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Das Ikea der Datenbanken

MySQL-Umsatz schwillt an

27.02.2007 | Redakteur: Katariina Hoffmann-Remy

ITB: Herr Mickos, kürzlich äußerte sich ein Software-Entwickler begeistert über MySQL. Ihm fiel die leichte Installierbarkeit und Die benutzerfreundliche Bedienoberfläche im Vergleich zu anderen Datenbanken auf. Freut Sie das?

Die Umsätze von Open-Source-Datenbank-Anbieter MySQL AB wachsen so schnell, wie die von Oracle und Microsoft in deren jungen Jahren. CEO Marten Mickos erklärt exklusiv gegenüber IT-BUSINESS, warum MySQL so attraktiv ist.

Mickos: Ja sehr! Die einfache Handhabbarkeit ist eines der Goldstücke, die wir in die Waage legen. Bei uns gilt die 15-Minuten-Regel. In dieser Zeit sollte man die Datenbank herunterladen, installieren und starten können. Die älteren Datenbanken erfordern meist ein bis drei Tage Arbeit, bevor man startklar ist.

ITB: Seit wann ist MySQL bei Unternehmen erfolgreich?


Mickos: Mit dem Unternehmens-Geschäft und der Sales und Marketing-Maschinerie starteten wir 2001.

ITB: Wie ist ihre Position im Datenbankmarkt heute?

Mickos: Wir verzeichnen täglich 50.000 Produkt-Downloads. Das hat uns eine enorme User-Basis verschafft. An ihr gemessen sind wir die Nummer zwei in der Datenbank-Industrie.

ITB: Wer ist die Nummer eins?

Mickos: Weltweit: Microsoft. Aber es gibt zum Beispiel mehr Anwender, die MySQL nutzen, als Oracle. In Deutschland ermittelte die Unternehmensberatung Univision-Services im Jahr 2006, welche Datenbanken IT-Experten nutzen. Wir sind dort Spitzenreiter: 29 Prozent nennen MySQL, 24 Prozent Microsoft, 22 Prozent Oracle, 10 Prozent IBM und einige wenige Prozente entfallen auf Adabas und andere kleine Anbieter.

ITB: Wie haben sie es geschafft, gegen die Platzhirschen Microsoft, IBM und Oracle bei den Unternehmen an Bedeutung zu gewinnen?

Mickos: Wir bedienen neue Bedürfnisse. Vielleicht sind wir das Ikea der Datenbanken! Denken Sie an die Ikea-Möbel. Sie sind modern, günstig, leicht mitzunehmen, es gibt viele Variationen, sie sind einfach zu kaufen und machen keine Probleme. Wenn Sie natürlich einen tollen Diningroom einrichten, in den sie Großvater und Großmutter einladen wollen, dann brauchen Sie antike Möblierung. Aber für junge Leute wählen Sie Ikea. Ähnlich ist es mit Datenbanken, hier findet gerade ein Wandel statt. Die alten Produkte sind schwierig zu nutzen, zu kaufen, zu erlernen, sie sind einfach klobig. Dann sind wir mit einem Produkt gekommen, das einfach läuft. Man lädt es herunter, es läuft. Die fortschrittlichsten Online-Services wie Google, Yahoo, YouTube oder Flickr laufen auf MySQL. Wir bieten eine neue Architektur, eine neue Form der Auslieferung, ein neues Design.

ITB: Sind nicht Datenbank-Produkte ziemlich reif, was kann man da als neue Architektur ausweisen?

Mickos: Das stimmt nicht. Was gereift ist, ist der SQL-Standard. Er ist gut definiert. Aber die Architektur wandelt sich, weil die alten Datenbanken für eine Client-Server-Architektur entwickelt wurden, wie in den achtziger Jahren üblich. Heute nutzen die Leute Multi-Tier-Applikationen für das Web. Es gibt keinen Thick Client, man opiert von einem Browser aus und arbeitet mit vielen Schichten: einem Application Server, einem Webserver, einem Datenbankserver. MySQL hat innerhalb dieser Anforderung ein passenderes Design. Das ist es, was ich mit neuer Architektur meine. Das zeigt sich zum Beispiel beim Öffnen und Schließen von Connections. Jede Connection erfordert wenig Speicherkapazität, anders als bei den alten Datenbanken. Sie mögen denken, dass es sich dabei nur um winzige Verzögerungen handelt, die keine Bedeutung haben, aber wenn Sie mehrere zehn Millionen User haben, dann macht das einen Unterschied.

ITB: Welche Entwicklung werden wir im Bereich der Datenbanken sehen?

Mickos: Datenbanken werden Applikationen bedienen müssen, die online sind und von vielen Usern genutzt werden. Der Gedanke der Connectivity ist daher ein wichtiges Thema und zieht Fragen nach sich, etwa: wie replizieren Sie Daten von einer Datenbank zur anderen? Wie clustern Sie, wie bauen Sie ein Datenbank-Grid, wie machen Sie die Datenbank im Internet verfügbar? Auch der Aspekt der Suche ist ein Thema. Es gibt so viele Daten heute. Um sie zu finden, ist eine gute Suchfunktion erforderlich. Google sucht nur in Webseiten, aber nicht in Datenbanken. Wir bieten seit vielen Jahren Volltextsuche mit unserer Datenbank - das ist ein Grund, warum sie so populär ist.

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