Noch kein Ende der Hurd-Affäre in Sicht

HP muss CEO-Rausschmiss wieder aufrollen

25.01.2011 | Redakteur: Harry Jacob

Keine leichte Aufgabe hat Léo Apotheker, seit November 2010 CEO von Hewlett-Packard.

Eigentlich würde der neue HP-CEO Léo Apotheker lieber nach vorne blicken. Aber die Aktionäre zwingen ihn dazu, sich weiter mit seinem Vorgänger Mark Hurd zu befassen. Neue Mitglieder im Board sollen zur Aufklärung beitragen.

Komplett widerstreitende Aktionärsklagen hat HP am Hals. Die einen glauben, der Rausschmiss von Mark Hurd sei ein Fehler gewesen und habe dem Unternehmen geschadet. Tatsächlich war der Aktienkurs stark eingebrochen, hatte sich später aber wieder erholt.

Die anderen meinen, es habe gute Gründe für die Trennung von Mark Hurd gegeben, deshalb sei es ein Unding, ihm auch noch eine Abfindung mit auf den Weg zu geben. Bis zu 50 Millionen US-Dollar in bar, Aktien und Aktien-Optionen soll Hurd bekommen haben. Auf einen Teil der Summe verzichtete er, nachdem er beim HP-Konkurrenten Oracle untergekommen war.

Nun muss das Board of Directors den Vorgang noch einmal neu aufrollen. Helfen sollen dabei sowohl neue Mitglieder, die vergangene Woche nominiert wurden, als auch externe Kräfte. Die derzeitigen Mitglieder des Board of Directors von HP finden Sie in der Bildergalerie.

Bagatell-Delikt?

Mark Hurd hat HP zum Amtsantritt wieder in ruhige Fahrwasser gebracht, mit seinem Abgang aber dem Konzern erneut ein PR-Desaster beschert.
Mark Hurd hat HP zum Amtsantritt wieder in ruhige Fahrwasser gebracht, mit seinem Abgang aber dem Konzern erneut ein PR-Desaster beschert.

Der Abgang Hurds begann mit der falschen Anschuldigung einer ehemaligen Mitarbeiterin, die ihm sexuelle Belästigung vorgeworfen hatte. Dies stellte sich später als unbegründet heraus. Doch bei der Aufklärung der Vorgänge kam heraus, dass Hurd falsche Spesenabrechnungen eingereicht hatte – private Treffen mit besagter Dame wurden auf Firmenkosten abgerechnet.

Die Gegner des Rauswurfs argumentieren, es sei nur ein kleiner Verstoß gewesen, der den spektakulären Rausschmiss nicht gerechtfertigt habe – und schon gar nicht dessen Folgen: um mehr als 20 Milliarden US-Dollar war der Aktienwert von HP nach unten gerauscht. Am 2. August 2010, wenige Tage vor der offiziellen Bekanntgabe des Rücktritts war der Kurs noch bei 47,56 Dollar. Am 27. August erreichte er seinen Tiefststand bei 38,00 Dollar.

Zwar hat sich der Kurs wieder erholt – aber andere Unternehmen konnten ihren Börsenwert im vergangenen halben Jahr vergrößern, während HP im heutigen Handel mit 47,50 Dollar gerade mal an die Bewertung vom Sommer 2010 heranreicht.

Einen mindestens vierstelligen Betrag soll Hurd sich erschlichen haben, jüngste Gerüchte behaupten, der Schaden für HP sei sogar noch größer als bislang bekannt. HP hatte sich hohe ethische Standards gesetzt. Ein Chef, der quasi mit den Fingern in der Kasse erwischt wird, war da kaum haltbar.

Vertrauenskrise

Zudem hatte das Aufsichtsgremium das Vertrauen in Hurd verloren. Was, wenn an den Vorwürfen der ehemaligen Mitarbeiterin doch etwas dran war? Oder wenn noch ganz andere Dinge auf den Tisch kommen sollten? Inzwischen ermittelt beispielsweise die Börsenaufsicht SEC, weil Hurd Firmengeheimnisse verraten haben soll – die geplante Übernahme von EDS habe Hurd vorzeitig ausgeplaudert. Damit hätte er Insiderwissen preisgegeben und sich strafbar gemacht.

So entschied sich das HP-Board, den Konzernchef vor die Tür zu setzen. Allerdings nicht ohne eine großzügige Abfindung: 12,2 Millionen in bar und rund 16 Millionen in Aktien, hieß es zunächst. Später wurde bekannt, dass das Gesamtpaket einen Wert von 35 Millionen Dollar haben soll, andere Quellen kolportieren sogar eine Summe von annähernd 50 Millionen.

Nach den Querelen, den sein Antritt bei Oracle ausgelöst hatte, gab es Nachverhandlungen, bei denen Hurd auf Aktienoptionen aus den Jahren 2008 und 2009 verzichtete. Die seien rund 17,5 Millionen Dollar wert gewesen und würden rund der Hälfte seiner Entschädigung entsprechen, sagte Hurd damals.

Für etliche Aktionäre steht außer Frage, dass Hurd zu recht gefeuert wurde – und aufgrund seines Fehlverhaltens überhaupt keine Entschädigung verdient habe. Auch diese Fraktion klagt nun gegen HP.

Schwierige Aufgaben für Apotheker

Der Nachfolger von Hurd, Léo Apotheker, muss nun dafür Sorge tragen, dass die Vorgänge aufs genaueste aufgeklärt werden, um den Klägern den Wind aus den Segeln zu nehmen. Rücksichtnahme ist dabei nicht nötig, denn es ist kaum vorstellbar, dass noch mehr Porzellan zerschlagen werden kann als in den vergangenen Monaten. Ein umfangreicher Personalwechsel im Board of Directors, das einer Kombination von Vorstand und Aufsichtsrat einer deutschen Aktiengesellschaft entspricht, macht den Neubeginn bei der Aufarbeitung der Affäre sicher einfacher.

Allerdings ist dies nur ein Nebenaspekt bei der Neubesetzung. Expertise aus der Netzwerksparte, der Telekommunikation und dem Online-Handel sowie der Finanzbranche sind auch ein Fingerzeig auf die Weiterentwicklung des operativen Geschäfts. Laut Wall Street Journal soll HP künftig auf margenträchtigere Bereiche setzen: Software und Services inklusive Cloud Computing, Netzwerke und Storage sollen die Wachstumstreiber werden.

Startschuss zum Umbau von HP am 23. März?

Das wird weitere personelle Konsequenzen im operativen Geschäft sowie in der Struktur des Unternehmens hinterlassen. Details will Apotheker aber erst im März bekanntgeben. Vermutlich wird dies am 23. März geschehen, zur Jahreshauptversammlung der HP-Aktionäre in Arlington. Dort wird auch das Board of Directors neu gewählt. Die neu berufenen Mitglieder sind bereits Teil des Gremiums, die ausscheidenden Mitglieder werden nicht mehr zur Wiederwahl antreten.


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