30.04.12 | Autor / Redakteur: IT-BUSINESS / Das Interview führte Katrin Hofmann / Katrin Hofmann
Multi-Channel-Marketing kann Inhabern von Ladengeschäften helfen, dem Trend hin zu immer mehr Online-Verkäufen zu trotzen. Jan Großmann, Geschäftsführer der Marktjagd GmbH, erläutert, wie das funktionieren kann.
ITB: Sie betreiben das Portal Marktjagd, das stationäre Händler bei ihrem Multi-Channel-Konzept – speziell dem Local Advertising im Web und mobil – unterstützt. Wie stellen sie die Verbindung zwischen dem Laden und der Web- beziehungsweise Mobile-Welt her?
Großmann: Unser Grundprinzip lautet: Online informieren, offline einkaufen. Wir helfen dem stationären Einzelhandel, Informationen aus der lokalen Einkaufswelt über digitale Kanäle zu publizieren und so den Verbraucher gezielt anzusprechen. Zuhause am PC oder mobil per Smartphone kann der Verbraucher über unsere Website oder Apps den Standort gesuchter Geschäfte und deren Öffnungszeiten einsehen. Darüber hinaus findet er Angebotsprospekte. Auch Spar-Coupons kann der Konsument mit uns einlösen: Indem er sie ausdruckt und mit in den Laden nimmt. Mit unserer Mobile-Kompetenz tragen wir dem durch das Smartphone vorangetriebenen Medienumbruch Rechnung. Für den Verbraucher vor Ort in der Einkaufszone bedeutet das Problemlösung: Wie lang hat das Geschäft X offen? Wo finde ich das gesuchte Produkt?
ITB: Allerdings habe ich gesehen, dass auf ihrer Website viele Produkte präsentiert werden, die – wenn man auf die Anbieterseite wechselt – auch online gekauft werden können. Ist Marktjagd.de also doch eine Werbeplattform für E-Tailer?
Großmann: Bei Marktjagd gibt es eine klare Regel: Wir kooperieren nicht mit klassischen Online-Shops oder reinen Versandhändlern. Jedes Unternehmen, das mit uns zusammenarbeitet, besitzt mindestens ein Ladengeschäft, wodurch die Zugangsvoraussetzung erfüllt sind. Wenn ein Händler das Produkt im Laden und darüber hinaus online anbietet, bieten wir dem Verbraucher als zusätzlichen Service einen Link zur Anbieterseite mit Bestelloption an. Das kommt aber einer Extra-Leistung gleich und liegt nicht im Hauptfokus von Marktjagd. Selbst wenn in Zukunft Online- und Offline-Welt immer mehr verschmelzen, bleiben wir bei unserem Motto, die Händler vor Ort zu unterstützen.
ITB: Bietet der Einkauf im Ladengeschäft auch klare Mehrwerte, die E-Tailer so nicht abbilden können?
Großmann: Der Einkauf im Ladengeschäft besitzt im Vergleich zum Online-Shopping durchaus viele Vorzüge: Der Verbraucher kann sich etwa von dem gewünschten Produkt mit allen Sinnen einen Eindruck verschaffen – das funktioniert auf diese Weise bei keinem E-Tailer. Die spezielle Produkt-Haptik, ja selbst die -Optik kann ein Bild oder Video online nur annähernd wiedergeben. Darüber hinaus hat der Kunde im Ladengeschäft die Möglichkeit, das Produkt zu testen. Zudem gibt es im stationären Einzelhandel auch keine Lieferzeiten, die eine unwillkommene Verzögerung des Einkaufserlebnisses bedeuten.
ITB: Trotzdem: Immer mehr Geschäft wandert ins Web. Bietet Multi-Channel-Marketing stationären Händler überhaupt eine Chance, gegen die E-Tailre zu bestehen?
Großmann: Meiner Meinung nach verhält es sich so, dass viele Unternehmen ihren Vertriebskanal um E-Commerce-Lösungen ergänzen. In Anbetracht der Vorteile für den Kunden beim Einkauf vor Ort würde es wenig Sinn machen, eine wertvolle Infrastruktur und einen klaren Wettbewerbsvorteil gegenüber E-Tailern aufzugeben. Der Point of Sale ist für die Identität und den Umsatz vieler Unternehmen nach wie vor von entscheidender Bedeutung und wird dies auch zukünftig sein. Dennoch ist ein zielgerichtetes Multi-Channel-Marketing für Offline-Händler enorm wichtig – schließlich informieren sich immer mehr Menschen online vor und während des Einkaufens über die Produkte, die sie interessieren.
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