Global Player im Luftverkehr

Ingram-Käufer HNA auch an Uber beteiligt

| Autor: Michael Hase

(Bild: Swissport)

Die HNA Group unterstützt den Fahrdienstvermittler Uber bei der Expansion nach Asien. Mit dem Kauf von Swissport, dem weltgrößten Anbieter von Boden- und Frachtservices, drehen die Chinesen künftig ein großes Rad im globalen Luftverkehr.

Als Ingram Micro in der vergangenen Woche den Merger mit der HNA Group ankündigte, war der Name des chinesischen Konzerns hierzulande nur Insidern bekannt. Das dürfte sich bald ändern, und nicht nur wegen der Akquisition des weltgrößten IT-Distributors. Denn das Unternehmen aus Haikou in der südchinesischen Provinz Hainan schickt sich an, zu einem Big Player im internationalen Luftverkehr und Transportwesen zu werden. Eine strategische Allianz mit dem Fahrdienstvermittler Uber und ein weiteres Milliardengeschäft, der unlängst abgeschlossene Kauf des Dienstleisters Swissport, könnten den Weg dazu ebnen.

HNA ging aus den 1993 gegründeten Hainan Airlines hervor. Mittlerweile betreibt die Gruppe mehr als 20 Fluggesellschaften und zahlreiche Hotels, die meisten davon in China. Aber auch an der französischen Airline Aigle Azur sowie an der spanischen NH Hotel Group und den Red Lion Hotels in den USA sind die Asiaten beteiligt. Außerdem bereiten sie den Einstieg bei der spanischen Air Europa vor. Finanzdienstleistungen, Handel und Logistik zählen zu den weiteren Geschäftsfeldern des Konzerns, der weltweit rund 180.000 Mitarbeiter beschäftigt.

Mitte Januar kündigte die HNA Group an, sie werde gemeinsam mit Uber an „innovativen Initiativen und Lösungen für Reisende“ arbeiten. Vorgesehen sind spezielle Uber-Angebote sowie Rabatte für Flug- und Hotelgäste der Gruppe. Außerdem planen beide Unternehmen, ihre mobilen Plattformen technologisch zu verbinden, sodass sich beispielsweise Uber-Fahrten aus HNA-Apps heraus bestellen lassen.

Strategisches Investment

Mit der weltweiten Partnerschaft gab HNA zugleich eine strategische Beteiligung an Uber China bekannt, deren Höhe nicht genannt wurde. Der Konzern unterstützt den Fahrdienstvermittler bei der Expansion nach Asien. Uber tut sich im Reich der Mitte schwer gegen den Rivalen Didi Kuaidi, der 80 Prozent des Markts kontrolliert, und schreibt dort hohe Verluste. Hinter Didi Kuaidi stehen die Internetkonzerne Alibaba und Tencent.

Ob bei der Weiterentwicklung mobiler Reiseplattformen künftig das E-Commerce- und Prozess-Know-how von Ingram Micro gefragt ist, wird sich zeigen. Die Akquisition, für die HNA über die Investment-Tochter Tianjin Tianhai rund sechs Milliarden Dollar zahlt, soll in der zweiten Jahreshälfte abgeschlossen werden. Umgekehrt könnte der Distributor von der logistischen Kompetenz und den internationalen Lagerkapazitäten des bislang jüngsten Mitglieds der Gruppe profitieren: Eine Woche vor Ankündigung des Ingram-Deals finalisierten die Chinesen den Kauf von Swissport, der weltgrößten Service-Gesellschaft für Flughäfen und Airlines.

Die frühere Swissair-Tochter mit Hauptsitz in Opfikon bei Zürich erbringt weltweit Boden- und Frachtumschlagservices. Das Unternehmen beschäftigt rund 60.000 Mitarbeiter und ist mit 270 Niederlassungen in 48 Ländern präsent. HNA hat für die Swissport-Übernahme, die im Juli 2015 angekündigt wurde, umgerechnet knapp 2,6 Milliarden Euro aufgewendet.

Flugzeugvermietung

Ein weiteres Milliardengeschäft hatte die Gruppe bereits im Januar unter Dach und Fach gebracht: Die HNA-Tochter Bohai Leasing schloss die Akquisition des irischen Flugzeugvermieters Avolon ab, für den die Chinesen rund 2,5 Milliarden Dollar zahlten. Ihre Ambitionen im internationalen Luftverkehr sind nicht zu übersehen. Nichtsdestotrotz wird Ingram Micro, gemessen an den Erlösen, in Zukunft innerhalb des Konzerns den größten Geschäftsbereich bilden. Der Distributor erzielte 2014 mit 21.700 Mitarbeitern einen Umsatz in Höhe von nahezu 46,5 Milliarden Dollar.

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