05.09.2007 | Redakteur: Harry Jacob

Die hohen Erwartungen nicht ganz erfüllt, aber die Vorjahreszahlen übertroffen – die Zahlen der diesjährigen IFA hinterlassen eine gemischte Bilanz. Was die Stimmung betrifft, gibt es aber keine Zweifel: Da hat die Consumermesse unter dem Berliner Funkturm auf jeden Fall einen guten Eindruck bei Besuchern, Ausstellern und Veranstaltern hinterlassen.
Wenn man nach den Zahlen geht, muss die IFA 2007 sich gleich mit zwei Vorjahren messen lassen. Denn 2006 war die erste Funkausstellung seit 1970, die außerhalb des langjährigen Zwei-Jahres-Rhythmus stattfand. Da die Entscheidung erst sehr spät fiel, war die Vorlaufzeit für einige Branchengrößen zu kurz, so dass wichtige Aussteller fehlten und die Zahlen auch deshalb schlechter ausfielen.
Den Vergleich zur »regulären« Messe 2005 hatten die Veranstalter selbst ins Spiel gebracht, denn sie hofften, wieder die Besucherzahlen von damals knapp 250.000 zu erreichen. Das Ziel wurde aber verfehlt: 235.000 wurden in diesem Jahr gezählt, 225.000 brutto sollen es 2006 gewesen sein, der Verband der deutschen Messewirtschaft AUMA bescheinigt knapp 212.500 Besucher.
Einen Rekord gab es auf jeden Fall bei den Ausstellern, mit 1.212 waren mehr als jemals zuvor beteiligt (nach eigenen Angaben 2005: 1.202 / 2006: 1.049). Ebenso sei das Ordervolumen der Markenhersteller auf rund 2,7 Milliarden Euro angestiegen, also um rund zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr. Und die vermietete Fläche näherte sich mit 104.000 Quadratmetern wieder dem guten Wert von 2005 (109.000 qm) an, nach 93.000 qm im Vorjahr.
Viel schwerer als die nüchternen Zahlen wiegt jedoch das emotionale Momentum, das die Messe hinterlässt. Größere Bildschirmdiagonalen, edleres Design und pfiffige Bedienelemente trafen offensichtlich den Geschmack der Besucher. Denn das waren die Kriterien, nach denen Fachbesucher ihre Aufträge platzierten. Und die Konsumenten zeigten sich ebenfalls von den Produktneuheiten begeistert. Es herrschte Kauflaune in den Hallen – die muss sich nun auf das anstehende Weihnachtsgeschäft übertragen.
Dr. Rainer Hecker, Aufsichtsratsvorsitzender der Gesellschaft für Unterhaltungselektronik (gfu), die Veranstalterin der IFA ist, sieht nach Gesprächen mit Händlern und Besuchern gar einen neuen Trend: »Das Verbraucherinteresse an den technologischen Innovationen, an den Produkten unserer Branche, die das Leben in vielerlei Hinsicht abwechslungsreicher gestalten, ist ungebrochen. An erster Stelle stehen bei unseren Kunden Qualität, Service und die Wertigkeit der Geräte – die Schnäppchenjägermentalität nach dem ausschließlich billigsten Angebot nimmt eindeutig ab!«
Ob das tatsächlich so ist, muss sich erst noch zeigen. Der CE-Handel setzt jedenfalls auf Geräte mit höherer Ausstattung und auf Flachbildschirme mit Bildschirmdiagonalen von 40 Zoll und mehr. So soll der rapide Preisverfall ausgeglichen werden. Die Branche hofft, dass der wirtschaftliche Optimismus trotz der aktuellen Preissteigerungsdebatten die Oberhand behält und den Kunden angesichts der aktuellen Produkte das Geld locker sitzt. 23 Milliarden Euro sollen 2007 laut Hecker in Consumer Electronics umgesetzt werden.
Was die IFA aber trotz aller Euphorie auch gezeigt hat, war die Tatsache, dass die Digitalisierung der Medien, die sogenannte »Konvergenz« von IT und CE, immer noch am Anfang steht. LCD-TV und DVB-T sind inzwischen schon bekannter, aber die Digitalisierung des Fernsehempfangs via Kabel und Satellit, der Schritt von HDTV zu FullHD, von der SMS und MMS zum Handy-TV, von der DVD zu HD-DVD oder Blu-ray-Disc – da machen erst wenige »Early adopters« mit. Experten warnen bereits davor, dass die Kunden überfordert werden, wenn ständig neue Standards eingeführt werden und die Käufer den Eindruck bekommen, stets veraltete Technologie erworben zu haben.
Vielleicht machte auch das den Charme der diesjährigen IFA aus: Dass die Besucher eben nicht allerorten mit völlig neuer Technik überfrachtet wurden. Stattdessen gab es ausgereiftere, verbesserte Produkte zu sehen, die zumindest den Eindruck vermittelten, dass sie nicht mehr so kompliziert zu bedienen sind wie die ersten Generationen der Receiver und Recorder für das digitale Fernsehen, und trotzdem für die Zukunft gerüstet sind.
Das ist auch die Chance für den Handel, denn der hat es bei der noch zu leistenden Überzeugungsarbeit bei der Kundschaft angesichts der aktuellen Produkte leichter. Das gilt nicht nur beim Fernsehempfang, sondern genauso auch für digitale Foto- und Video-Kameras, Navigationsgeräte oder Computer – vom PDA über den Homeserver bis hin zum Notebook.
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