27.09.2010 | Redakteur: Katrin Hofmann
Die Zukunft gehört Resellern, die Ladengeschäft und Internet verbinden, prognostizieren die GfK und Accenture. Diese Multikanal-Verkäufer sind demnach reinen Online-Händlern überlegen. Wer ausschließlich auf sein Ladengeschäft vertraut, könnte den Kürzeren ziehen.
Mehrkanal- beziehungsweise Multichannel-Geschäft bedeutet der Definition der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) und dem Beratungsunternehmen Accenture zufolge, dass der Kunde sich im Laden oder Internet informiert und anschließend im anderen Kanal ordert. Rund 14 Milliarden Euro wurden von deutschen Händlern im Jahr 2009 auf diese Weise umgesetzt, rund zehn Prozent des Gesamtumsatzes mit Non-Food-Waren. In den kommenden fünf Jahren wird dieser Anteil der Prognose von GfK und Accenture zufolge, die auf Marktuntersuchungen basieren, auf 17 Prozent steigen. Prozentual soll das Umsatzplus bis 2015 knapp 80 Prozent betragen.
Der Anteil des reinen Online-Handels – große Retailer, wie beispielsweise Amazon, berücksichtigt – soll dagegen „nur“ von derzeit sieben auf zehn Prozent zulegen. Die Verlierer im Wettrennen um die Käufer sind demnach die Verkäufer, die ausschließlich auf ihr Ladengeschäft vertrauen: Deren Umsatzanteil droht zu schrumpfen.
Am Beispiel Elektroartikel haben die Analysten festgestellt, dass vor allem beim Kauf hochwertiger und teurer Produkte die Recherche und der Kauf im Web und im Laden vor Ort kombiniert werden. Beim Verkauf von PCs, so die Schätzung, könnte das Wechselspiel beider Kanäle 2015 bereits 44 Prozent des Umsatzes ausmachen.
Die Multichannel-Optionen müssen dem Kunden allerdings einen wirklichen Mehrwert schaffen. Dies kann zum Beispiel sein, dass sie sich über das Internet Geräte in die nächstgelegene Filiale bestellen lassen, die das Geschäft nicht standardmäßig auf Lager hat. In diesem Zusammenhang ließe sich beispielsweise ein Online-Konfigurator integrieren, dank dem der Kunde im Web sein individuelles Produkt selbst zusammenstellen kann. Holt er es anschließend vor Ort beim nächstgelegenen Fachhändler ab, hat er im Nachhinein für mögliche Reklamationen seinen Ansprechpartner in greifbarer Nähe.
Als Zielgruppe für das Mehrkanalgeschäft macht die Untersuchung vor allem jüngere Menschen aus. Wahre „Multichannel-Enthusiasten“ seien vor allem Studenten, Auszubildende und gut verdienende Alleinlebende. Nach Warengruppen besonders gut geeignet sind Elektrogeräte. Deren Anteil des Mehrkanal-Umsatzes lag schon 2009 bei 20 Prozent. Bei Bekleidung waren es dagegen nur etwa fünf Prozent.
„Nur sehr wenige Händler können heute schon für sich in Anspruch nehmen, ein wirklich nahtloses Einkaufserlebnis zu bieten, das Kunden einen echten Mehrwert bringt“, so die Analysten.
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