17.12.2008 | Redakteur: Stefan Riedl
150 Millionen Euro von Sachsen; 150 Millionen Euro von Infineon – so lässt sich das geplante Rettungspaket für die strauchelnde Speichermedientochter Qimonda zusammen fassen. Der Deal ist geplatzt, denn Infineon hat gute Gründe, sich nicht darauf einzulassen.
Der Hilfsplan des Freistaates Sachsen ist gescheitert. 150 Millionen Euro als Darlehen aus Steuergeldern wurde Infineon zur Abwendung einer Insolvenz angeboten, wenn der Münchner Halbleiterhersteller denselben Betrag zur Rettung der strauchelnden Tochter beiträgt. Nun ist klar: Das 300-Millionen-Euro-Paket wird es in dieser Form nicht geben. Ein »unkonditionierter, dauerhafter Beitrag in Höhe von 150 Millionen Euro in bar« sei für Infineon gegenwärtig nicht zu stemmen. Diese Forderung übersteige »bei weitem die Möglichkeiten«. Infineon habe das in den Verhandlungen mit dem Freistaat frühzeitig und deutlich zum Ausdruck gebracht. Peter Bauer, Sprecher des Infineon-Vorstandes sagte dazu: »Wir bedauern außerordentlich, dass unsere Vorschläge vom Freistaat Sachsen nicht berücksichtigt werden konnten«, so der Manager. Man werde weiter das Gespräch mit dem Land suchen.
Infineon hält gegenwärtig einen Anteil von 77,5 Prozent an der Qimonda AG, die Speicherprodukte herstellt und an der New York Stock Exchange mit dem Tickersymbol »QI« gelistet ist. Die Münchner haben also viel zu verlieren.
Sachsen steht aber auch unter Handlungsdruck, da Branchenexperten durchaus die Gefahr eines Dominoeffektes im »Sillicon Saxony« sehen, da die dort agierenden Firmen stark miteinander verflochten arbeiten.
Infineon ist seinen Aktionären verpflichtet. Sachsen dem Steuerzahler. Geld verbrennen darf man nirgendwo. Zu hoch loderten die Flammen in den vergangenen Monaten. Das Bild des heroischen Freistaates, der um die Errettung von Qimonda kämpft, während der schäbige Mutterkonzern sich nicht um seine Tochter kümmert, hinkt daher gewaltig.
150 Millionen Euro vom Staat, wenn 150 Millionen von Infineon zugeschossen werden – das klingt nach Wohnungsbauprämie. Die Wirklichkeit sieht aber anders aus: Natürlich wären die 150 Millionen Euro aus dem Steuersäckel ein Darlehen gewesen – zu banküblichen Konditionen mit der einhergehenden Zinslast. Da ist die Frage durchaus erlaubt, ja angebracht, ob hier ein 300-Millionen-Paket in den Sand gesetzt werden würde, oder ob der Gang zum Insolvenzgericht den besseren Befreiungsschlag darstellt.
»Never stop thinking« lautet der Claim von Infineon. Da wird man doch noch nachdenken dürfen. Außerdem: Insolvenz ist schon lange nicht mehr mit »Pleite« gleichzusetzen. Der Infineon-Verlust hat sich im Ende September abgelaufenen Geschäftsjahr verzehnfacht, auf 3,1 Milliarden Euro. Vor diesem Hintergrund hat der Münchner Halbleiterhersteller sich dazu entschieden, keine weiteren Risiken einzugehen und steht nun blamiert da, weil er einräumen musste, dass der geforderte 150-Millionen-Anteil die derzeitigen Möglichkeiten übersteigt.
Ein besseres Image konnte da zu Krisenzeiten beispielsweise Solarzellenhersteller Solarworld verbuchen, die doch glatt angeboten haben, die Opel-Werke zu übernehmen. Dass das in den Augen vieler Branchenkenner nur ein rhetorisches Luftangebot war, das geradewegs in die Schlagzeilen führte, bleibt selten im Hinterkopf möglicher Kunden und Investoren hängen. Auch das Infineon-Sachsen-Debakel hat mit Image zu tun, und das Märchen vom heroischen Freistaat Sachsen und den geizigen Münchnern ist wieder einmal viel zu einfach gestrickt.
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