Wachstum in allen Geschäftsbereichen angepeilt

Was für COS geplant ist – und was Devil will

25.08.2009 | Autor / Redakteur: Harry Jacob, Regina Böckle / Harry Jacob

Karsten Hartmann, Aufsichtsrats-Vorsitzender der Devil AG

Gerade erst ist Devil der Befreiungsschlag aus dem Klammergriff der ehemaligen holländischen Mutter Nedfield geglückt, sind die Aufräumarbeiten im eigenen Haus fast erledigt – da präsentieren sich die Devil-Eigentümer als Retter in der Not für den Wettbewerber COS in Linden. IT-BUSINESS-Redaktionsleiter Harry Jacob fragte beim Aufsichtsratsvorsitzenden Karsten Hartmann nach, wie die Zukunft im „Doppelpack” aussehen soll.

ITB: Herr Hartmann, wie kommt es, dass Sie sich als Anteilseigner bei Devil um den Erhalt eines Wettbewerbers wie COS bemühen?

Hartmann: Wir glauben, dass die COS eine gute Gesellschaft ist – sie hat allerdings unter ihren bisherigen Eigentümern gelitten, so wie uns das auch selbst mit Netfield passiert ist. Wir sind aber überzeugt, dass COS wieder erfolgreich werden kann.

ITB: Und warum ist das gut für Devil?

Hartmann: Einer der wichtigsten Punkte für den Erfolg in der Distribution ist das Thema Kosten. Wenn wir durch Konsolidierung die Kosten niedrig halten und auf zwei erfolgreiche Gesellschaften aufteilen können, dann profitieren beide davon.

ITB: Aber holen Sie sich damit nicht einen Wettbewerber ins Haus?

Hartmann: Das wird Aufgabe der Feinsteuerung der Unternehmen sein, dass der Wettbewerb nicht untereinander ausgetragen wird, sondern sich gegen andere Player im Markt richtet.

ITB: Zur COS Distribution gehörten ursprünglich auch Avitos, E-Logistics und Topedo. Werden Sie sich da auch engagieren?

Hartmann: Bei der Avitos nicht, dort gibt es andere Interessenten. Die E-Logistics war zuletzt hauptsächlich Dienstleister für COS. Einen Teil dieses Personals möchten wir übernehmen. Bei der Topedo liefen die Geschäfte in letzter Zeit eher schlecht, daher sind wir uns noch nicht schlüssig, ob Topedo für uns eine Option ist.

ITB: Wie wird die COS-Übernahme von statten gehen?

Hartmann: Wir planen einen Asset-Deal, so dass wir keine Verbindlichkeiten übernehmen.

ITB: Laut Mitteilung von COS soll das Unternehmen selbstständig weiterarbeiten, Logistik und Service aber an Devil abgeben. Wie muss man sich das vorstellen?

Hartmann: Die COS wird weiterhin von Linden aus ihre eigenen Kunden betreuen. Das Lager am bisherigen Firmensitz wird von uns nicht länger genutzt werden. Logistik und Service übernimmt eine eigene, neutrale Gesellschaft, die COS und Devil gleichermaßen bedient, aus dem Lager in Braunschweig.

ITB: Wie wird das von der Gesellschaftsstruktur her organisiert?

Hartmann: Dazu wollen wir eine Holding als Dachgesellschaft einrichten, unter der sowohl Devil als auch COS gemeinsam als Schwesterunternehmen aufgehängt sind. So bleiben beide Distributoren unabhängig voneinander.

ITB: Und wer soll die COS dann leiten – die bisherigen Chefs scheiden ja wohl aus?

Hartmann: Wer Geschäftsführer werden soll, wissen wir noch nicht. Von den bisher Beteiligten jedenfalls keiner. Da gibt es vielleicht eine Interimslösung.

ITB: Wie geht es jetzt weiter? Wann läuft das Geschäft bei der COS wieder, wann können die Fachhändler in Linden wieder vernünftig einkaufen?

Hartmann: Zunächst müssen wir die nichtöffenliche Versammlung des vorläufigen Gläubiger-Ausschusses kommende Woche abwarten. Dort fällt eine erste Entscheidung. Ich bin allerdings optimistisch, dass wir den Zuschlag bekommen, da wir der einzige Interessent sind, der die COS erhalten will.

ITB: Und dann muss erst mal Geld fließen?

Hartmann: Als Distributor braucht die COS vor allem Ware. Die kann mit frischem Kapital besorgt werden, die kann aber auch direkt aus unserem Lager in Braunschweig kommen. Das soll aber nicht heißen, dass die COS nur auf das Devil-Portfolio zugreifen kann. Wir wollen, dass die COS auch weiterhin einen eigenen Einkauf hat, der auf die Bedürfnisse der eigenen Klientel reagieren kann.

Lesen Sie auf der folgenden Seite, wie der Braunschweiger Distributor Devil seine Zukunft plant.

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