23.08.2007 | Redakteur: Regina Böckle
»Während die Banken unter dem Schlagwort Basel II kleinen und mittleren Unternehmen die Kreditvergabe weitgehend verwehren, beteiligt man sich an milliardenschweren, faulen Krediten aus dem Ausland«, wettert Werner Küsters, Präsident des Bundesverbands der Dienstleistungswirtschaft (BDWi). In seinem Brief an die Banken plädiert er dafür, das Rating-Verfahren aufzugeben.
Mittelständische Unternehmen sind sauer. Denn ihnen gegenüber zeigen sich die Banken seit 2002 bei der Kreditvergabe außerordentlich zugeknöpft. »Rating« lautet seitdem das Zauberwort für jegliches Darlehen. Im Rahmen des Rating-Verfahrens sollte die Bank prüfen, wie wahrscheinlich es ist, dass der Gläubiger seine Verbindlichkeiten komplett erfüllen wird. Je höher das Risiko bewertet wird, desto teurer die Kredit-Konditionen.
Ohne Rating also kein Kredit, lautet die Vorschrift der europäischen Bankenaufsicht im Rahmen von Basel II, der Banken und Kreditversicherer seit 2006 folgen müssen.
Die Kreditwürdigkeit mittelständischer Firmen aus der IT-Branche wurde angesichts der zahlreichen geplatzten Börsenblasen besonders streng geprüft. Insider erklärten, dass bei einzelnen Banken bei der Kreditvergabe an IT-Firmen grundsätzlich ein 20-prozentiger Risiko-Aufschlag üblich war.
Die Immobilienkrise in den USA scheint nun zu bestätigen, was gerade mittelständische Unternehmen schon seit Einführung des Rating-Verfahrens vermuteten: Bei den Kleinen wird hierzulande akribisch geprüft, die großen, faulen Kredite für ausländische Investment-Geschäfte gehen ohne große Risiko-Analysen und Sicherheiten über die Bühne.
Beim Bundesverband der Dienstleistungswirtschaft (BDWi) häufen sich ob dieser Erkenntnis derzeit die Klagen. »Im Mittelstand macht sich Wut breit«, erklärt BDWi-Präsident Werner Küsters, der die Situation in einem Brief an die Banken vehement anprangert: »Während die Banken unter dem Schlagwort Basel II kleinen und mittleren Unternehmen die Kreditvergabe weitgehend verwehren, beteiligt man sich an milliardenschweren, faulen Krediten aus dem Ausland.«
Im Gegensatz dazu drangsaliere man im Namen des anonymisierten Rating-Verfahrens den Mittelstand geradezu und boote ihn nicht selten geschäftlich aus. Küsters Fazit: »Das Rating-Verfahren hat offensichtlich völlig versagt.«
»Das persönliche Vertrauensverhältnis vor Ort muss im Bankgeschäft wieder entscheidend werden. Dies hilft dem Mittelstand, nützt der Bank, dies nützt insgesamt der deutschen Wirtschaft«, stellt Küsters klar.
Rating hat allerdings das Geschäft von Fachhändlern und Systemhäusern zwar nicht einfacher, aber im Idealfall transparenter gemacht. Denn die für das Rating elementaren Kennzahlen und Faktoren benötigen Reseller auch als Grundlage, um zu klären, wohin ihre Reise langfristig gehen soll. Dazu gehören nicht nur harte Faktoren wie regelmäßige Bilanzen, Gewinn- und Verlustrechungen und dergleichen, sondern auch Fragen zum Aufbau des Unternehmens, klare Nachfolgeregelungen, Personal- und Sortimentsplanungen oder die Positionierung gegenüber Wettbewerbern. Obendrein bieten zahlreiche Distributoren, Fachhandelskooperationen und Rating-Agenturen auch kostenlose Möglichkeiten zum Rating an.
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