14.12.2007 | Redakteur: Philipp Ilsemann
Der Software-Riese Microsoft muss sich auf einen neuen Kartellprozess einstellen. Der Browser-Anbieter Opera hat bei der EU-Kommission in Brüssel eine Beschwerde eingereicht. Die Norweger fordern darin von Microsoft, Windows-Betriebssysteme nicht mehr mit dem Internet Explorer auszustatten oder zumindest die Konkurrenz-Software mitzuliefern.
Microsoft droht neues Ungemach aus Brüssel. Bei der EU-Kommission ist eine neue kartellrechtliche Beschwerde gegen den Software-Konzern eingegangen. Dieses Mal ist es ein Browser-Anbieter, der den Redmondern Missbrauch ihrer dominanten Marktstellung vorwirft. Der norwegische Hersteller Opera fordert von Brüssel, ein Verfahren gegen Microsoft einzuleiten, das die Position von alternativen Browser-Herstellern verbessert.
Stein des Anstoßes ist der Internet Explorer, der fester Bestandteil von Microsofts Windows-Betriebssystemen ist. Geht es nach den Norwegern, sollen Windows-Systeme künftig ohne Internet Explorer ausgeliefert werden. Alternativ wäre Opera auch zufrieden, wenn Microsoft neben dem Internet-Explorer auch Alternativ-Browser fest auf dem Desktop verankern würde.
Die zweite Forderung betrifft bestimmte Web-Standards, die Microsoft laut Opera nicht einhalte und somit die Interoperabilität von Windows mit Konkurrenz-Browsern behindere. Microsoft solle zu seinen öffentlichen Äußerungen stehen anstatt sie mit seiner berüchtigten »Embrace, Extend and Extinguish«-Strategie (Umarmen, Ausdehnen und Auslöschen, Anm. d. Red.) zu ersticken, so Operas offizielles Statement.
Microsoft ist sich indes keiner Schuld bewusst und zeigt sich bereit, bei möglichen Ermittlungen zu kooperieren. »Wir glauben, dass die Einbindung des Browsers in das Betriebssystem den Kunden nützt und dass sich Kunden sowie PC-Hersteller bereits frei entscheiden können, den Browser zu verwenden, den sie wollen«, verlautet aus Redmond.
Wie Brüssel auf die Beschwerde reagiert, ist derzeit noch unklar. Zuletzt hatte die EU-Kommission mit Rekordbußgeldern gegen Microsoft für Aufsehen gesorgt. So bestätigte erst im September das Europäische Gericht Erster Instanz eine von der Kommission verhängte Strafzahlung in Höhe von 497 Millionen Euro.
Bei einem ähnlichen Streit mit den Anbietern von Medienwiedergabe-Software wurde Microsoft zudem dazu verdonnert, eine Windows-Version ohne integrierten Media Player zu vertreiben. Diese erfreut sich verständlicherweise nur eines marginalen Absatzes, dennoch gilt ein ähnlicher Bescheid für Internet-Browser als realistisch.
Weltweit dominiert Microsoft den Browser-Markt weiterhin. Laut aktuellen Zahlen von Net Applications für November 2007 liegt der Internet Explorer mit 77,4 Prozent klar an der Spitze, es folgt Mozilla Firefox mit 16,0 Prozent. Konkurrent Opera muss sich noch hinter dem Apple-Browser Safari (5,1 Prozent) mit verschwindend kleinen 0,65 Prozent auf Rang vier einreihen. Rechnet man den mobilen Browser Opera Mini dazu, kommen die Norweger auf 0,68 Prozent.
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