<b>Interview-Reihe zur Lage der Software-Branche</b>

<b>Cloud Computing und die Microsoft-Welt</b>

10.09.2009 | Redakteur: Stefan Riedl

Jochen Wießler ist Direktor Microsoft Business Solutions bei Microsoft.

In einer Interview-Reihe hat IT-BUSINESS einige Branchengrößen aus dem Software-Markt zu den wichtigsten Trends befragt. Welchen Einfluss hat Cloud Computing? Wie wirkt sich die Wirtschaftskrise aus? Wie wachsen verschiedene Anwendungen zusammen? Im zweiten Teil steht Jochen Wießler Rede und Antwort. Wießler ist Direktor Microsoft Business Solutions bei Microsoft in Unterschleißheim.

ITB: Welche wichtigsten Trends bestimmen gegenwärtig das ERP-Marktumfeld oder spielen in Zukunft eine große Rolle.

Wießler: Auf der technischen Ebene beobachten wir zwei Entwicklungen, die in Zukunft den ERP-Markt deutlich prägen werden. Business Software wird immer persönlicher. Viele Unternehmen entdecken, dass die Produktivität ihrer Mitarbeiter weniger davon abhängt, ob und welche Software eine Firma implementiert hat, als vielmehr von der Frage, wie intensiv ihre Mitarbeiter die zur Verfügung stehenden Tools in ihrem Arbeitalltag nutzen. Aus unserem Blickwinkel spaltet sich die Softwarebranche hier in zwei Lager. Zum einen stehen da Hersteller, die auf eine Vielfalt möglicher Funktionen ihrer Software setzen, mit deren Hilfe die Mitarbeiter unterschiedlichste Aufgaben lösen können. Auf der anderen Seite – und hier sieht Microsoft ein erhebliches Potenzial – sind IT-Anbieter erfolgreich, deren Software Mitarbeitern genau diejenigen Funktionen bereit stellt, die sie für ihre individuellen Aufgaben im Unternehmen benötigen. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Anwender eine Software intensiver nutzen, je schneller sie sich in den Menüs zurecht finden und die Software für die Lösung von Arbeitsaufgaben nutzen können. Eng damit verknüpft: Business-Software wird sich in Zukunft immer stärker in die vorhandene IT-Systemik eines Unternehmen eingliedern. Die Integration verschiedener Softwaresysteme in eine unternehmensweite IT-Gesamtstruktur ist sicherlich unter dem Blickwinkel der gewachsenen EDV-Strukturen vieler Firmen eine Herausforderung – sie lässt sich aber nicht umgehen. Die Zukunft wird den Firmen gehören, deren IT rollen- und funktionsspezifisch Arbeitaufgaben löst.

ITB: Welchen Einfluss hat das Thema Cloud Computing auf das Marktumfeld?

Wießler: Wir sind der Überzeugung, dass eine Verzahnung von Anwendungs- beziehungsweise Server-Software mit webbasierten Diensten neue und kreative Lösungen für Unternehmen schafft. Viele Mitarbeiter nutzen heute bereits Web- und Web-2.0-Technologien in ihrer täglichen Arbeit, beispielsweise beim Einsatz von interaktiven Straßenkarten für die Routenplanung aus einem CRM-System heraus. Diese Entwicklung wird sich in Zukunft noch verstärken.

ITB: Wie begegnet Microsoft diesem Trend?

Wießler: Mit „Software + Services“ haben wir eine Strategie entwickelt, die Internetdienste und lokale Anwendungen als eine Einheit betrachtet. Parallel dazu hat Microsoft in den letzten Monaten ein Gesamtangebot unterschiedlichster internetbasierter Dienste vorgestellt. Sie alle erweitern Firmen-Software durch die Aktualität von Daten aus dem Internet. Diese neue Entwicklung erfordert von Unternehmen allerdings eine sehr genaue Analyse, welche Arbeitsabläufe in welcher Weise mit anderen Prozessen oder Anwendungen verbunden sind. Vor allem Sicherheitsaspekte und Fragen der Einhaltung von Servicelevel-Absprachen sowie rechtliche Aspekte müssen dabei berücksichtigt werden. Kurz: Für Unternehmen gilt es zu entscheiden, welche Arbeitsprozesse sinnvoller Weise vor Ort laufen müssen und welche über webbasierte Applikationen.

ITB: Welche Bedeutung hat dieser Trend für den Gesamtmarkt?

Wießler: Dies hat natürlich auch Auswirkungen auf den Markt für Business-Software. Hersteller, die nicht nur lokal installierte Anwendungen bereit stellen, sondern auch komplementäre Web-Dienste haben in Zukunft einen strategischen Vorteil. Anbieter, die allerdings komplett auf Cloud Computing setzen, werden es in Zukunft schwieriger haben, da viele, gerade mittelständische Unternehmen zögern, firmenkritische Prozesse und IT-Anwendungen an Hosting-Dienstleister zu vergeben.

Lesen Sie auf der nächsten Seite wie Microsoft die Frage On-Premise oder Hosting beantwortet und auf welche Weise verschiedene Software-Anwendungen zusammen wachsen.

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