PC-Fertiger nimmt Kampf im preismaroden Segment auf

Packard Bell rudert gegen den Strom

06.12.2006 | Redakteur: Regina Böckle

Anfeuern. Packard Bell will am deutschen Consumer-Markt massiv Flagge zeigen. Das erfordert langen Atem – und Wagemut angesichts der vielen B-Brand-Anbieter, die mit diesem Ansinnen gescheitert sind.

Packard Bell zeigt Mut – und das gleich mehrfach. Aus dem Schatten des ehemaligen Mutterkonzerns NEC herausgetreten, schickt sich der PC-Hersteller an, unter Leitung des neuen Eigentümers John Hui auch im preislich heiß umkämpften deutschen Consumermarkt Fuß zu fassen. Ein Markt, dem inzwischen eine ganze Reihe von B-Brand-Anbietern den Rücken kehrten oder kehren mussten.

Ebenso entschlossen schwimmt das Unternehmen beim Thema CeBIT gegen den Strom: Während Branchengrößen wie Sony, Lenovo, LG, Motorola, Nokia, Shuttle hier 2007 nicht mit einem eigenen Stand vertreten sein werden, kündigte Packard Bell jetzt die Teilnahme an. Im Mittelpunkt stehen Notebooks, Desktops, Peripherie-Geräte, aber auch MP3-Player, HDD-Rekorder und DVD-Player. Packard Bells Marketing-Director Hugues Gontier, der von der Europazentrale in Frankreich aus den CeBIT-Auftritt koordiniert, will den deutschen Markt ebenso bedienen wie alle anderen europäischen Länder. Dabei setzt er vor allem auf die Zusammenarbeit mit Resellern.

Frage des Modells

Ob der Start glückt, wird vor allem davon abhängen, mit welcher Art von Resellern man zusammenarbeiten möchte und wie viel Freiraum sich Packard Bell bei den Konditionsverhandlungen sichern kann. Denn an Vertragsgrundsätzen, die sich in bestimmten Zweigen des Retailgeschäfts eingeschliffen haben, sind schon andere gescheitert. Extrem lange Zahlungsziele und vor allem großzügige Rückgaberechte brachten selbst lang etablierte Anbieter in die Schieflage.

Domino-Effekt

Einer der ersten war im Jahr 2004 PC-Fertiger 4MBO, den insbesondere „Gewährleistungsabzocker“ in die Knie zwangen. Das Konzept: Kurz vor Ablauf der zweijährigen gesetzlichen Gewährleistungsfrist wurden die meist bei Plus gekauften Geräte als defekt zurück gegeben. Teilweise waren die Geräte nicht defekt, bei einem weiteren Teil war, wie sich allerdings oft erst nachträglich herausstellte, beim Defekt nachgeholfen worden oder man hatte einfach einzelne Komponenten ausgebaut. Die Rückgabe bei den Supermarktangestellten erfolgte in der Regel problemlos. Doch diese Art „Post-Sales-Support“ ließ die ohnehin dünnen Margen des Herstellers dahinschmelzen, denn die Geräte wurden gegen neue, oft hochwertigere Systeme, einfach ausgetauscht. „So etwas ist nur bei Margen von 30 Prozent problemlos machbar“, sagen Brachenkenner, „die gibt es aber nicht.“

Im Frühjahr 2005 schließlich verleibte sich Medion die Reste der insolventen 4MBO ein. Richtig profitiert hat Medion davon nicht, denn kurz darauf begann der Aldi-Lieferant selbst zu kämpfen, und ein Ende dieser Talfahrt ist noch nicht abzusehen. Nach deutlichen Umsatz- und Gewinneinbrüchen im ersten Halbjahr 2006 rang Medion weiter mit „nicht rentablen Kleinlieferungen“ und den Nachwirkungen einer mittlerweile zu breiten Produktpalette. Ähnlich gelagerte Probleme bewogen PC-Fertiger Lion zur Aufgabe des Fertigungsgeschäfts. Auch hier waren vor allem die Kosten für Rücknahme-, Service- und Garantieverträge aus dem Ruder gelaufen, die für Großabnehmer wie beispielsweise Aldi, Tchibo, Metro, Norma selbstverständlich, für ihre Lieferanten aber häufig unbezahlbar sind. Insbesondere dann, wenn die Stückzahl-Absätze bei PCs rückläufig sind. Notebooks stehen bei den Kunden hierzulande zwar immer noch hoch in der Gunst, dennoch sinken die Preise mit erneut zunehmender Geschwindigkeit.

Das bekam vor allem Notebook-Spezialist Gericom zu spüren, der immer tiefer in die roten Zahlen rutscht. In der für den 20. Dezember anberaumten Hauptversammlung sollen die Aktionäre über die zukünftige Ausrichtung entscheiden – und damit auch über die grundlegende „Änderung und Ergänzung des Unternehmensgegenstandes“, mit dem der komplette Ausstieg aus Produktion und Service einherginge. Allerdings werden bereits seit Anfang 2005 Gericoms CE-Produkte von der chinesischen SVA-Gruppe gefertigt und die Notebooks laufen beim taiwanesischen Assembler Quanta von Band. IPC Archtec wiederum hat sich bereits seit Jahren aus der Fertigung zurückgezogen und im Juli die Auflösung des Unternehmens beschlossen. Und Yakumo ist unter das Maxdata-Dach geschlüpft.Wrb


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