03.02.2010 | Redakteur: Regina Böckle
Nicht einmal die Hälfte aller deutschen Betriebe ist korrekt lizenziert – so die Erfahrung der Software-Spezialisten und Gründer der Software Initiative Deutschland e.V. (SID). Sie wollen Reseller und Endkunden nun einen Weg aus dem Lizenz-Dschungel aufzeigen.
Kaum ein IT-Leiter kann mit Sicherheit sagen, ob das Unternehmen tatsächlich alle Lizenz-Vorgaben der eingesetzten Software erfüllt. Zu kompliziert sind die Modelle und zu häufig ändern sie sich. „Die Quote richtig lizenzierter Betriebe in der Bundesrepublik liegt nicht einmal bei 50 Prozent“, bringt Listec-Geschäftsführer Jens Orhanovic die Folgen auf den Punkt. „Wer hier nicht permanent am Ball bleibt, verliert schnell den Überblick.“
Für den Software-Experten, der sich seit mehr als 20 Jahren mit diesem Thema befasst, war dies Anlass, gemeinsam mit weiteren Kollegen aus der Branche die Software Initiative Deutschland (SID) zu gründen. Ihr Ziel: Systemhäuser und Firmenkunden zu helfen, ihre Software korrekt zu lizenzieren. Denn sowohl die Über- als auch die Unterlizenzierung kann fatale Folgen haben. Hinter der Überlizenzierung stecke eine üble Kostenfalle: Orhanovic schätzt, dass rund ein Drittel aller installierten Programme nicht benötigt werden, Beschaffung und Pflege der Software-Lizenzen aber bis zu 40 Prozent des gesamten IT-Budgets verschlingen. Im Rahmen einer Unterlizenzierung komme das böse Erwachen spätestens bei der Compliance-Prüfung.
„Lizenzen müssen dann zum Listenpreis erworben werden, was Unternehmen regelmäßig teuer zu stehen kommt. Nicht zu vergessen sind die rechtlichen Konsequenzen: Vorstände und Geschäftsführer haften wegen Verstößen gegen das Urheberrechtsgesetz persönlich. Im Falle der Weigerung zur Nachlizenzierung drohen zumindest empfindliche Geldstrafen“, weiß der Experte.
Der Software-Verband SID will auf die wachsende Bedeutung von Software in immer mehr beruflichen, unternehmerischen und privaten Lebensbereichen aufmerksam machen. Er setzt sich für die Weiterentwicklung von Bestands-Software auf modernen Plattformen – allen voran dem Internet – ein, um auf diesem Wege die Investitionen der Betriebe zu schützen.
„Ohne Hilfe von außen lassen sich die gewaltigen Herausforderungen in diesem Zusammenhang nicht stemmen“, so Orhanovic. Selbst die Hersteller müssten Spezialisten beschäftigen. Kleinere und viele mittelständische Betriebe können sich das aber gar nicht leisten. „Da rund 90 Prozent der Unternehmen einen Vertrag direkt mit dem Hersteller haben, können sie Reseller oder Berater nicht in die Haftung nehmen und stehen bei Falschlizenzierung im Regen.“
Der SID hat Orhanovic zum Leiter des Deutschen Forums für Software-Lizenzierung ernannt, eines Arbeitskreises innerhalb des SID. Er gilt aufgrund seines Fachwissens zu IBM-Partnerprogrammen und Lizenzierungsverfahren in der Branche als „Wegweiser durch den IBM-Dschungel“. Vor der Spezialisierung auf IBM und deren Produkte war Jens Orhanovic als externer IT-Berater und Entwickler für den Prüfkonzern Dekra tätig. Bereits unmittelbar nach seinem Studienabschluss im Jahr 1985 hatte er Software für dezentrale Systeme geschrieben. Jens Orhanovic ist gleichzeitig Geschäftsführer des OEM-Distributors für IBM-Software, der Listec GmbH.
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