Interview mit Also-Chef Michael Dressen

Also rechnet mit Umsatzrückgang im Online-Handel

03.03.2009 | Redakteur: Regina Böckle

Michael Dressen ist Sprecher der Geschäftsführung von Also Deutschland und Mitglied der Konzernleitung.

Mit deutlichen Worten skizziert Michael Dressen, Sprecher der Geschäftsführung von Also Deutschland und Mitglied der Konzernleitung, wie sich der Distributor für dieses schwierige Jahr rüstet: Profitabilität ist oberstes Gebot, weshalb das Unternehmen davon ausgeht, dass das Geschäft mit Online-Händlern stark rückläufig sein wird, mit einem Umsatz-Rückgang von 15 Prozent plant und die Hersteller zur Abschaffung der Sell-In-Boni bewegen will.

ITB: Also Deutschland plant 2009 erstmals in der Unternehmensgeschichte mit einem Umsatzrückgang von de facto rund 15 Prozent verglichen mit dem Vorjahr. Mit Blick auf die Wachstumssteigerungen um mehr als 20 Prozent in den vergangenen fünf Jahren ist das ein gewaltiger Schnitt. Weshalb dieser heftige Einschnitt?

Dressen: Also Deutschland hat in den vergangenen fünf Jahren ein Wachstum von jeweils über 20 Prozent hingelegt, so auch im Jahr 2008. Das war für alle Beteiligten eine enorme Leistung. 2009 wird mit dieser Tradition allerdings brechen, für uns wird das laufende Jahr ein Konsolidierungsjahr sein, in dem wir mit weniger Umsatz rechnen als im Jahr 2008. Das ist in erster Linie bedingt durch die Rezession, und in zweiter Linie dadurch, dass wir schon seit einigen Monaten konsequent auf wenig profitables Geschäft verzichten und so aktiv unser Wachstum bremsen. Deshalb ziehen wir uns aus diesen Segmenten zurück und versuchen uns 2009 ganz darauf zu konzentrieren, unsere Marge wieder zu erhöhen. Wer in der heutigen Situation als Distributor weiter auf Umsatzwachstum setzt, wird am Ende des Jahres vor dem Problem stehen, nicht nur die rezessionsbedingten Umsatzrückgänge verkraften zu müssen, sondern auch Einbrüche bei der Marge. Damit kommt man nicht durch diese Krise.

ITB: Also Deutschland hat doch auch 2008 Gewinn gemacht…

Dresse: Das ist richtig, allerdings ging die Gewinnmarge im Vorjahresvergleich zurück. Um diese wieder nach oben zu ziehen, werden wir bestimmte Geschäftssegmente stark zurückfahren.

ITB: Welche Segmente sind aus Ihrer Sicht zu unprofitabel?

Dressen: Zu diesen wenig bis unrentablen Bereichen zählt allen voran das Geschäft mit Online-Händlern. Wir haben uns hier aus einigen Bereichen schon in den vergangenen Monaten zurückgezogen und werden dies weiter tun.

ITB: In welcher Größenordnung?

Dressen: Insgesamt wird sich unser Umsatz im Online-Kanal verglichen mit 2008 deutlich reduzieren. Denn erstens erlauben es uns die Preise, die in diesen Marktsegmenten zu erzielen sind, in keiner Weise mehr, unsere Kosten zu decken. Die zu erzielenden Margen liegen hier jenseits von gut und böse. Entsprechend haben wir auch die Zahlungskonditionen verändert. Zweitens sehen wir in dieser Kundenklientel auch das größte Risiko – die Insolvenz der BUG AG ist nur ein Beispiel dafür, wie labil dieser Absatzkanal insgesamt ist. Wir gehen davon aus, dass hier viele Player das Jahr 2009 nicht überleben werden.

Wie Dressen das Geschäft mit dem Retail bewertet und mit welchen Problemen er den Channel 2009 konfrontiert sieht, erfahren Sie auf der folgenden Seite.


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