12.04.2010 | Redakteur: Harry Jacob
Microsoft hat die neue Position des scheidenden Deutschland-Geschäftsführers Achim Berg bekanntgegeben: Corporate Vice President Mobile Communications Business & Marketing. Auf dem neuen Posten soll der ehemalige Telekom-Vorstand den Wettbewerbern Apple und Google Paroli bieten.
Zum 1. Mai gibt Achim Berg die Deutschlandführung an Ralph Haupter ab und wechselt dann in die Konzernzentrale. In seiner neu geschaffenen Position verantwortet er alle Marketing- und Business Development-Aktivitäten für Windows Phones weltweit. Dass die Bekanntgabe am selben Tag erfolgte, an dem auch die neuen Microsoft-Consumer-Handys vorgestellt wurden, soll Zufall gewesen sein.
Microsoft hatte sich zu lange auf PC-Technik fokussiert und die Entwicklung des Mobile-Betriebssystems vernachlässigt. Zu lange mussten Smartphone-Anbieter mit Windows-Mobile-Versionen auf Basis von Windows CE 5.0 vom August 2004 und dessen mäßig innovativen Updates zurechtkommen, die ursprünglich nur für Handys und PDAs gedacht waren – und hatten sich schließlich für Alternativen entschieden. Im Mai 2009 wurde Windows Mobile 6.5 als Zwischenschritt zum technisch runderneuerten Windows Mobile 7 angekündigt. Doch als im September vergangenen Jahres die ersten Geräte auf den Markt kamen, war die Enttäuschung groß. Bislang geht die Branche davon aus, dass Microsoft den technischen Anschluss erst wieder im September 2010 erreicht, wenn endlich Gadgets mit Windows Mobile 7 auf den Markt kommen.
Doch der Markt wartet nicht: Blackberry und Apple konnten sich mit ihren eigenen Entwicklungen inzwischen im Smartphone-Markt an die Spitze setzen. Laut Comscore hat RIM auf dem US-Markt inzwischen einen Marktanteil von 42,1 Prozent, Apple kommt auf 25,4 Prozent, gemessen von Dezember 2009 bis Februar 2010. Microsoft ist mit 15 Prozent nicht nur deutlich abgeschlagen dahinter, der Software-Riese hat sogar gegenüber dem vorangegangenen Drei-Monats-Zeitraum mit einem Minus von vier Prozent überraschend stark verloren. Googles Android konnte dagegen um 5,2 Prozent zulegen und erreicht nun auf dem US-Markt einen Anteil von 9,0 Prozent. Hält die Entwicklung an, dürfte Microsoft schon bald vom dritten Platz verdrängt sein.
Die Mobile-Lücke in der Produktstrategie hatte Berg schon frühzeitig kritisiert. Nachdem er die deutsche Landesniederlassung wieder stark gemacht hat und auch die Windows-7-Einführung hierzulande als großer Erfolg gilt, darf er nun zeigen, wie er das Mobile-Dilemma auszubügeln weiß. Für Microsoft wird es dafür höchste Zeit: Laut Gartner sollen schon in drei Jahren mehr Smartphones online sein als Notebooks und PCs. Somit könnte sich die Bedeutung der Betriebssystem-Anbieter erheblich verschieben – je nachdem, wie gut die Mobile-Plattform abgedeckt wird.
Bei seinem neuen Job dürften Achim Berg seine Erfahrungen als Telekom-Vorstand zugute kommen. Er war zwar in der Festnetz-Sparte angesiedelt, weiß aber, wie der Provider tickt, der auch in den USA und zahlreichen europäischen Ländern aktiv ist. Und er hat auch noch etliche aktive Kontakte zu seinem alten Arbeitgeber, bis hin zum Konzernchef René Obermann, mit dem er bislang gemeinsam im Bitkom-Präsidium saß.
Sein Vorgesetzter Andy Lees setzt jedenfalls große Hoffnungen in den Manager aus Deutschland: „Achim Berg wird sein herausragendes Urteilsvermögen, seinen exzellenten Führungsstil sowie seine praktischen Vertriebs- und Marketingerfahrungen in das Mobile Communications Business Team (MCB) einbringen. Seine Erfahrungen bei der Deutschen Telekom, Fujitsu Siemens und Dell ergeben eine umfassende Sicht auf unser Geschäft. Achim ist insofern eine große Bereicherung für das Leadership-Team und wird dazu beitragen, das Mobility-Geschäft sowie das MCB-Team auf Erfolgskurs zu bringen und dabei mit dem wichtigen Start unseres Windows Phone 7 beginnen.“
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