zu überzeugen. Andererseits investiere ich auch in Ideen. Das heißt, die Startups müssen Themen einbringen, die ich verstehe, und sie müssen mit IT zu tun haben. Doch innerhalb dessen ist das fachliche Spektrum weit gefächert, von E-Learning, Integration von Systemen, Softwareentwicklung bis hin zu neuen Beratungsansätzen.
Scheer: Ein gewisses finanzielles Engagement spielt eine Rolle, denn ich möchte nicht, dass diese jungen Unternehmen Finanzhaien in die Fänge geraten. Die Beteiligungsquoten betragen zwischen 10 und 60 Prozent. Angestrebt wird bei einer Beteiligung eine Quote von 25 Prozent. Darüber hinaus sollen die Gründer die unternehmerische Führung haben. Die Scheer Group hat mehr die Funktion eines Business Angels. Die Startups konzentrieren sich meistens stark auf die technologische Weiterentwicklung, und somit fehlt ihnen Zeit aber auch das Knowhow für Marketing, PR, Vertrieb und Controlling. Hier soll es tatkräftige Unterstützung geben.
Scheer: Nein, denn die Unternehmen sind unterschiedlich lange dabei und haben ihre eigenen Strukturen aufgebaut. Dennoch gibt es das Bestreben, Synergien zwischen den Partnern zu nutzen, sei es eben im Bereich PR oder beim Messeauftritt, sei es im Controlling. Sie können beispielsweise dasselbe System für CRM benutzen und bei einem Kundenkontakt einem anderen Partner einen Tipp geben, falls der Kunde auch in dessen Bereich Bedarf hat. Aber auch die gegenseitige Hilfe der Unternehmen innerhalb des Netzwerks ist wichtig. Neuhochdeutsch bezeichnet man dies heute auch als Diversity Management.

Scheer: Nein, bestimmt nicht. Die gegenseitige Hilfe funktioniert vor allem auch deshalb, weil die fachlichen Schwerpunkte der Partner in der Holding weit auseinander liegen und somit wenig Konkurrenz da ist. Und gerade diese Kommunikation führt zu überraschenden und neuen Erkenntnissen. Ein Vorteil davon ist auch, dass das Netzwerk wie ein großes Unternehmen funktioniert und das mit nicht mehr als etwa 200 Mitarbeitern – aber mit viel mehr Themen als ein einziges, viel größeres Unternehmen in der Lage wäre zu stemmen. Aus all unseren Bereichen können wir fast so etwas wie ein Unternehmen der Zukunft bauen: Es ist lernorientiert, es entwickelt sich immer weiter, ist mobil, hochintegriert und sicher.
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