08.03.2010 | Redakteur: Harry Jacob
Bei der Übernahme des Großformatdrucker-Herstellers Océ ist Canon einen wichtigen Schritt vorangekommen: die Klage zweier Aktionäre gegen die Höhe des Kaufpreises wurde abgewiesen, und mit einer Beteiligungsquote von 71,33 Prozent ist bereits eine deutliche Mehrheit gesichert. Bis zum 19. März soll der Anteil noch ausgebaut werden.
Ein „faktischer Squeeze-Out“ steht den rebellischen Minderheits-Aktionären des niederländischen Druckerherstellers Océ bevor – und damit der Sieg für Canon im Bemühen, die im November angekündigte Übernahme von Océ abzuschließen. Insbesondere der Orbis Funds mit einem Anteil von rund 10 Prozent an Océ und das Hermes Focus Asset Management, das weitere 3,3 Prozent der Aktien hält, hatten gegen das Angebot von Canon Stimmung gemacht, das auf einen Gesamtpreis von rund 1,5 Milliarden Euro hinausläuft. Nun müssen sie befürchten, dass die Japaner in Zukunft eine absolute Mehrheit im Aufsichtsrat einnehmen und damit die absolute Kontrolle ausüben.
Am Donnerstag vergangener Woche war eine Klage von Hermes sowie des britischen Pensionsfonds Universities Superannuation Scheme (USS) gegen Canon gescheitert. Die beiden Minderheitsaktionäre wollten gerichtlich die Höhe der Offerte für ihre Océ-Aktien überprüfen lassen sowie diverse Beschlüsse hinsichtlich der Stimmrechte der Vorzugs-Aktien und Entscheidungen des Océ-Managements erreichen, um den Übernahme-Prozess aufzuhalten. Nachdem die Klage von der Wirtschaftskammer des Amsterdamer Revisionsgerichts abgewiesen worden war, erklärte Canon seine Offerte für verbindlich. Der japanische Konzern hatte bislang die Übernahme davon abhängig gemacht, dass er mindestens 85 Prozent der Aktien in Besitz bekommt, diese Einschränkung gilt nun nicht mehr. Bis zum Ende der Angebotsfrist am 1. März hatten die Océ-Aktionäre allerdings nur so viele Aktien angedient, dass zusammen mit bereits erworbenen Anteilen eine Quote von 71,33 Prozent erreicht wurde.
Nach dem Richterspruch verkündete Canon eine „Nachfrist“ bis 19. März 2010, 17.30 Uhr Ortszeit Amsterdam. An der Höhe des Angebots von 8,60 Euro pro Aktie hat sich jedoch nichts geändert. Der Börsenkurs des niederländischen Druckerspezialisten hat sich inzwischen auf diesem Niveau eingependelt. Mit ASR Nederland erklärte noch am gleichen Tag ein weiterer Minderheitsaktionär, der eine Beteiligung von 7,7 Prozent hält, dass man nun den Verkauf der Océ-Aktien vollziehen werde. ASR hatte allerdings schon im November seine Verkaufsabsicht signalisiert.
Börsenanalysten gehen davon aus, dass die rebellischen Aktionäre durch die faktische Entmachtung der Minderheitsbeteiligungen – Canon kann inzwischen mindestens vier der sechs Aufsichtsratsmandate besetzen – und nach ihrer gescheiterten Klage kaum noch eine andere Wahl haben, als das Angebot zu akzeptieren. Canon teilte mit, man habe eine wichtige Hürde genommen auf dem Weg, zusammen mit Océ die Nummer 1 im Markt für Großformatdrucker zu werden. Das starke Asien-Geschäft von Canon sowie die führende Position von Océ in Europa und den USA sollen zusammengeführt werden, um den Rivalen Ricoh und Xerox, die sich beide jüngst ebenfalls mit Akquisitionen gestärkt hatten, Paroli zu bieten.
Der weitere Fahrplan steht schon weitgehend fest: ab dem 31. März will Canon mit der Abwicklung der Aktienkäufe beginnen und anschließend die Führungsgremien neu besetzen. Ziel bleibt es, Océ vollständig zu übernehmen. Sobald die Schwelle von 95 Prozent der Aktien erreicht ist, soll ein Squeeze-Out-Beschluss die restlichen Anteile sichern, danach werde das Unternehmen, das an der Euronext in Amsterdam notiert ist, von der Börse genommen.
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