Obsoleszenz

Kommt das Mindesthaltbarkeitsdatum für Elektro- und Elektronikgeräte?

| Redakteur: Dr. Anna-Lena Idzko

Elektronikschrott in einer Recyclingfabrik: Eine Studie des Umweltbundesamts (UBA) hat die sogenannte „geplante Obsoleszenz“ von Elektronikgeräten nicht nachweisen können. Dennoch regt das UBA ein Mindesthaltbarkeitsdatum für die Geräte an.
Elektronikschrott in einer Recyclingfabrik: Eine Studie des Umweltbundesamts (UBA) hat die sogenannte „geplante Obsoleszenz“ von Elektronikgeräten nicht nachweisen können. Dennoch regt das UBA ein Mindesthaltbarkeitsdatum für die Geräte an. (Bild: Volker Thies/Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0)

Elektrogeräte werden laut einer Studie des Umweltbundesamtes immer kürzer genutzt. Die Gründe für den frühzeitigen Austausch sind vielfältig. Kann ein Mindesthaltbarkeitsdatum für Elektrogeräte Abhilfe schaffen? Der ZVEI ist skeptisch.

Die jüngst veröffentlichte Studie des Umweltbundesamts (UBA) zur Entwicklung von Strategien gegen Obsoleszenz untersuchte erstmals detailliert das Konsumverhalten, die Austauschgewohnheiten sowie die Ursachen für Defekte bei Elektro- und Elektronikgeräten. Das Ergebnis: Die Gründe für den frühzeitigen Austausch sind vielfältig. Eine wie auch immer geartete „geplante Obsoleszenz“ von Seiten der Hersteller konnte nicht nachgewiesen werden.

Der Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) begrüßt die Studie und sieht seine Auffassung bestätigt, wonach es keine absichtlich eingebauten Sollbruchstellen in Hausgeräten gibt, die die Lebensdauer begrenzen.

Trotzdem ist UBA-Präsidentin Maria Krautzberger der Meinung, dass viele Geräte eine zu kurze Lebensdauer besitzen: „Aus ökologischer Sicht ist das nicht akzeptabel. Die Herstellung der Produkte verbraucht wertvolle Ressourcen. Schadstoffe und Treibhausgase belasten Umwelt und Klima. Wir müssen über Mindestanforderungen an Produktlebensdauer und Qualität nachdenken – eine Art Mindesthaltbarkeit für Elektro- und Elektronikgeräte.“

Auch am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) beschäftigt man sich seit Längerem mit dem Thema: Die die Entwicklung von zuverlässigen, komfortablen, wirtschaftlichen, sicheren und umweltverträglichen Produkten ist hier ein aktuelles Lehr- und Forschungsfeld. Albert Albers, Leiter des IPEK – Institut für Produktentwicklung am KIT erklärt: „Richtig ist, dass Ingenieure Produkte auf eine geplante Gebrauchsdauer hin auslegen. Das ist sinnvoll und hat nichts mit dem unnötigen Ausfall eines Produkts vor Ablauf seiner Gesamtlebensdauer zu tun.“

Als Entwickler einer Bohrmaschine für den professionellen Handwerker beachte man andere Nutzungsprofile und Verkaufspreise als für den Hobby-Handwerker: „Dann werden alle Komponenten so dimensioniert, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit die vom Markt verlangte Gebrauchsdauer erreicht wird. Letztlich hat der Kunde eine unendlich große Macht. Geplante Obsoleszenz fällt in unser Informationsgesellschaft sofort auf und das kann sich ein Hersteller gar nicht leisten.“

„Umgekehrt: Wenn die Nutzer am Markt bewusst Handys kaufen würde, die 10 Jahre halten, oder Bohrmaschinen, die man noch den Enkel vererben möchte, dann würden die Hersteller sich darauf einstellen,“ erklärt Albers weiter. Die Lebensdauer von Produkten wird demnach anhand des Konsumentenverhaltens geplant. Geräte sollen so entwickelt werden, dass sie so lange halten wie nötig, nicht so lange wie möglich.

Auch an das Konsumverhalten angepasste Innovationszyklen können zu Lasten der Qualität gehen – so werden manche Geräte nur noch auf bekannte Schwachstellen geprüft und nicht mehr umfassend getestet. Auf diese Weise lasse sich die Testzeit von mehreren Monaten auf wenige Wochen reduzieren.

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