Profitabel an die Spitze

Lenovo rechnet damit, die Nummer eins zu werden

06.08.12 | Autor / Redakteur: IT-BUSINESS / Das Interview führte Wilfried Platten / Wilfried Platten

Familienbande: Die M72-Reihe von Lenovo
Familienbande: Die M72-Reihe von Lenovo

Lenovo sieht sich harscher Kritik des Deutschland-Chefs von HP Volker Smid ausgesetzt. Gleichzeitig verkündet das Unternehmen den Abschluss einer strategischen Partnerschaft mit EMC.

ITB: Einer Ihrer Hauptwettbewerber wirft Lenovo vor, sich massiv Marktanteile zu kaufen, weil zu Preisen verkauft werde, an denen oft nichts mehr verdient werde. Fühlen Sie sich getroffen?

Pasquier: Sehen Sie sich zur Beantwortung dieser Frage einfach die Quartalszahlen der letzten beiden Jahre an. Seit neun Quartalen hat Lenovo stetig Marktanteile dazu gewonnen und sich kontinuierlich nach oben entwickelt. Wir sind seit zehn aufeinanderfolgenden Quartalen der am schnellsten wachsende PC-Hersteller unter den Top vier weltweit. Aktuell sind wir die Nummer zwei mit 14,9 Prozent - mit wachsenden Anteilen, HP ist mit 15,9 Prozent die Nummer eins - mit sinkenden Anteilen. Eine solche dauerhaft erfolgreiche Entwicklung ließe sich mit unprofitablem Geschäft gar nicht durchhalten.

ITB: Wie sieht denn konkret die Margensituation in den verschiedenen Divisions (Notebooks, PCs, Server) aus – und gibt es da Quersubventionierungen?

Pasquier: Definitiv nein. Jeder Bereich muss für sich selbst profitabel sein – und ist es aktuell auch. Alles andere wäre viel zu gefährlich.

ITB: Als Jäger hat man es ja meist leichter wie als Gejagter. Wenn die Entwicklung wie beschrieben weitergeht, wird Lenovo bald an der Spitze ankommen. Bereiten Sie strategische Änderungen vor, die einmal gewonnene Nummer 1 Position zu halten?

Pasquier: Eine interessante Frage, zu deren Beantwortung wir näher auf unsere „Protect and Attack“ Strategie eingehen müssen. Das ist übrigens kein dicker Ordner, sondern passt auf ein einziges Blatt Papier. Dabei gilt „Protect“ für den Enterprise-Sektor, wo wir bestens etabliert sind und auf einen moderaten Ausbau unserer Marktanteile setzen. „Attack“ gilt für den SMB- und Consumer-Bereich, wo wir in massives Wachstum investieren. Das Potenzial ist riesig. Diese Strategie ist darauf ausgerichtet, stetig profitabel zu wachsen, und nicht auf das singuläre Ziel, die Nummer eins zu werden. Das ist dann irgendwann einmal die logische Konsequenz. Und da unsere Strategie offensichtlich greift, rechnen wir damit, spätestens 2013 die Nummer eins zu werden.

ITB: Der gleiche Wettbewerber hat als IT-Megatrend ausgemacht, Firmen-Computer cloud-tauglich zu machen und so umzustellen, dass Rechenleistung und Anwendungsprogramme aus der Steckdose kommen. Wie gut oder schlecht ist Lenovo hier aufgestellt?

Pasquier: Der Trend geht sicher in diese Richtung. Wir sehen den Druck in den Unternehmen, Cloud-Angebote und Bring-your-own-device-Konzepte für die Anwender zu entwickeln. Auf der Geräteseite bedeutet das: Nicht mehr das Unternehmen entscheidet für oder gegen den Kauf einer bestimmten Charge von Markengeräten. Stattdessen müssen wir jeden einzelnen Anwender von der Qualität unserer Produkte überzeugen. Seien es Notebooks, Tablets oder Smartphones. Deshalb ist es extrem wichtig, uns auch im Consumer-Segment als Premium-Brand zu positionieren, so wie wir es im Enterprise-Sektor schon seit langem sind. Dafür investieren wir massiv in Werbung und Marketing, und natürlich neue Produkte.

ITB: Die Lenovo-Aktie hat seit dem Peak am 20.6. eine kleine Talfahrt hingelegt, und steigt seit der Ankündigung des Joint Ventures mit EMC wieder. Analysten äußern sich positiv. Fühlen Sie sich bestätigt, und welche Ziele verbinden Sie für Lenovo in dieser Vereinbarung?

Pasquier: Die positiven Analysten-Statements haben wir natürlich auch mit Wohlwollen zur Kenntnis genommen. Unser primäres Ziel ist es, im Marktsegment der Intel-basierenden Server weiter zu wachsen. In der Partnerschaft mit EMC sehen wir die beste Option, dieses Wachstum zu erreichen. Wir werden unser Server-Angebot massiv ausbauen. Und wenn ich von Servern spreche, gehören Storage Systeme immer dazu. Bereits Anfang nächsten Jahres werden wir die ersten neuen Produkte als Ergebnis dieser Partnerschaft vorstellen.


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