Stimme aus dem Channel

Informationshäppchen für die Zweiklassengesellschaft

| Autor / Redakteur: Autor: Achim Heisler / Sarah Maier

Dem Tiger als Freiheitssymbol werden die Zähne gezogen.
Dem Tiger als Freiheitssymbol werden die Zähne gezogen. (Bild: VBM-Archiv)

Der Umsonst-Mentalität im Internet werden Grenzen gesetzt. Zwar gibt es viele Inhalte noch frei verfügbar, doch Fachhändler Achim Heisler, die Stimme aus dem Channel von IT-BUSINESS, sieht uns auf eine Zweiklassengesellschaft zuschlittern.

Der Generation Internet weht ein eisiger Hauch ins Gesicht. Ist das Ihnen auch aufgefallen? Und damit meine ich nicht unser momentanes Winterwetter. Wir alten Hasen fühlen uns an die IT-Ostfront zurückversetzt und ahnen, dass nichts Gutes auf uns zukommt. In der Vorinternet-Zeit war der Informationsgewinn aus dunklen Mailboxen risikoreich (nicht zugelassene Modems an die Postdose gebastelt und bei Androhung der kommunikativen Todesstrafe in Betrieb genommen) und teuer (Ferngespräch, jede Einheit kostete mindestens 24 Pfennig). Die geringe Anzahl User und der wirtschaftlich nicht relevante Content brachte keinen Anbieter in Bedrängnis.

Umsonst-Mentalität

Achim Heisler, Geschäftsführer von A-H-S Computer, ist für IT-BUSINESS seit einigen Jahren „Die Stimme aus dem Channel“.
Achim Heisler, Geschäftsführer von A-H-S Computer, ist für IT-BUSINESS seit einigen Jahren „Die Stimme aus dem Channel“. (Bild: VBM-Archiv)

Mit dem Einzug von DSL, Internet und Flatrates wandelte sich das Bild zum ersten Male ganz massiv. Eine Generation von erworbener oder gepushter Umsonst-Mentalität wuchs heran. Alles war im Netz verfügbar und jeder Content-Anbieter überbot sich kostenfreien Inhalten. Noch trickreicher machten es einige Software-Anbieter, die über nicht vorhandenen oder Kindergartenkopieschutz die Verbreitung ihrer Programmpakete erst ermöglicht haben. Mit der Methodik erreichten sie ein Quasimonopol auf dem Desktop und erstickten so die Konkurrenz im Keim. Das Ganze war für die Konsumenten ein Paradise.

Auch Altruisten haben Hunger

Aber da sich Geschichte wiederholt, hatten wir auch diesmal wieder jemanden, der in den Apfel gebissen hat. Wenn ich ehrlich bin, hat nicht nur einer gebissen, sondern eine ganze Industrie. Auf allen Seite setzte sich die Erkenntnis durch, dass auch Altruisten Hunger haben und im Winter die Heizung aufdrehen möchten. Es geisterte die Idee durch das Internet, dass Inhalte doch bitte bezahlt werden solle. Die ersten Versuche in diese Richtung scheiterten kläglich, weil das Umfeld und Konkurrenz keine Infrastruktur für Bezahldienste lieferten. Auch hier sollte ein weißer Ritter aus Cupertino die Welt verändern und den Marktbegleitern zeigen, wie man mit Content-Häppchen und kleinpreisiger Teilung ein Vermögen machen kann.

Dies stellt natürlich nur den Anfang der Entwicklung dar. Und heute sehen wir uns mit einem immer und überall Bezahlmodell konfrontiert, welches sowohl in der Quantität als auch der Qualität des Contents ungeahnte Dimensionen öffnet. Da möchten Verleger Geld für Hardlinks, Facebook bietet Bezahl-Mails für 100 US-Dollar an und scheinbar kostenfreie Apps nerven den User mit In-App-Sales. Auf der Hardware-Seite setzten vom Provider gesteuerte Router den neuen Endpunkt, womit der Bandbreiten- und Inhaltskontrolle Tor und Tür geöffnet wird. Wir lernen vom Mobil-Provider, dass eine Flat gar keine Flat ist. Der Software-Hersteller macht uns klar, dass wir kein Eigentum mehr an der Software erwerben, sondern nur noch Mieter sind. In Kombination findet eine schleichende Entrechtung des Users statt, und man bereitet den Weg für viel schlimmere und tiefgreifendere Veränderungen.

Lesen Sie auf der nächsten Seite über CDU und Volksverdummung.

Inhalt des Artikels:

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