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Umsatz mit Support- und OEM-Geschäft

MySQL reitet auf der Web-2.0-Welle

15.01.2008 | Redakteur: Stefan Riedl

Kaj Arnö ist Geschäftsführer der MySQL GmbH in Deutschland und hat weltweit die Funktion des Vice President für »Community Relations«.
Kaj Arnö ist Geschäftsführer der MySQL GmbH in Deutschland und hat weltweit die Funktion des Vice President für »Community Relations«.

Eine Open-Source-Datenbank erobert das Mitmach-Netz. IT-BUSINESS sprach mit Kaj Arnö, dem Geschäftsführer der MySQL GmbH über sein ausgefuchstes Vertriebskonzept und aktuelle Strömungen bei den Datenbändigern.

Der große Erfolg von Datenbank-Abfragesprachen nach dem SQL-Schema (Structured Query Language) beruht wohl darauf, dass der Nutzer seiner Datenbank relativ einfach vermitteln kann, was er will. Wie dieses Ergebnis erzielt wird, braucht ihn nicht weiter zu interessieren. Um diese Mächtigkeit von SQL zu verdeutlichen, wird gerne das Gleichnis vom Großwildjäger und seiner Select-Abfrage herangezogen. Wenn der Raubtiersammler ganz Afrika per SQL verwalten würde, könnte er beispielsweise mit einem kurzen Befehl alle Löwen auf dem Kontinent einfangen: SELECT Loewe FROM Afrika; – die Frage nach dem »wie« braucht ihn nicht mehr zu kümmern (siehe unten).

Unter den relationalen Datenbanken dieser Welt nimmt MySQL durch ihren Open-Source-Ansatz eine Sonderstellung ein. Wobei der Vergleich zu Linux den großen Unterschied offenbart: Linus Torwalds hat lediglich Rechte am Namen, in Folge gibt es massenweise Hersteller (Linux-Distributoren) und keine »Linux-Zentrale«. Bei MySQL sieht die Sache wie folgt aus: Der Quellcode und das MySQL-Programm gehören der Firma MySQL. Für Open-Source-Projekte stellt MySQL es frei, unter einer GPL (General Public License) zu entwickeln, bei der die eingeschränkte freie Verwendung auf das Produkt weiter »vererbt« wird. Für Softwarehersteller, die MySQL als Datenbank in einem kommerziellen Produkt verwenden möchten, bietet MySQL eine kostenpflichtige OEM-Lizenz. Hier gilt keine Generel Public License, denn dadurch würde das kommerzielle Produkt selbst zu einer Open-Source-Anwendung – undenkbar für die Hersteller.

Der Verbreitungsgrad

Die Kombination beider Ansätze hat in der Vergangenheit zu dem hohen MySQL-Verbreitungsgrad geführt. An den Hoch- und Berufsschulen geht es los: MySQL können die angehenden Datenbankexperten kostenfrei auf ihre Laptops installieren. Es liegt auf der Hand, das Thema »Datenbankentwicklung« gleich anhand von MySQL-Datenbanken zu lehren. Mit über elf Millionen Installationen und mehr als 50.000 Downloads pro Tag zählt MySQL zu den erfolgreichsten Datenbank-Verwaltungssystemen überhaupt. MySQL ist auf allen gängigen Plattformen einsetzbar, darunter Linux, Windows, OS/X, HP-UX, AIX und Netware.

Bildergalerie
Könnten Großwildjäger den afrikanischen Kontinent per SQL-Statements verwalten, wäre die Löwenjagd ein Kinderspiel.Wer hat bei welchem Film Regie geführt – SQL-Nutzer wissen mehr.
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Die Herkunft

Ursprünglich stammt MySQL von der schwedischen Firma MySQL AB, die weltweit Vertriebsableger hat. Hierzulande ist der Datenbank-Hersteller durch eine Vertriebsgesellschaft, die MySQL GmbH, vertreten. Die Herkunft des Namens MySQL kann nicht mehr genau rekonstruiert werden. Es wird spekuliert, dass der Name »My« der Tochter des Mitbegründers Monty Widenius vielleicht auch der Ursprung des Namens MySQL sein könnte, in Kombination mit »SQL« als Kürzel für Structured Query Language (Strukturierte Abfragesprache). Widenius entwickelte MySQL im Jahre 1994.

Der vertriebliche Ansatz

Geld verdient MySQL über zwei Schienen: Auf der einen Seite werden besagte OEM-Lizenzen verkauft, auf der anderen Seite Supportleistungen sowie MySQL-Software ohne GPL-Lizenz im SaaS-Modell (Software as a Service, Mietsoftware über das Internet) vertrieben. Das Produkt »MySQL Enterprise« ist ein Komplettpaket, bestehend aus Datenbank-Software, Werkzeugen für die Datenbank-Überwachung sowie Supportleistungen.

Das Partnerprogramm

Das Programm »MySQL Enterprise Connection Alliance« (MECA) soll Händlern, Hardware-Unternehmen, IT-Dienstleistern, Systemintegratoren sowie Schulungs- und Beratungsfirmen ein Zuhause bieten. Das mehrstufige Partnerprogramm gewährt seinen Mitgliedern Rabatte auf Software-Abonnements sowie Support und gemeinsame Marketing- und Vertriebsaktionen. Insbesondere Hilfestellung bei Einbindung von MySQL in kommerzielle Software ist im Partnerprogrammes vorgesehen.

Das Web 2.0

IT-BUSINESS sprach mit Kaj Arnö, dem Geschäftsführer der MySQL GmbH, der das Vertriebsmodell genauer erläuterte und darauf einging, warum das Web-2.0 für sein Unternehmen einen Umsatzturbo darstellt.

Laut Arnö treibt die Datenflut, die mit dem nutzergenerierten Content im Web 2.0 einher geht, die Open-Source-Kombination LAMP (Linux, Apache, MySQL, PHP, Perl & Python) immens an. LAMP sei ein weit verbreitetes Merkmal vieler Web-2.0-Seiten, -Anwendungen und -Unternehmen. Insbesondere schnell wachsende Webseiten könnten so zu einem Bruchteil der Kosten proprietärer Datenbanken dem ständig steigenden Volumen gerecht werden. Support ließe sich anfangs kostenlos von der Nutzergemeinschaft beziehen. Mit dem Wachstum steigen in der Regel auch die Anforderungen der Web-2.0-Unternehmen, so dass irgendwann zu professioneller und kostenpflichtiger Beratung gewechselt werden kann.

SELECT Loewe FROM Afrika;

Dieses SQL-Statement listet alle Inhalte der Spalte »Loewe« aus der SQL-Tabelle »Afrika« auf und ist damit vom Schema her so etwas wie eine Grundabfrage für mySQL-Nutzer. SELECT * FROM Afrika; würde nach dieser Aufteilung alle Spalteninhalte der afrikanischen Tiere ausgeben (Loewe, Elefant, Affe usw.). Auf dieser Basis und mit zahlreichen weiteren Abfrage- und Kombinationsmöglichkeiten kommen SQL-Nutzer schnell und unkompliziert zu den gewünschten Daten. Beispielsweise an die Information, welcher Regisseur bei welchem Film in einer DVD-Sammlung Regie geführt hat (siehe Beispiel in der Bildergalerie). SQL-Anfänger finden sich auf dieser Basis schnell in der relationalen Datenbank zurecht.

Fortgeschrittene Nutzer und Datenbank-Administratoren können hingegen auf ein breites Repertoire an SQL-Statements zurück greifen, das selbst im datenintensiven Web-2.0-Zeitalter tabellen- und datenbankübergreifend die Datenflut in den Griff bekommt. Der relationale Aufbau von Datenbanken und entsprechende strukturierte Abfragesprachen nach dem SQL-Schema sind aus dem Tagesgeschäft der »Datenbändiger« inzwischen nicht mehr wegzudenken.

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