29.04.2009 | Redakteur: Stefan Riedl
Mit der Java-, MySQL- und OpenSolaris-Community von Sun Microsystems kauft Oracle eine technikaffine Gemeinschaft zu. Doch die treuen Sun-Anhänger wollen gut behandelt werden.
Er trägt Vollbart und ein T-Shirt mit Botschaften wie »Localhorst« oder »404 Shirt Not Found« – der Stereotyp eines Community-Nerds aus dem Reich der freien Quellcodes. Vertreter dieser Gemeinschaft haben Linux zum Siegeszug verholfen und sind auch für technologielastige Unternehmen wie die soeben von Oracle übernommene Sun Microsystems unverzichtbar. Auch wenn Mitglieder einer Software-Community optisch immer seltener dem Klischee entsprechen und als Berater gerne auch mal Nadelstreifen tragen, gilt nach wie vor: In eine Community muss der Hersteller oder Linux-Distributor erst einmal investieren.
Wenn die Entwicklerforen aber einmal laufen, kann der Hersteller nur profitieren. Mitglieder einer Community entwickeln nicht nur Produkte weiter und sorgen für Umsatz, indem sie sie nach außen tragen, sondern helfen sich auch gegenseitig. »Support per Posting« und »Hilfestellung aus Leidenschaft zur Technologie« wären mögliche Slogans für dieses Phänomen.
Es ist schon auffallend, wie »Finanzkrise« im allgemeinen Medientenor den Begriff »Fachkräftemangel« seit Herbst vergangenen Jahres abgelöst hat. Nichts desto trotz fehlt es an Fachkräften in hochspezialisierten Bereichen, für die man bislang in kaum einer IT-Ausbildung auf die Praxis vorbereitet wird. So vernetzen sich Spezialisten in Sachen Service-orientierter Architektur inzwischen europaweit. Eine SOA-Oracle-Community auf EU-Ebene zählt inzwischen mehr als 1.000 Mitglieder. Sie tauschen und helfen sich aus und sorgen dafür, dass Oracle-Middleware beim Kunden eingesetzt wird. Investitionen sind hier selten fehl am Platz.
Den Community-Gedanken verfolgt Oracle also auch schon seit geraumer Zeit. Aber Sun trägt ihn im Herzen. Das Geschäftsmodell des sonnigen aber lange Zeit defizitären Herstellers besteht darin, eine Community mit kostenfreier Software und Entwicklungsumgebungen zu versorgen, beispielsweise OpenSolaris, Java, Netbeans, VirtualBox oder MySQL. Wenn der kostenfreie Support durch Online-Hilfen und innerhalb der Community nicht ausreicht, können Unternehmen Support-Pakete zukaufen. Durch die so erzielte Marktdurchdringung wird Sun-Hardware oft quasi durch die Hintertür mitverkauft. Bei Oracle steht das Lizenzgeschäft im Mittelpunkt. Wie die Sun-Community integriert wird und welche Änderungen am Go-to-Market-Modell anstehen, werden die nächsten Monate erst zeigen. Die Community ist gespannt.
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