Common Building Blocks gelten als gescheitert

Intel kehrt der Notebook-Standardisierung den Rücken

12.05.2009 | Redakteur: Stefan Riedl

Das Scheitern des Programms

Den Großteil des Barebonemarktes bedienen die drei asiatischen Größen Compal, ASmobile (ein Asus-Brand) und Quanta. Die drei Massenfertiger lieferten in Kooperation mit Intel Barebones mit sieben standardisierten Komponenten, die über einheitliche und herstellerübergreifende SKUs (»Stock Keeping Units«, Identifikationsnummern in der Lagerverwaltung) verfügen. Diese Barebones finden ihren Weg auf den Markt unter dem Label zahlreicher OEM-Hersteller. Die gemeinsamen Zutaten – Common Building Blocks genannt – sind Festplatten, optische Laufwerke, LCD-Panels, Akkus, Netzteile, Keyboards und Frontplatten für Notebook-Deckel, die hinsichtlich ihrer Abmessungen und Anschlüsse so gebaut sind, dass sie stets untereinander ausgetauscht werden können. Später kamen Mainboards und Gehäuse hinzu. Der große Durchbruch blieb trotzdem aus,

Von III über VBI bis zum Ende

Intel war der Treiber für dieses Programm und installierte sich selbst als feste Größe in der Notebook-Standardisierung im Jahr 2006 durch die so genannte III (Intel Interchangeability Initiative). Dieser Zungenbrecher wurde dann umbenannt in VBI (Verified by Intel). Die Vorgehendweise dabei: TK-Distributor Brightpoint sammelt für das VBI-Programm die Aufträge seitens anderer Distributoren. „So erreichen wir die Volumina, die man für günstige Einkaufskonditionen bei den Barebonegrößen Quanta, ASmobile und Compal braucht”, erläuterte Intel-Geschäftsführer Hannes Schwaderer im Mai 2007.

Über standardisierte Mainboards konnten auch Gehäuse zur CBB-Komponente werden.
Über standardisierte Mainboards konnten auch Gehäuse zur CBB-Komponente werden.

Im Oktober 2007 hieß es aus dem Hause Intel noch, dass nun auch Mainboards zur CBB-Komponente werden sollen. Dazu arbeitet das CBB-Konsortium mit dem Fertiger Mitac zusammen. Und wenn sich erst einmal bei den CBB-Notebooks die Schnittstellen nach außen (USB, Strom etc.) an einheitlichen Stellen befinden, ist der Weg zu vereinheitlichten Gehäusen nicht mehr weit, so die Planung.

Garantieversprechen wurde wieder aufgekündigt

Doch wie das Gespräch mit Christian Ganz zeigt, waren es dann offenbar insbesondere Qualitäts- und Lieferprobleme bei den Gehäusen, die Intel von der CBB-Initiative Abstand nehmen ließen. Hersteller hatten ursprünglich die Möglichkeit, über das VBI-Programm Garantien bezüglich einzelner CBB-Komponenten über Intel abzuwickeln. Dieses Programm ist offenbar schon seit geraumer Zeit ausgelaufen, während die CBB-Initiative von Intel aber weiterhin als Erfolg verkauft wurde. Aber insbesondere für kleinere Hersteller auf dem Markt war das vereinfachte Garantieprozedere ein besonders wichtiger Baustein in der CBB-Philosophie.

Kommentar des Autors: Die großen Hersteller sprangen nicht auf

Stefan Riedl, Leitender Redakteur, IT-BUSINESS
Stefan Riedl, Leitender Redakteur, IT-BUSINESS

Natürlich kehrte Intel dem CBB-Programm nicht nur wegen Qualitäts- und Lieferschwierigkeiten den Rücken. Insgesamt geht es darum, ob so ein Programm vom Markt angenommen wird oder nicht, sind sich Branchenkenner einig. Und hier haperte es. So manch kleinerer Notebook-Hersteller freute sich zwar, wenn er nachweislich »mit dem selben Wasser kocht, wie ein teilnehmender A-Brand«. Die sehr großen Player mit einer starker Marke im Markt fanden aber von Anfang an wenig Gefallen an den Standards, da sie ihre Differenzierungsmöglichkeiten zum Wettbewerb einschränkten. Im Rückblick mutet es etwas seltsam an, wie lange Intel das CBB-Programm in Interviews noch als Erfolg, ja sogar als „Selbstläufer“ zu verkaufen versuchte. Schön, dass Channel-Manager Christian Ganz nicht davor zurück schreckt, die Dinge jetzt beim Namen zu nennen, auch wenn man sich in seiner Position mitunter diplomatisch ausdrücken muss. Hervorheben möchte ich in diesem Zusammenhang sein Statement: „Wir unterstützen aber weiterhin die Initiative, auch wenn wir sie selbst nicht mehr aktiv begleiten“.

Glossar: Was bedeuten CBB, OEM und ODM?

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